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Unfair ist mehr – die Elf der Saison

22 Mai

Die Saison ist mit dem Pokalfinale vorbei – Zeit die besten, schlechtesten, kuriosesten und merkwürdigsten Spieler der Saison zu küren.

Leon „Handreasen“

Einen der größten Aufreger hat der Hannoveraner Leon Andreasen besorgt. Gegen Köln wuchtete er den Ball per Oberarm zum Sieg ins Tor. Gefühlt hat sich Andreasen danach wohl wie Maradona – dabei sah er eher aus wie ein Volleyballer. Seine Bewerbung zum unfairsten Spieler der Saison hat er auch in Interviews danach unterstrichen. Aber Karma is a bitch. Andreasen verletzte sich beim Öffnen eines Pakets mit einem Paketmesser und musste operiert werden. Und abgestiegen ist er mit Hannover auch noch.

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Marwin Hitz

Aka der Elfmeterpunktkiller. Wieder Köln, wieder unfair. Vor einem Elfmeter malträtierte der Keeper den Rasen unauffällig vor den Augen des Schiedsrichters. Der Schütze Modeste rutschte aus und Hitz wurde zum kurzfristigen Held. Der Shitstorm danach hatte sich aber gewaschen. Nach einem medialen Inferno musste sich Hitz kleinlaut entschuldigen. Einen Karma-Ausgleich ist er mit dem FCA bisher schuldig geblieben.

Ein-Touch Sulu

Der Darmstädter Kapitän Aytac Sulu ist der Boss. Nicht nur auf dem Rasen, sondern auch in der Luft. Der Innenverteidiger schoss sage und schreibe sieben Tore in dieser Saison, also mehr als Ribery und Götze zusammen. Selbstverständlich alle per Standard-Bossmove: hochsteigen, Kopf hinhalten, Klasse halten. Mit diesem Konzept sind die Lilien lockerleicht in der Bundesliga geblieben. Ob im nächsten Jahr weitere Verteidiger-Veilchen in Luftkämpfen dazukommen, ist dagegen noch unklar. Erfolg macht schließlich sexy.

Mats Hummels

Mats macht’s. Der Borusse wechselt zum Feind aus dem Süden und zieht sich damit den Zorn von Fußballdeutschland zu. Aber will man es ihm verdenken? Auch Hummels will einmal auf der Gewinnerseite stehen. In München stellt er die Wettbewerbsverzerrungs-Defensive mit Neuer und Boateng. Das ist schön für München und schlecht für den Rest. Aber hey, Spannung an der Spitze wird sowieso überbewertet. Liebe Dortmunder, gewöhnt euch lieber schon mal an diesen Anblick. Auch wenn es weh tut.

Granit Xhaka

Xhaka hat sich den Beinamen „der Treter“ redlich verdient. Vielleicht nimmt er seinen eigenen Vornamen „Tschaka“ zu wörtlich, vielleicht tritt er einfach gerne Menschen. So oder so hat es der Gladbacher Kapitän geschafft, viermal innerhalb einer Saison gesperrt zu werden. Seiner beeindruckenden Sammlung von Knöchelsplittern und Schienbeinen kann Xhaka in der nächsten Saison noch einige hinzufügen: Sein Wechsel nach Arsenal wird von den englischen Stürmern mit Schrecken erwartet.

Max Kruse

Ach Max. Du hast in dieser Saison Geschichte geschrieben. Nie hatte ein Spieler ein noch schlechteres Image. Deine nackten Tatsachen haben zum Rauswurf aus der Nationalelf geführt, eine tiefe Formkrise verursacht und in Wolfsburg sogar kurzfristig das Thema Abgase verdrängt. Du hast Peniswitze wieder salonfähig gemacht. Vielen Dank für deinen Einsatz. Dein Verein wird dir auch weiter die Stange halten.

Arturo Vidal

Vorgestellt als „der Krieger“ und man muss sagen, Vidal hat geliefert. Im Pokal senste er auch gegen einen Fünftligisten gnadenlos Spieler weg – ein Vidal kennt keinen Schongang. Für ihn spricht, dass er gegen jeden Gegner so gespielt hat. Egal ob Turin, Darmstadt, Madrid oder Dortmund auf dem Plan stand, Vidal kämpfte bis zum Umfallen. Also bis ein Gegner umfällt, was meistens nicht lange dauert. Vidals Motivation in Flaschen verpackt wäre der Verkaufshit, möglicher Konsum könnte aber leicht am irren Blick erkannt werden.

Julian Weigl

Der Youngster sollte einen Thomas-Tuchel-Schrein bauen und täglich ein Opfer bringen. Unter dem Klopp-Nachfolger blühte Weigl auf und gilt als Nachfolger von Schweinsteiger und Gündogan. Der 20-Jährige hat jetzt schon eine bessere Übersicht als Reiner Calmund am Buffettisch und mehr Talent als Calmund Hunger. Weigl könnte ein Grundstein für den neuen BVB werden, also einen mit gewonnenen Finals. Vielleicht wechselt er aber auch für eine Fantastilliarde nach einem weiteren Jahr nach München.

