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Pfeil und Drogen – der Kampf um Aufmerksamkeit im Sport

7 Jan

Dart ist eine Eskalationssportart. Die Fans sind sturzbetrunken und in Partylaune, die Sportler sehen eher nach klassischen Kneipensportlern aus und das Werfen von Pfeilen ist eigentlich völlig fernsehuntauglich. Dart hat trotzdem seine Nische gefunden. Warum es andere Sportarten neben König Fußball so schwer haben, zeigen die wunderbaren Pfeileschmeiß-Exzesse.

Party hard

Die Übertragungen der Dart-WM gleichen Ballermann-Partys. Jeder interviewte Fan ist mindestens angetrunken, total gehyped und freut sich einen Keks, im Fernsehen zu sein. Den Stars der Szene scheint die mediale Aufmerksamkeit und die Hingabe der Fans fast ein bisschen peinlich zu sein, was man von Ballermann-Stars hoffentlich auch behaupten kann. Aber im Gesamtpaket funktioniert es tadellos. Neben durchritualisierten Sportarten wie Fußball oder Tennis wirkt Dart wie eine Frischekur, die der geneigte Zuschauer dringend nötig hat.

 

Dart ist bunt, Dart ist laut, Dart ist besoffen gut drauf

Die Live-Übertragung von Trinkeskapaden und Nebenbei-Wurfarien ist dabei vor allem eines: überraschend. Der Zuschauer weiß nicht, was er gleich zu sehen bekommt, pöbelnde Fans inklusive. Diese Unberechenbarkeit und Freude an der Anarchie ist die Stärke von Dart. Und eben genau das, was der Fußball nicht zu bieten hat. Sportarten überleben im Kampf um Aufmerksamkeit neben dem Fußball nur mit Einzigartigkeit oder zumindest deutlichem Anderssein. Beachvolleyball ist für den geneigten Zuschauer unter anderem deshalb so interessant, weil viel nackte Haut zu sehen ist. American Football, weil es richtig kracht.

In der Zeit der immer kürzeren Aufmerksamkeitsspannen dürfen Sportarten nicht zu lange dauern. Sie brauchen schnelle und abfeierbare Höhepunkte. Nichts geht über die zelebrierten Spontanpartys bei einer 180. Die Interessensverschiebung der Fans spüren vor allem Athleten in sehr linearen Disziplinen. Der Leichtathletik könnten in naher Zukunft die Fans ausgehen. Für Darts und anderen heißen Scheiss lässt man sich einfach leichter begeistern.