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Gestenreich – die geheime Sprache der Fußballwelt

26 Mrz

Fußball ist Kunst. Nirgendwo sonst wird so viel geschauspielert und dramatisiert, auch nicht im Theater. Dazu kommen bühnenreife Vorführungen in Gestik und Mimik, die hin und wieder zu Missverständnissen führen können. Aber nicht mit uns. Wir klären auf, was Fußballer mit all ihren Gesten wirklich sagen wollen.

 

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Der Stinkefinger

Wie wir seit Varoufakis wissen, sendet der Mittelfinger eine ambivalente Botschaft. Als Spieler versucht man so, die gegnerischen Fans zu emotionalerem Beistand zu animieren. In allen bekannten Fällen hat das auch zu durschlagendem Hass/Erfolg geführt. Akteure wie Effenberg und Ronaldo laufen nur bei ausreichend vielen Anfeindungen zu Höchstform auf.

Der Reklamierarm

Noch eine häufig fehlinterpretierte Geste. Der gemeine Torwart will so seine Unterbeschäftigung zum Ausdruck bringen. Durch Meldung an den Schiedsrichter verlangt der Torhüter mehr Ballberührungen. Bekommt er diese nicht, hat er das Recht zur Eckfahne zu laufen und beleidigte Leberwurst zu spielen. Dadurch lassen sich auch Neuers Ausflüge erklären – schließlich hat keiner gesagt, zu welcher Fahne.

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Der Trikotkuss

Eine vermeintlich klare Geste. Ein Spieler will damit aber eigentlich nur eines ausdrücken: Der Verein ist meine echte Liebe. Bis die nächste Liebe kommt. Und zwar eine mit mehr Geld. Viel mehr Geld. Und Autos. Und Frauen wären auch geil. Aber für den Anfang sollte es mehr Geld eigentlich schon tun. Bei welchem Verein spiele ich gerade? Und wann kommt endlich das Rentenangebot aus China?

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Das Gefuchtel

Diese Bedeutung dürfte klar sein: Umstellen. Und zwar so, dass es auch funktioniert. Habt ihr meine Handbewegungen nicht gesehen? Dass du 40 Meter entfernt stehst, ist keine Ausrede! Also los, hol dir jetzt diesen Ball und schieb ihn rein! So schwer ist das jawohl wirklich nicht. Schließlich hast du einen super, super Trainer. Mit super, super komplizierten Gesten. Die eigentlich nur von meinem fehlenden Haupthaar ablenken sollen.

Der Djilobodji aka Kopf-ab-Geste

Ein klassisches Missverständnis. Djilobodji wollte seinem Gegner nur klar machen, dass eine Schwalbe hier völlig unangebracht ist. Macht man schließlich in Afrika immer so, sagt zumindest sein Manager Eichin. Wie man in Bremen sonst mit Halsabschneidern umgeht, wollen wir an der Stelle gar nicht wissen. Wahrscheinlich kriegen sie einen Job im Management.

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Die Unschuldsgeste

Unschuldig im Sinne der Anklage! Schiedsrichter, jetzt mal ernst. Der ist gerade von alleine umgefallen. Wahrscheinlich der Wind. Mein Bein zwischen seinen Beinen hatte damit nichts zu tun. Meine Arme auch nicht, wie soll ein 80kg-Mann denn bitte so leicht fallen. Eigentlich stand ich auch gar nicht sooo nah am Gegenspieler. Und vielleicht bist du auch gar nicht der Schiedsrichter, sondern Manuel Neuer. Aber das würde jetzt zu weit führen.

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Der Ohrschrauber

Der gemeine Stürmer feiert so seine Tore, will damit aber eigentlich auf ein weit verbreitetes Problem hinweisen: Hörprobleme aufgrund steigenden Alters. Wer sich jahrelang von tausenden Fans in die Ohren brüllen lässt und jede Woche Lärm wie auf einem Rockkonzert ertragen muss, der braucht sich nicht zu wundern. Es gibt Gründe, warum Stürmer nicht bis ins hohe Alter auf dem Platz stehen. Ihren Ohren zuliebe.