Mario Götze

Supertalent, Weltmeistermacher, Social Media Gott. Fußballerisch war das Jahr leider verschwendet, dafür hast du bärenstarke PR-Auftritte hingelegt. Pep Guardiola hat dich dafür nicht aufgestellt, aber wer will schon spielen. Bänke sind schließlich auch schön, da kommen ja auch die Schubkarren mit Geld jeden Monat an. Vielleicht wird es im nächsten Jahr wieder was. Ancelotti mag dich eher nicht, aber hey, es gibt noch viele Vereine mit Platz für ein bisschen Hollywood. Und ansonsten #gucktGoetze eben weiter.

 

Sandro Wagner

Armer, armer Sandro Wagner. Er verdient laut eigener Aussage nicht nur zu wenig, die Bayern wollen ihnen trotz hartnäckiger Gerüchte auch nicht verpflichten. Sonst ist aber alles gut im Hause Wagner. Er bombte Darmstadt ins Mittelfeld der Liga, baute sich einen Geldspeicher für eine Schwimmübung zwischendurch und ist plötzlich ein Kandidat für Europa-League-Teams. Läuft es im nächsten Jahr noch besser, darf er sich in der nächsten Wagner-Oper selbst verkörpern.

Claudio Pizarro

Der alte Mann und das Tor. Trotz seiner 37 Lenzen war Pizarro die Lebensversicherung der Bremer und sorgte für wichtige Punkte im Abstiegskampf. In seinem fünften Frühling feht „Pizza“ die Geschwindigkeit, das macht er aber mit Eleganz, Technik und begnadetem Spielverständnis wett. Toreschiessen ist wohl wie Fahrrad fahren – ein Claudio Pizarro verlernt es nicht.

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Fifty shots of Dost – die Elf des Spieltages

22 Feb

Fifty shots of Dost

Bas Dost

4 – 2 -2. Das ist nicht die neueste Taktikvariante von Pep Guardiola, sondern die Torausbeute von Dost in den letzten sieben Tagen. Der Wolfsburger locht derzeit häufiger ein, als der Titelheld eines hier adaptierten, aber nicht näher genannten Films. Dost ballert, Dost trifft, Dost feiert. „Fifty shots of Dost“ braucht es dazu nicht einmal,  aktuell steht der Holländer einfach immer richtig und verwertet gnadenlos. Vielleicht kennen seine Gegenspieler nur nicht das richtige Safe-Wort. Wir kennen es auch nicht, tippen aber mal auf Bas-Don’t.

Robert Lewandowski

Krise bei den Bayern! Also bei Lewandowski! Der hat mindestens zwei Spiele nicht getroffen! Leider muss man alle Bayernhasser jetzt enttäuschen, Lewandowski stört sich an der Kritik nicht sonderlich und schenkte am Wochenende Paderborn zwei Tore ein, seine Saisontore neun und zehn. Der Pole glänzt nicht mehr wie zu Dortmunder Zeiten, aber das kann man beim FC Bayern auch kaum mehr erwarten. Am Bayernhimmel leuchten einfach zu viele Sterne.

Arjen Robben

Der hellste dieser Sterne ist fast jede Woche Arjen Robben. Jeder Verteidiger kennt den Robben-Move zur Genüge, Verteidigen kann ihn trotzdem keiner. Es ist wie mit dem Vorsatz früh aufzustehen: Man versucht es jedes Mal und danach kommt man sich extrem dumm vor. An diesem Spieltag darf man die Paderborner Meha und Hartherz deshalb mit Fug und Recht Dumm und Dümmer nennen.

Andre Breitenreiter

Wenigstens ein Paderborner hatte bei diesem Spiel aber seinen Spaß. Der Trainer des Underdogs bedankte sich bei der Pressekonferenz artig für „das tolle Erlebnis“. Endlich konnte er mal dabei sein, wenn eine Mannschaft abgeschlachtet und vorgeführt wird. Seine Paderborner waren so chancenlos, dass sie an diesem Tag vielleicht lieber Lotto statt Fußball gespielt hätten. Und noch besser für Breitenreiter: Nächstes Jahr kann er wieder mehr Spiele der Bayern live sehen – schließlich spielt die 2. Bundesliga zeitversetzt.

Branimir Hrgota

Auferstanden aus der Bayern-Asche, aber nicht mit Hrgota. Die zuletzt vernichteten Hamburger sahen gegen Gladbach lange wie der sichere Sieger aus, bis Hrgota in der Nachspielzeit ein schäbiges Ausgleichstor erzielte. In seiner Freizeit spielt Hrgota gerne Brettspiele und auch dabei verliert er nie. Läuft es nicht, wirft er das Brett einfach um. Verliert er bei Schnick-Schnack-Schnuck, verwendet er eben Brunnen. Don`t fuck with Spielverderber Hrgota.

Marvin Hitz

Endlich Konkurrenz für Manuel Neuer. Der Nationaltorhüter schien auf Jahre keine Gegner fürchten zu müssen, jetzt ist ihm in Marvin Hitz ein ebenbürtiger Torfeldspieler entgegen getreten. Gegen Leverkusen vollendete Hitz „den Neuer“, er stürmte bei einer Ecke nach vorne und schoss das Ausgleichstor selbst. Man kann schon ahnen, wo das hinführt: In nicht allzu naher Zukunft werden nur noch Torhüter aufgestellt, schließlich sind die erwiesenermaßen die besseren Verteidiger, Mittelfeldspieler und Stürmer.

Raphael Wolf

Nicht jeder Torhüter hatte an diesem Spieltag seinen besten Tag, Raphael Wolf scheint aber nur selten überhaupt einen guten Tag zu haben. Gegen Schalke 04 spielte er als Schaf im Torwarttrikot die Hauptrolle in „Patzermania“ und ließ einen Schuss von Meyer gütig passieren. Auch danach war Wolf wild entschlossen, die Siegesserie der Bremer zu beenden. Ausgerechnet sein Pendant auf der Gegenseite, Timon Wellenreuther, der Sandkastenbubi aus Schalke, patzte ebenfalls und ließ den starken Bremern immerhin einen Punkt.

Mitchell Weiser

Die Bayern und ihr Starensemble marschieren weiter durch die Liga. Trotzdem musste ich mir beim 6:0 die Augen reiben, schließlich erzielte Mitchell Weiser per Lupfer das zwischenzeitliche 5:0. Dabei zeigte er mehr Gefühl als Ed Sheeran bei einer seiner Powerballaden. Ist das tatsächlich der Weiser, der noch vor kurzem bei Kaiserslautern im Mittelmaß versank? Entweder Guardiola kann zaubern oder Weiser hat sein Talent über lange Zeit nur gründlich versteckt. Zumindest ist man jetzt weiser (haha), der Junge kann also wirklich kicken.

Carlos Zambrano

Der große Zambrano holte sich in ebendiesem Spiel eine Rote Karte ab. Gefühlt war das schon die Zehnte seiner Karriere, tatsächlich musste der Kung-Fu-Kämpfer unter den Verteidigern noch nie vom Platz. Bei so viel Brutalität und Härte noch kein Platzverweis – das klingt ebenso wahrscheinlich, wie eine Prostituierte, die erst nach mehreren Jahren ihre Jungfräulichkeit verliert. Zumindest hat der Frankfurter jetzt eine Woche Zeit darüber nachzudenken, wie er seine Fouls in Zukunft besser versteckt.

Johannes Geis

Dreist, dreister, Geis. Gegen Frankfurt packte der Mainzer einen so frechen Freistoß raus, dass sein Vater zuhause reflexmäßig den Gürtel zur Hand nahm. Kevin Trapp im Tor der Frankfurter hatte eine solche Frechheit nicht erwartet und sprang beim Versuch einer Parade gegen den Pfosten. Geis war das egal, er brachte die Mainzer mit seinem Tor auf die Siegesstraße und fuhr nach dem Spiel kichernd mit dem Fahrrad über einen gesperrten Rasen. Ohne Licht. Thug life eben.

Timo Baumgartl

Der emotionalste Moment gehörte an diesem Wochenende überraschenderweise einem Stuttgarter. Nach der verdienten Niederlage gegen den BVB trotteten die Spieler in Richtung ihrer Fans und erwarteten eine erneute Abreibung. Vor allem Baumgartl war hundeelend zumute, schließlich hatte er den 3:2-Siegtreffer durch Reus mustergültig aufgelegt. Die Fans dachten aber gar nicht daran und nahmen ihre Spieler in den Arm und trösteten sie. Die Stuttgarter Fans, die seit Wochen miserable Leistungen ihrer Mannschaft sehen müssen, bauten ihre Spieler auf und sprachen ihnen Mut zu. Kein Hass, keine Beleidigungen. Wer so einen Rückhalt hat, kann eigentlich nicht absteigen.

Ein Neuer-Jahr – die Elf der Hinrunde

11 Jan
Neuerjahr

Elf Neuer müsst ihr sein.

Die Winterpause ist vorüber, zumindest für den Experten-Blog. Als Start ins neue Jahr gibt es die elf Spieler, die sich in der Hinrunde durch weltmeisterliche Taten, traumwandlerische Fehlschüsse und märchenhafte Alptraumleistungen hervorgehoben haben. Präsentiert in der Elf der Hinrunde, die vielleicht gar keine Elf ist, sondern Manuel Neuer.