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Serena Williams – der Endboss

1 Feb
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Serena Williams ist die beste Tennisspielerin der Welt, sie dominiert die Konkurrenz seit Jahren nach Belieben. Gegen diese Überathletin musste Angelique Kerber antreten, um ihren Traum vom ersten Grand-Slam-Titel zu verwirklichen. Und sie hat den Endboss besiegt.

Williamsstrong

Bosshafte Spielweise

Schon ihre Erscheinungsweise macht jeder Gegnerin deutlich, dass hier nichts zu holen ist. Williams ist durchtrainiert, strahlt extreme Power aus und brüllt ihre Gegnerin nach Winnern in Grund und Boden. Sie hat das Damentennis revolutioniert und die Ära der Power-Spielerinnen eingeläutet. Seit 17 Jahren ist Serena eine Ausnahmeerscheinung, ihr mittlerweile hohes Tennisalter von 34 Jahren scheint sie nicht zu bremsen. Auch nach dieser langen Zeit diktiert sie das Spielgeschehen nach Belieben – doch jeder Diktator kann irgendwann stürzen.

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The next Steffi Graf

Die härteste Prüfung ihrer Karriere hat Angelique Kerber mit Bravour bestanden. Sie hat die scheinbar unschlagbare Williams im größten aller Spiele bezwungen und die 17-jährige Durststrecke der deutschen Tennisdamen bei Grand Slams beendet. Dabei entnervte sie die Powerfrau Williams mit unbändigem Laufwillen und hervorragendem Defensivspiel – frei nach dem Motto: Ich kann immer einmal öfter als du. Und genau das zeichnet ihr Spiel aus: Sie bestimmt nicht den Spielverlauf, sondern hält den Ball im Spiel. Lange. Bis einer weint oder der Ball im Aus landet. Und weinen musste Kerber erst nach ihrem Sieg.

Wiliams zerdeppert

Level-Up

Für die neue Williams-Jägerin beginnt jetzt ein neues Leben – als Champion. Kerber ist erwiesenermaßen ein Sieger und zählt bei jedem kommenden Turnier zu den Favoriten. In Deutschland könnte ein neuer Tennis-Boom folgen, allerdings noch nicht in Becker/Graf-Dimension. Dazu müssen noch ein paar Siege folgen. Die Kielerin wird das Werbegesicht 2016 – nach dem Erfolg kommt die Kohle. Kerber hat den Endboss geschlagen und dadurch ein neues Level erreicht – sie ist jetzt ein Champion. Gratulation zum Level-Up. Princess Kerber is now in another castle.

Pfeil und Drogen – der Kampf um Aufmerksamkeit im Sport

7 Jan

Dart ist eine Eskalationssportart. Die Fans sind sturzbetrunken und in Partylaune, die Sportler sehen eher nach klassischen Kneipensportlern aus und das Werfen von Pfeilen ist eigentlich völlig fernsehuntauglich. Dart hat trotzdem seine Nische gefunden. Warum es andere Sportarten neben König Fußball so schwer haben, zeigen die wunderbaren Pfeileschmeiß-Exzesse.

Party hard

Die Übertragungen der Dart-WM gleichen Ballermann-Partys. Jeder interviewte Fan ist mindestens angetrunken, total gehyped und freut sich einen Keks, im Fernsehen zu sein. Den Stars der Szene scheint die mediale Aufmerksamkeit und die Hingabe der Fans fast ein bisschen peinlich zu sein, was man von Ballermann-Stars hoffentlich auch behaupten kann. Aber im Gesamtpaket funktioniert es tadellos. Neben durchritualisierten Sportarten wie Fußball oder Tennis wirkt Dart wie eine Frischekur, die der geneigte Zuschauer dringend nötig hat.

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Dart ist bunt, Dart ist laut, Dart ist besoffen gut drauf

Die Live-Übertragung von Trinkeskapaden und Nebenbei-Wurfarien ist dabei vor allem eines: überraschend. Der Zuschauer weiß nicht, was er gleich zu sehen bekommt, pöbelnde Fans inklusive. Diese Unberechenbarkeit und Freude an der Anarchie ist die Stärke von Dart. Und eben genau das, was der Fußball nicht zu bieten hat. Sportarten überleben im Kampf um Aufmerksamkeit neben dem Fußball nur mit Einzigartigkeit oder zumindest deutlichem Anderssein. Beachvolleyball ist für den geneigten Zuschauer unter anderem deshalb so interessant, weil viel nackte Haut zu sehen ist. American Football, weil es richtig kracht.