Manuel Neuer

Der Bayern-Keeper wurde im vergangenen Jahr von einem Weltklassekeeper zu einer Ikone – auf und neben dem Platz. Die deutsche Nationalelf faustete er zum WM-Triumph, bei den Bayern ließ sein Name alleine die gegnerischen Stürmer reihenweise versagen und sein Werbespot für Cola erreichte Kultstatus. Manuel Neuer hat im letzten Jahr mehr richtig gemacht, als eigentlich möglich sein sollte. Als Krönung könnte er zum Weltfußballer ernannt werden, vor Gockel Ronaldo und Diva Messi. Welttorhüter ist er nebenbei ja schon geworden. Vielleicht war es gar nicht das Jahr 2014, sondern das Jahr von Manuel Neuer.

Roman Weidenfeller

Weltmeister! Damit ist alles gesagt, was in der laufenden Saison gut gelaufen ist für den Dortmunder. Danach folgte der Absturz aus dem siebten Fußballhimmel in die Hölle des Abstiegskampfes. Dabei traten einige Begleiterscheinungen auf: Selbstzweifel, reihenweise Patzer, Gegentore, keine Punkte, kein Spaß und mehr Pech, als der BVB Spieler hat. Zu allem Überfluss verlor Weidenfeller seinen Stammplatz an Langerak, der sich aber auch nicht gerade mit Ruhm bekleckerte. Das Jahr 2014 von Weidenfeller als „gebraucht“ zu bezeichnen, würde sich nicht mal der dreisteste Ebay-Händler trauen. Funktioniert hat dabei nämlich eigentlich gar nichts.

Der Blitz-Senkrechtstarter

Karim Bellarabi

Von 0 auf geil in zwei Monaten. Karim Bellarabi ist die Überraschung der Hinrunde. Beim Absteiger Braunschweig war er meistens nur Joker, beim Champions League-Teilnehmer Leverkusen ist er plötzlich der beste Mann auf dem Platz. Trickreich, unfassbar schnell und dermaßen frech, dass ihm im TV öfter die stille Ecke gedroht hätte. Bellarabi gehört zu den Spielern, für die Fans Eintrittsgeld bezahlen. Ordentlich fummeln, Gegner nass machen und Spielen um des Spielens willen. Wenn der Neu-Nationalspieler in die Nähe des Balles kommt, fangen seine Augen vor lauter Spielfreude an zu leuchten. Und die von 50.000 Fans leuchten mit.

Arjen Robben

Der Glasmensch wird zum Übermensch. Vor einigen Jahren laborierte Robben an mehr Verletzungen, als er Spiele machte. In dieser Saison ist Robben der König der Außenbahn, der sich auch von seinem eigenen Körper nicht stoppen lässt.  Bis auf eine gewisse Fallsucht, die weiter in Holland zu grassieren scheint. Wenn der Holländer antritt, gleicht das einer sofortigen Wettbewerbsverzerrung. Wenn er einen Haken schlägt, bekommen Verteidiger reihenweise Schleudertrauma. Und wenn er den klassischen Robben macht, in die Mitte zieht und den Ball reinnagelt, tja, dann applaudiert man einfach. Viel besser als in dieser Saison geht es nicht. Das einzige Problem daran, ist die Vereinszugehörigkeit Robbens. Die sowieso schon übermächtigen Bayern spielen mit einem Robben in der Form seines Lebens in einer ganz anderen Liga.

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Shinji Kagawa

Shinji und die Suche nach dem Glück. Der Kagawa-Transfer wurde märchenhaft inszeniert und schien mit einem Shinji-Treffer im ersten Spiel zu einer wirklich schönen Geschichte mit Happy End zu werden. Aber dann passierte das, was mit Disney-Geschichten auch passiert, wenn die letzte Kamera abgedreht ist. Der Alltag setzt ein und zeigt seine hässliche Fratze. Kagawa kam mit dem Tempo der Borussia nicht mehr mit und war eher Mitläufer als Gestalter. Zudem kamen kleine Verletzungen, die den Japaner merklich ausbremsten. Der Transfer für die Fan-Seele konnte bisher nicht an alte Leistungen anknüpfen. Ob er es überhaupt noch kann, wird die Schicksalsrückrunde der Borussia maßgeblich beeinflussen.

Reise ins Niemandsland

Lewis Holtby

Lewis Holtby schien ein Mann für die ganz großen Aufgaben zu sein. Von Mainz ging es zu Schalke und dann für elf Millionen zu Tottenham Hotspur. England, die große, weite Fußballwelt – Holtby – ein Star, der groß rauskommen wird, da war man sich in Fußball-Deutschland sicher. Und jetzt der HSV. Die einstige DFB-Nachwuchshoffnung hilft beim Verfall einer der größten Marken im deutschen Fußball kräftig mit. In Hamburg wird gestolpert, in Hamburg wird gestümpert und Holtby ist mit dabei. Der Offensivspieler wirkt im HSV-Gebilde seltsam leblos und kann sich nicht gegen den altersschwachen van der Vaart durchsetzen. Bisher gelang Holtby in allen Wettbewerben zusammen kein einziges Tor, für einen Mann mit so viel Potential ist das ein Armutszeugnis. Gut, mag man meinen, der HSV hat ja auch nicht mehr geschossen, aber an Holtby hatte ich größere Erwartungen, als an die sinkende HSV-Kogge.