In der Zeit der immer kürzeren Aufmerksamkeitsspannen dürfen Sportarten nicht zu lange dauern. Sie brauchen schnelle und abfeierbare Höhepunkte. Nichts geht über die zelebrierten Spontanpartys bei einer 180. Die Interessensverschiebung der Fans spüren vor allem Athleten in sehr linearen Disziplinen. Der Leichtathletik könnten in naher Zukunft die Fans ausgehen. Für Darts und anderen heißen Scheiss lässt man sich einfach leichter begeistern.

 

 

Furyos – Ende einer Legende

2 Dez

Samstagabend war ein historischer Abend. Wladimir Klitschko, der Box-Held und scheinbar unverwundbare Gigant ist gefallen. Seine Niederlage lag am Fluch, der alle Sportler irgendwann ereilt: die Zeit.

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Tyson Fury (27), der neue Weltmeister und Klitschko-Bezwinger ist kein perfekter Boxer. Es gibt stärkere schlagende, technisch versiertere und schnellere Kämpfer. Fury hatte das Glück, genau das richtige Paket für Klitschko zu haben. Der Brite hat eine höhere Reichweite, was Klitschkos Standardtaktik zunichte macht. Der Brite ist wendig, was die fast vierzigjährige Jab-Maschine Klitschko zu erstaunlichen Fehlschlägen verleitet. Und zu guter Letzt ist Fury einfach deutlich schneller. Und das liegt einfach nur am Alter.

Klitschk.o.

Der Kampf hat gezeigt, dass jede Ära irgendwann ein Ende hat. Die Klitschkos haben das Schwergewichtsboxen über ein Jahrzehnt dominiert, was an ihren athletischen und technischen Fähigkeiten lag. Wladimir und Vitali waren die komplettesten Boxer, die der Sport seit langem gesehen hat. Das hat oft kaschiert, dass auch ein Klitschko altert und langsamer wird. Der Fury-Kampf hat eines offenbart: Auch die ukrainischen Terminatoren sind am Ende nur Menschen.

Auge um Auge, Faust um Faust

Der Abgang von Wladimir war unrühmlich und völlig unerwartet. Ein Champion tritt nicht so ab, sondern mit Pauken und Trompeten. Im Kampfvertrag steht eine Rückkampf-Klausel, die Klitschko sicher ziehen wird. Und dann wird er noch ein letztes Mal alles geben, bevor er sich endgültig vom Boxsport verabschiedet. Es wird ein triumphaler K.O. oder ein blutiges Ende auf der Matte – noch eine Runde Schachboxen wird es nicht geben. Seine Zeit ist gekommen.

Klitschko

Dr. Schwarzenegger

Nach dem Kampf ist vor dem Kampf, zumindest im Hause Klitschko. Vitali ist nach seiner Karriere Bürgermeister von Kiew geworden, Wladimir stehen ebenso alle Wege offen. Ob er das politische oder mediale Schlachtfeld sein zukünftiges Zuhause nennt, dürfte hier die interessanteste Frage sein. Man stelle sich Klitschko nur einmal als Schauspieler vor – einen besseren Bösewicht kann man sich nicht malen. So oder so, was ein Klitschko anpackt, wird schlagartig zum Erfolg.

 

 

Favorit auf alles – die Bayern-Dominanz

1 Dez

„München ist wie ein Zahnarztbesuch. Muss jeder mal hin. Kann ziemlich weh tun. Kann aber auch glimpflich ausgehen.“

Diese weisen Worte von Sebastian Prödl beschreiben das diesjährige Dilemma der Bundesliga recht genau. Egal wie gut du spielst, die Bayern sind besser. Egal wie defensiv du spielst, die Bayern finden eine Lücke. Egal wie sehr du dich aufgibst, die Bayern verkloppen dich trotzdem weiter. Wolfsburg? 5:1 verdroschen. Dortmund? 5:1 verhauen. Arsenal? 5:1 vorgeführt. Die Münchner spielen in diesem Jahr in einer eigenen Liga – und das hat mehrere Gründe.