Kevin de Bruyne

Und plötzlich Weltklasse. Kevin de Bruyne ist in dieser Saison förmlich explodiert. Kein Wolfsburger schießt öfter aufs Tor und kein Spieler in der Bundesliga generiert mehr Chancen als der Belgier. In London wird man sich in den Hintern beißen, dass man diesen Mann hat gehen lassen. Der Kevin mit dem Bübchengesicht hat es nämlich faustdick hinter den Ohren. De Bruyne kann Spielmacher, de Bruyne kann es auf der Außenbahn, de Bruyne kann es vor dem Tor. Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Großen der Branche anklopfen. Vielleicht bleibt de Bruyne aber noch ein Jahr, schließlich ballert er Wolfsburg mit Sicherheit in die Champions League. Spätestens dann wird man den Rotschopf nicht mehr unterschätzen.

Marco Reus

Ach Marco, was für ein Seuchenjahr. Ich weiß nicht, was du privat alles falsch machst, es hat aber für sehr viel schlechtes Karma gereicht. In der letzten Saison warst du der beste Spieler der Liga, dann verletzt du dich vor der Weltmeisterschaft und verpasst die größte Chance deiner Karriere. Die Saison geht los und du verletzt dich. Dortmund verliert ohne ihren größten Star völlig den Faden, mit deiner Rückkehr wird es etwas besser. Aber Karma is a bitch und du gehst schon wieder kaputt und der Verein mit dir. Dem Scherbenhaufen der Borussia-Hinrunde setzt du mit deiner Vollgas-führerscheinlos-Nummer schließlich die zerbrochene Krone auf. Aber eine gute Nachricht gab es dann doch noch für dich: Auch das Jahr 2014 hat ein Ende. Willkommen in der Zukunft.

Endlich angekommen

Julian Schieber

Mein lieber Schieber, das hat dir keiner zugetraut. Vom Chancentod der Nation zum besten Stürmer der Hertha, vor einem gewissen Salomon Kalou, der nicht gerade als Anfänger verschrien ist. Der Dortmunder Pressingfußball und das Aufopfern für das Team liegt nicht jedem Stürmer, gerade der Vergleich mit Lewandowski war verdammt unfair. Der Pole war der perfekte Stürmer für das Klopp-System, du dagegen bist ein Strafraumstürmer. Und der braucht Bälle und Flanken, um zum Erfolg zu kommen. In Berlin hat man das erkannt und dich aus dem schwarz-gelben Missverständnis befreit. Jetzt sieht man auch den Grund, warum Schieber überhaupt nach Dortmund gegangen ist: Weil er als Mittelstürmer Tore macht.

Ciro Immobile

Der Strafraumstürmer Schieber wurde beim BVB nicht glücklich. Der Strafraumstürmer Immobile bisher auch nicht. Der Vergleich hinkt etwas, schließlich hat Immobile eine unbestreitbare Klasse. Vom Spielertyp her sind sich die beiden aber nicht so unähnlich und genau da liegt das Problem. Spieler und System sind (noch) nicht kompatibel. Der BVB braucht eine Ball-halte-und-verteil-Maschine wie Lewandowski, die gleichzeitig vorne die Buden macht und unermüdlich Verteidiger anrennt. Immobile versucht das zwar, ist aber eigentlich im Strafraum stärker. Die Krise des BVB ist auch eine Sturmkrise. Immerhin weiß man seit Trappatoni, dass „der Trainer isse keine Idiot“. Klopp wird das Schiff also schon schaukeln. Welche Rolle Immobile dabei spielt, ist nach dieser Hinrunde aber mehr als fraglich.

Kevin Prince Boateng

Boah wer? Unter Roberto di Matteo war Schalke 04 erstaunlich krisenfrei. Die Knappen liegen trotz allen Verletzungspechs auf Champions-League-Kurs und sind ebendort im Achtelfinale. Daran hat Boateng aber nur einen kleinen Anteil. Der etatmäßige Star der Mannschaft konnte sich in der Hinrunde nur bedingt beweisen, an seiner Stelle überzeugten Meyer oder Draxler deutlich mehr. Vom Anspruch her muss der Prince aber mehr liefern, schließlich steht er sonst im Schatten seines schwindelerregend erfolgreichen Bruders Jerome „the Wall“ Boateng. Und dann wird der Bruder auch noch zum bestgekleidetsten Mann 2014 gewählt und man selbst bereut Tag für Tag, nicht doch für Deutschland gespielt zu haben. Gut, dass jetzt ein Neuer-Jahr beginnt und der Prince allen beweisen kann, wer der stärkere Boateng ist.