Costa

CoCo statt Robbery

In den letzten Jahren waren die Bayern nur schwer aufzuhalten. Aber es ging. Dortmund, Wolfsburg und Barcelona haben das eindrucksvoll bewiesen. Die Münchner waren abhängig von ihren Flügelflitzern, Robben und Ribery plagen sich aber schon seit Jahren mit Verletzungen. In der entscheidenden Saisonphase waren beide nicht bei 100 Prozent oder gar nicht einsatzbereit. Das ist jetzt vorbei. Robbery ist immer noch dauerverletzt, dafür haben die Bayern nun vorgesorgt. Mit Douglas Costa haben sie den besten Transfer der vergangenen Jahre eingetütet und Coman lässt seinen großen Worten große Taten folgen. CoCo kann Robbery schon jetzt ersetzen und – noch viel besser – ist deutlich variabler einsetzbar.

Kaiseresk

Jerome Boateng war bereits in den vergangenen Jahren Weltklassse. Dieses Jahr hat er sich nochmal gesteigert. Aus dem bockstarken Innenverteidiger wurde ein Spielmacher, ein Verlagerer, ein Ideengeber – kurzum, ein Mats Hummels ohne Fehleranfälligkeit. Boatengs Ausflüge und schlafwandlerisch sicheren Bälle erinnern an den Kaiser. Die Defensive der Bayern wird durch Boateng noch sicherer und noch gefährlicher. Was wirklich keine schöne Aussicht für die Konkurrenz ist.

Müllered

Das Herz der Bayern, es lebt. Das Phänomen Müller funktioniert in diesem Jahr besonders gut. Thomas Müller steht richtig, läuft richtig und trifft richtig. In Guardiolas taktischem Konzept stellt Müller eine zusätzliche Variable dar – er ist der Zufall. Und wie der Zufall es so will, finden die Bayern gegen jeden noch so gut sortierten Gegner eine Lücke.

Müller

Pep der Umbaumeister

Die Bayern rennen 20 Minuten wirkungslos an – zack, eine Umstellung, und die München-Maschinerie kommt ins Rollen. Guardiola findet gegen nahezu jeden Gegner taktische Kniffe und Ideen, die das Bayernspiel bereichern. Es scheint aktuell keine Probleme zu geben, die der Trainermagier nicht zu lösen vermag. Aber eine Aufgabe wird sich ihm diese Saison ganz sicher stellen – eine Gleichung mit drei Bekannten.

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Die Trimagischen

Es gibt europaweit einen tatsächlichen Gegner für den FCB. Und das ist der FCB. Barcelona spielt wie die Bayern seine Gegner an die Wand und führt auch erbitterte Konkurrenten scheinbar mühelos vor. Das Prunkstück der Spanier ist dabei nicht die Defensive – es ist alles andere. Ein überragendes Mittelfeld wird von einem gottgleichen Sturm übertroffen. Messi, Neymar und Suarez bilden die beste Angriffsreihe, die ich je beobachten durfte. Die Kombinationen der drei – unwiderstehlich. Die individuelle Klasse – atemberaubend. Ihr Wirken zusammen – wettbewerbsverzerrend.

Es kann – nein, es muss auf dieses Spiel hinauslaufen. In diesem Jahr sind beide Teams ihren Gegnern um Längen voraus. Bayern wird national problemlos das Double einfahren, Barcelona ebenso. Und für das Spiel des Jahres treffen sich beide hoffentlich erst im Champions-League-Finale. Alles andere wäre verschwendete Dramatik.

Ein ungleicher Kampf

26 Jun

Die Saison ist vorbei und damit beginnt die übliche, mehrmonatige Leidenszeit der Fußballfans. Das sage ich zumindest meiner Freundin, um sie zu beruhigen und von den Tatsachen abzulenken. Es gibt nämlich keine wirkliche Fußballpause mehr. Aktuell bespaßen die U21 und die Frauen-Nationalmannschaft die Fußballgemüter. Dabei duellieren sich zwei Top-Teams um die meisten Zuschauer und die Aufmerksamkeit der Medien und der Massen. Andere Sportarten haben bei einer derartigen Omnipräsenz keine Chance. Und es wird noch schlimmer (besser).