 

Die Elf des Spieltages – Schlimmer geht immer

19 Okt

Felix Kroos

Stell dir vor, du bist Tabellenletzter und spielst gegen die großen Bayern. An sich ist das keine so schlechte Situation, schließlich rechnet jeder mit einer Watschn, enttäuschen kann eigentlich nur der große Favorit. Aber Bremen hat an diesem Wochenende eines bewiesen: Schlimmer geht immer. Mit der schlechtesten Leistung aller Zeiten haben sich die Bremer in die Geschichtsbücher dieser Welt eingetragen. In 90 Minuten haben die Werderaner nicht einen einzigen Torschuss zustande gebracht. 0, in Worten null, nada, nichts, einfach unfassbar. Kein Fernschuss, kein Freistoß, nicht einmal eine verunglückte Flanke. Bremen ist noch harmloser als ein Katzenbaby und offensiv noch schlechter ausgestattet als die Bundeswehr. Kroos zwei zeigte dabei, warum er beim Tabellenletzten und nicht bei Real Madrid spielt. Insgesamt nur 15 Ballkontakte als Sechser und Taktgeber seines Teams, dabei aber mehrere Fehlpässe. Eine völlig krooslose Vorstellung.

Xabi Alonso

Das Leben ist nicht fair. Xabi Alonso ist ein brillianter Fußballer, unverschämt hübsch, steinreich und hat eine bildschöne Freundin. Zu allem Überfluss ist er auch noch ein ausgekochtes Schlitzohr, das sich im Spiel beherrschen muss, vor lauter Freude über die eigene Geilheit nicht laut loszulachen. Gegen Bremen ließ er Alaba und Müller bei einem Freistoß auf die Mauer zustolpern und schob dann den Ball unter der Mauer durch ins Netz. Nebenbei hatte der Spanier bis zu seiner Auswechslung 124 Ballkontakte und erstickte jegliche Bremer Hoffnung im Keim. Hier ein kurzes Lehrvideo zum Thema „wie trete ich einen Gegner, der bereits wehrlos am Boden liegt, ohne mich dabei anzustrengen“ – vom Instant-Überbayer Alonso.

Philipp Lahm

Wenn Philipp Lahm langweilig ist, fängt er im Spiel an, die Linie rauf und runter zu rennen. Wenn ihn wirklich keiner daran hindert und seine Füße einzuschlafen drohen, schießt der Weltmeister auch mal ein Tor. Was aber alles schief laufen muss, dass der Bayern-Kapitän doppelt trifft, würde hier den Rahmen sprengen. Nur so viel: Der notorische Teamplayer und Torabschlussverweigerer Lahm wurde von Bremens Hintermannschaft demütigst dazu eingeladen, einen kleinen Spaziergang durch den Strafraum zu machen. Die Grün-Weißen traten dabei in einen längeren Streik als die vermaledeiten Bahn-Lokführer und hielten diesen auch noch ausdauernder durch. Vielleicht haben die Bayern aus Fairnessgründen auch Lahm in den Sturm gestellt. Sonst wäre das Ergebnis locker zweistellig geworden.

Brotlose Kunst

Heung Min Son

Genie und Wahnsinn liegen manchmal sehr eng beisammen. Gegen Stuttgart zeigte sich Son zuerst von seiner schokoladigsten Seite. Der Koreaner wemste einen Volley ins Lattendreieck und vollendete eine Solo bravourös – zwei Tore und eine bärenstarke Leistung bis zur Halbzeit. Danach war Son wie ausgewechselt. Er verlor fast jeden Zweikampf, zeigte ebenso viel Einsatz wie die Bundesregierung im Umgang mit der NSA und verteidigte noch pomadiger als die Frisur von Tim Wiese. Bei zwei Stuttgarter Toren gab Son den Begleitschutz und ermöglichte so eine denkwürdige Punkteteilung. Rassiges Offensiv-Spektakel gegen ideenlose Schwaben – ein ganz klares Unentschieden.

Karim Bellarabi

Das Verspielen von 3:0-Führungen scheint Leverkusens neues Markenzeichen zu werden. Eines der Tore machte der Neu-Nationalspieler Bellarabi und die Art und Weise des Tores bestätigte Löw und all die anderen Bundestrainer des Landes. Der Wusler vernaschte gleich sechs Stuttgarter mit feinen Tricks und schob anschließend den Ball ins Netz – kann man mal so machen. So viel Talent und Spielwitz hatte vor einigen Jahren nicht einmal die komplette deutsche Nationalmannschaft, jetzt kann man sich wöchentlich auf dieses Angriffsjuwel freuen. Dieser Mann ist die Entdeckung dieser Spielzeit und man braucht nur wenig Vorstellungskraft, um sich seine weitere Zukunft auszumalen. Mal einen Tipp: Lederhosen sind mitinbegriffen.

Martin Harnik

Fack-Ju-Leverkusen. Dass das Spiel trotz dieser eindrucksvollen Machtdemonstration unentschieden endete, lag an den Kampfschweinen aus Stuttgart. Spielerisch war zwischen beiden Teams ein Klassenunterschied, kämpferisch legten die Schwaben dafür einiges in die Waagschale. Mit  unbändigem Willen rannten Harnik und Co. an und pushten sich selbst zu drei Toren. Harniks Treffer war ein Sinnbild dieser Energieleistung. Eine räudige Flanke wuchtete der Stuttgarter mit dem Kopf derart in die Maschen, als würde er im Training Backsteine per Kopfstoß zerbrechen und Türen per Kopfnuß öffnen. Aber Punkt ist Punkt, auch wenn er räudig und unverdient war. Und irgendwie sind solche Geschichten auch immer die Schönsten. Schnüff.