All hail to the king

Durch die erfolgreichen Gruppenphasen haben sich die U21, in der 3 von 24 tatsächlich unter 21 sind, und die Frauen-Nationalmannschaft für Olympia qualifiziert. Dabei ist Olympia doch eine der Veranstaltungen, die den Restsportlern (aus Fußball- und Aufmerksamkeitssicht) gehört. Hier können sich die Bogenschützen, Fechter und Kanuten beweisen und ihre zwei Wochen Ruhm ergattern. Das wird in Rio deutlich schwerer. Wie soll man sich gegen die medialen Wollmilchsäue Schweinsteiger, Lahm und Co. wehren, wie wahrgenommen werden? Auch die besten Leistungen und Rekorde verblassen gegenüber einem 3:0-Erfolg der Nationalmannschaft, Randsportarten unter den Restsportarten werden dadurch zu Fußnoten eines Events degradiert.

Fußball, Fußball über alles

Olympia ist die größte Veranstaltung im Leben eines Sportlers – wenn er kein Fußballer ist. Horst Hrubesch, der Trainer der U21 sagte dazu „Olympia hatte ich noch nicht“ und bringt es damit auf den Punkt. Fußballer haben ihre großen Turniere. Eine Weltmeisterschaft überstrahlt alles, auch Olympia. Europameisterschaften sorgen für weltweite Aufmerksamkeit und das jährliche Premiumprodukt Champions League generiert olympische Aufmerksamkeit – und das über einen Zeitraum von einem halben Jahr. Fußballer nehmen Olympia einfach mit, es ist ein ganz nettes Turnier nach der Europameisterschaft. Aber sie brauchen es nicht. Die Olympischen Spiele wollen von der Strahlkraft des Fußballs profitieren und riskieren dabei, ihr eigenes Leuchten zu verlieren.

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Kampf der Außenseiter

Olympische Geschichten sind Erzählungen von Außenseitern, die jahrelang trainieren, sich verletzen, zurückkommen, verlieren, hoffen, bangen und am Ende vielleicht triumphieren. Es sind menschliche Geschichten, die irgendwie einfach schön sind. Ob sie in Rio auch erzählt werden, wird sich zeigen. Schließlich gibt es da ja noch… oh – die Bayern haben Douglas Costa verpflichtet, Hammer-Transfer! Ob der Ribery wirklich ersetzen kann? Und Westermann, der legendäre HW4 ist auf dem freien Markt! Das wäre doch einer für höhere Aufgaben! Ach, gäbe es doch mehr Fußball…

 

Elf des Spieltages – Die Rückkehr des Lächelns

14 Sep

Kagawa lächeln

Shinji Kagawa

Man muss die Dortmunder Dramaturgen einfach lieben. Sie holen in Zeiten der Fußballsöldner und Geldverbundenen nicht nur den Publikumsliebling Kagawa zurück, sie inszenieren es auch als großangelegte Fan-Aktion. #FreeShinji ist das Comeback des Jahres. Der Japaner spielt seine Rolle zudem perfekt. Er strahlt über das ganze Gesicht, freut sich über seine alte Heimat und zeigte sofort, warum man ihn in Dortmund so liebt: Er macht ein Tor, eine Vorlage und hat ein Dauergrinsen im Gesicht. Nach dem Spiel geht Kagawa alleine vor die Südtribüne und lächelt. Er lächelt einfach. Und genießt. Ein Fußballer mit Herz, mit tatsächlicher Zuneigung für seinen Verein und zu seinen Fans. Was für eine perfekte Geschichte. Schnüff.

Josuha Guilavogui

Der Titel des Kurzarbeiter des Tages geht an Guilavogui. Der Franzose brachte es gegen Hoffenheim fertig, innerhalb von 17 Minuten Gelb und dann Gelb-Rot zu sehen. So eine Arbeitsmoral legen sonst nur Studenten und Hartz-IV-Empfänger an den Tag, aber nicht Profifußballer. Guilavogui wird das egal sein. Er wird wie üblich in seinem Lamborghini nach Hause gefahren sein, dort ein Schluck Champagner zum Kaviar zu sich genommen habe, um dann in seinem Geldspeicher ein wenig schwimmen zu gehen. Was Fußballprofis in ihrer Freizeit eben so machen.

Tin Jedvaj

Und noch ein Leverkusener. Nach so einem Bombenspiel hat man aber auch keine andere Wahl. Der Außenverteidiger ist dynamisch, antrittsschnell und torgefährlich. Sein Volleyschuss zum 1:0 hat Mario Gomez aus Nostalgie-Gründen Tränen in die Augen getrieben. Defensiv lässt Jedvaj noch zu viel zu, trotzdem ist er das größte Außenverteidiger-Talent seit Philipp Lahm. Philipp fucking Lahm. Ein größeres Kompliment kann es für einen Verteidiger nicht geben. Leverkusen muss diesen jungen Mann jetzt kaufen, momentan ist er nur ausgeliehen. Und Jogi Löw sollte ihn auf jeden Fall eindeutschen. Ein weiteres Rudy-Experiment kann man ja nicht mitansehen. Diesen Jedvaj hier schon eher.

Shinji Okazaki

Der Rekord-Shinji. Nicht Kagawa, der Andere. Okazaki hat gegen Berlin einen Doppelpack geschnürt, womit er Okudera als erfolgreichsten Japaner in der Bundesliga ablöst. Okazaki ist jetzt mit 28 Toren Rekordjapaner. Es ist ja verständlich, dass man neue Rekorde erfindet, weil die Bayern alle anderen schon besetzen. Aber Rekordjapaner? Wie wäre es mit Rekord-Nichtmeister? Rekord-Nasenpopler? (Grüße an Jogi Löw) Rekord-Fehlpassgeber? Rekord-am-15.Mai-Geburtstag-Haber? Schließlich wollen die anderen auch mal etwas gewinnen.

Daniel Brückner

Daniel Brückner steht hier stellvertretend für jeden anderen Akteur aus der Partie Paderborn – Köln. Brückners Beitrag zum Spiel: Er spielte mäßig, blieb dann im Rasen hängen und verletzte sich dabei. Ebenso fühlte man sich als Zuschauer, ein Spiel zum ins Graß beißen. Die 90 Minuten waren für Zuschauer verschwendete Lebenszeit, ein Niveau was selbst die dritte Liga überbietet. Beide Teams haben weniger riskiert als Angela Merkel als Kanzlerin und ängstlicher agiert als die FDP im Wahlkampf.  Trotz jetzt jeweils fünf Punkten kann und wird es für Paderborn und Köln gegen den Abstieg gehen. Noch so eine Partie ertrage ich auch nicht.

Matthias Ginter

Ginter ist der Nichtspieler des Tages. Am Wochenende trat sein Ex-Verein Freiburg bei seinem neuen Club Dortmund an und holte sich dort eine Packung ab, auch weil ein guter Innenverteidiger fehlte. Sein Ex-Mentor Streich und Hobby-Nostradamus orakelte bei Ginters Wechsel „der wird da nicht spielen. Der sitzt da nur auf der Bank.“ Und was soll man sagen. Hummels ist noch nicht fit, trotzdem spielt Ginter nicht. So hart es auch klingt, Ginter muss auf eine Verletztung hoffen, sonst kommt er an Hummels, Sokratis und Subotic nicht vorbei. Oder sich ausleihen lassen – z. B. an Freiburg. Immerhin ist Mats ehrlich und zeigt Ginter seinen Stammplatz – die Bank.

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Holger Badstuber

Ach Holger. Was hast du denn angestellt? Massenweise Ameisen als Kind zertreten? Schlechtes Karma im letzten Leben gesammelt? Negatives Feng-Shui durch Möbelrücken? Anders ist deine Pechsträhne nicht zu erklären. Gegen Stuttgart verletzte sich Badstuber erneut und muss operiert werden. Vielleicht soll es einfach nicht sein. Vielleicht ist dein Körper nicht für den Profifußball gemacht. Vielleicht kommt Badstuber aber wieder zurück und zerstört als härteste Sau aller Zeiten gegnerische Stürmer. Vielleicht und hoffentlich geht Badstuber nicht nochmal kaputt.