Gekommen um zu reifen

Jonas Hofmann

Für einen Moment war alles perfekt, im nächsten aber schon wieder kaputt. Gegen Augsburg glänzte die Dortmund-Leihgabe mit einer bravourösen Leistung und einem frechen Tor und schien endlich angekommen. Vorbei die Zeit als ewiger Joker, vorbei die Zeit als ewiges Talent. Mainz schien der perfekte Ort zu sein, um Hofmann zu einem Star reifen zu lassen. Dann folgte die 58. Minute und das Hofmann-Märchen bekam einen Kratzer. Der Youngster verletzte sich am Knie und muss nun einige Zeit pausieren. Wir hoffen auf eine baldige Genesung und ein Happy-End des Hofmann-Märchens.

Marvin Ducksch

Das Leih-Modell scheint beim BVB für alle Beteiligten eine Win-win-Situation zu sein. Stürmernachwuchs Ducksch bekommt bei Paderborn die dringend benötigte Spielpraxis und empfahl sich mit einem 20-Meter-Hammer für höhere Aufgaben. Der Angreifer half dabei, den Höhenflug der Nordrhein-Westfalen fortzusetzen. So langsam aber sicher muss ich meine Klassifizierung der Paderborner als sichere Absteiger überdenken, Ducksch, Stoppelkamp und Co. beeindrucken mit forschen Auftritten und keinerlei Respekt vor den Gegnern. Dazu kommen immer wieder Traumtore, die man dem Underdog gar nicht zutraut. Es bleibt zu hoffen, dass der Paderborner Traum noch nicht ausgeträumt ist.

Unverhofft trifft oft

Roman Weidenfeller

Weidenfeller führte gegen Kölle den Neuer des Tages vor und zeigte die Grenzen seiner eigenen Herrlichkeit deutlich auf. Das Herauslaufen und offensive Torwartspiel ist nicht so seine Sache, was den BVB einen Punkt kostete und die Kölner Fans in pure Ekstase versetzte. Die Dortmunder Krise lässt sich mit Monsterpatzern natürlich nicht beenden, der Vizemeister krebst im Tabellenkeller herum und sieht von Woche zu Woche verzweifelter aus. Warum das so ist, weiß eigentlich kein Mensch. Wie Weidenfeller so einen Ball verfehlen kann, allerdings auch nicht. Die Legende Klopp bekommt so erste Risse.

Simon Zoller

Auch der andere Aufsteiger will sich partout nicht in die Kellerregion abschieben lassen. Und wenn man dazu Dortmund schlagen muss, dann machen die bisher offensiv völlig harmlosen Kölner eben auch das. Gegen das potentielle Spitzenteam hielten die Domstädter gut dagegen und hatten im bis dato glücklosen Simon Zoller den Matchwinner auf ihrer Seite. Eine harmlose Flanke erreichte mit freundlicher Unterstützung der BVB-Abwehr völlig unverhofft Zoller, der sein Glück gar nicht fassen konnte und einfach mit Ball ins Tor lief. Wenn das mit dem Schießen nicht klappt, tragen wir den Ball eben ins Tor.

Jairo Samperio

Zum Schluss etwas fürs Auge. Jairo ließ gegen Augsburg einen Hauch von Magie durchs Stadion wehen, als er einen Ball in feinster Zidane-Manier mitnahm und mit einer weiteren Berührung im Netz unterbringen konnte. Wo solche Tricks herkommen, gibt es noch viel mehr. Also vertrauen wir auf den Spanier und freuen uns auf die nächsten Wochen mit ihm und Mainz. Denn wer geile Tore macht, hat am Ende immer Recht.

 

Die Elf des Spieltages – Robbandowski und die Rückkehr des Fernglases

6 Okt

Robbandowski

Robert Lewandowski

Verteidiger dieser Welt, fürchtet euch! Robbandowski ist geboren und wird euch in Zukunft noch häufiger vernaschen. Und demütigen. Und bloßstellen. Und… An dieser Stelle sollten wir lieber die Hannoveraner fragen, was sonst noch alles passieren kann. Lewandowski und Robben harmonierten am Samstag besser als Yin und Yang und ließen sogar Gnade walten, jeweils nur zwei Tore zu schießen. Ihr Tempo – Wahnsinn. Ihre Kombinationen – traumhaft. Ihre Ballsicherheit – einfach unfair. Der Pole trug seinen Teil dazu bei und pflückte Bälle vom Himmel, als gäbe es diese Gravitation gar nicht. Zudem zeigte er sich endlich auch im Bayerndress torgefährlich und gewann zwei 1-gegen-1-Situationen mit dem armen Zieler. Wobei, neuerdings muss es ja 2-gegen-1 heißen. Robbandowski fängt gerade erst an.