Hakan Calhanoglu

A star is born. Man glaubt es kaum, aber in Leverkusen wächst tatsächlich ein neuer Superstar heran. Nachdem Calhanoglu die Tristesse in Hamburg verlassen hat, blüht der Neu-Leverkusener auf. Er harmoniert mit der Turbo-Offensive und ist tatsächlich der erste Freistoß-Spezialist in Deutschland, der nicht einfach nur die rohe-Gewalt-Variante beherrscht. Sein Freistoß gegen Bremen hat Cristiano Ronaldo veranlasst, aus Wut eine Ganzkörperrasur durchzuführen. Schließlich hat er sonst ein Abo auf geile Freistoßtore. Calhanoglu kann einer der ganz Großen im Fußballzirkus werden, was ihn unweigerlich Leverkusen auch wieder verlassen lässt. Schließlich will Hakan irgendwann mal einen Titel gewinnen. Und wie man sich aus Verträgen rausnörgelt, hat der Künstler hinlänglich bewiesen.

Ömer Toprak

Dass Leverkusen keinen Titel gewinnen wird, liegt nicht an der Traum-Offensive rund um Calhanoglu, Son und Co. Bayer hat einen guten Kader, der allerdings nicht für das System Schmidt geschaffen ist. Innenverteidiger Toprak bekam gegen Bremen derart die Grenzen aufgezeigt, dass er danach Russland heftig für ihre Krim-Annexion kritisierte. Gegen Hajrović verlor er mehr Sprintduelle, als er überhaupt Sprints anzog. Das hohe Verteidigen lässt riesige Räume zwischen Leno und den Verteidigern entstehen, was Toprak und Spahic nicht entgegen kommt. Die alten Recken leben durch ihr gutes Stellungsspiel, was ihnen bei Laufduellen leider nichts nützt. Man stelle sich nur mal vor, Bayer hätte Verteidiger wie Boateng und Alaba, die wahnsinnig schnell sind. Tja, dann wäre Bayer tatsächlich ein ernstzunehmender Titelkandidat. So aber sind sie nur ein Spektakelgarant. Was ich persönlich ja viel geiler finde.

Andre Hahn

Ein Hahn kräht dort, wo der meiste Mist ist. Dementsprechend passt es, dass Hahn gegen Schalke besonders aufblühte und Jens Keller mit seinen zwei Toren eine weitere Sorgenfalte hinzugefügt hat. Hahn war schnell, Hahn war kompromisslos, Hahn war großartig. Aber all das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schalke 04 momentan nicht wettbewerbsfähig ist. Das Team agiert planlos und hofft auf Einzelleistungen. Gladbach war als Team zu stark für S04, zudem wurden Draxler und Co. geschont. Ich würde ja sagen, jetzt kann es nur noch besser werden. Aber am Mittwoch kommt der Tabellenführer der Premier League FC Chelsea. Und statt Hahn, Herrmann und Kruse stehen dann Costa, Fabregas und Hazard auf dem Platz. Zumindest verliert man auf Schalke nur langsam an Humor.

Matthias Ostrzolek

Mit Beiersdorfer beginnt für den HSV eine neue Zeit, die Transfers geben der Mannschaft ein neues Gesicht und überhaupt wird der HSV wieder zu einer Macht im deutschen Fußball. Mehr Ironie passt nicht in einen Satz, die reale Situation stellt sich „unwesentlich“ anders da: Die HSV-Führung agiert konfus wie gewohnt, die Spieler murksen und stolpern sich durch die Liga und die einzige Macht, die HSV-Fans zu spüren bekommen, ist die Ohnmacht nach dem fünften Gegentor. Der Neu-Hamburger Ostrzolek, vorher ein grundsolider Baustein des Augsburger Erfolges, patzte mehrfach gegen Hannover und war an beiden Gegentoren nicht unschuldig. Ist er ein guter Mann? Vielleicht. Liegt es am Verein? Auf jeden Fall. Hamburg ist weiter der Totengräber für Fußballkarrieren. Nächste Station: Lewis Holtby, der einst aufstrebende Star.