Arjen Robben

Er läuft mit kleinen Trippelschritten auf dich zu, legt sich den Ball zurecht, lächelt kurz, täuscht links an und zieht rechts an dir vorbei. Dieser Verteidiger-Alptraum wird Woche für Woche Realität, nur um die armen Verteidiger in den Nächten danach wieder heimzusuchen. Die bemitleidenswerten Brückner, Albornoz und wie sie alle heißen, sehen gegen Arjen Robben in Galaform überhaupt kein Land und muten dabei an wie Kreisklasse-Verteidiger. Und zwar die, die für das Bierholen zuständig sind. Der Holländer macht was er will und momentan möchte er Tore schießen und Verteidiger demütigen. Das war auch in den vergangenen Jahren schon so, gegen Hannover wurde es dank Robbandowski noch schlimmer. Robben harmoniert perfekt mit Lewandowski, dabei war das Wortpaar Harmonie und Robben eigentlich eine Antithese. Aber in dieser Saison sieht es schlecht aus für die Konkurrenz. Da bleibt wohl nur der altbekannte Griff ans Fernglas, um die Überbayern an der Tabellenspitze noch zu erspähen. Auch wenn es weh tut, hier die momentanen Entfernungen der Verfolger: Leverkusen fünf, Schalke neun, Dortmund zehn. Moment, stand da gerade Schalke?

Bernd Leno

Leno machte gegen Paderborn einen klassischen Neuer. Das ist ein Torwart-Patzer, der durch eine offensive Interpretation der Torwartposition entsteht und fast immer ein Gegentor zur Folge hat. Der Fehler was so klassisch, dass er beim realen Neuer bereits ausgestorben ist. Macht aber nichts, Nacheiferer gibt es schließlich immer. Und der gute Bernd Leno, einer der potentiellen Thronfolger auf den Posten des Nationalkeepers, machte als klassischer Neuer eine gute Figur, Koc bedankte sich mit dem 1:0. Bis sich ein Neuer zum Neo-Neuer entwickelt, dauert es etwas zwei Jahre. Wir dürfen uns also weiter auf etwas Klassik in der Bundesliga freuen.

Cool wie Kalou

Salomon Kalou

Der Ivorer machte gegen Stuttgart endlich das, was er am besten kann: Tore schießen. Eiskalt. Mit einem Lächeln im Gesicht – innerlich, versteht sich. Ein Kalou zeigt keine Freude, er erledigt nur seinen Job. Der Postbote feiert ja auch nicht, wenn er die Post abliefert. Kalou verwandelte lässig einen Elfmeter zum Ausgleich und zeigte in der zweiten Hälfte ein Riesensolo, welches er mit einem feinen Trick erfolgreich zum 2:1 abschloss. Der Doppelpacker hat die Hertha vorerst unten rausgeschossen und könnte, wenn es gut läuft, sogar Julian Schieber Konkurrenz machen. Ach, mein Fehler, Schieber war ja nur in einem Paralleluniversum ein Top-Stürmer. Aber es hätte zumindest sein können, Kalou hätte sich über einen Gegner im eigenen Team sicherlich gefreut – mit einem kalten Lächeln. Innerlich, versteht sich.

Antonio Rüdiger

Rüdiger hat mit seiner Leistung gegen die Hertha ein Entwerbungsvideo für die Nationalmannschaft abgegeben. Der Verteidiger verlor vorne Bälle, stümperte sich in Zweikämpfe und schien mit der Gesamtsituation unzufrieden zu sein. Macht nichts, lieber Rüdiger. Der Jogi wird dein Flehen erhören und wieder andere für die doofen Länderspiele nominieren. Dann hast du wieder mehr Freizeit, für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Zum Beispiel Nationalmannschaft vor dem Fernseher schauen.

Gelernt ist eben gelernt

Sandro Wagner

Die ehemalige DFB-Sturmhoffnung Wagner zeigte gegen Stuttgart, dass er es noch nicht verlernt hat. Einen guten Leitner-Freistoß wuchtete der Ex-Bayer platziert ins kurze Eck, Keeper Kraft konnte dem Ball nur hilflos hinterherschauen. Gut freigelaufen, passendes Timing, starker Kopfball und fertig ist das Eigentor. Danach feierten alle Stuttgarter und machten sich auf, an der sicheren Niederlage doch noch zu rütteln. Nur Wagner, der freute sich nicht. Ihm hat der Zeugwart wohl das falsche Trikot gegeben, blöde Sache.

Moritz Stoppelkamp

Wir befinden uns im Jahre 2 nach Heynckes. Ganz Fußballdeutschland ist von  Großklubs besetzt… Ganz Fußballdeutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Paderbornern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die Groß-Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Dortmund, München, Leverkusen und Gelsenkirchen liegen… Auch an diesem Wochenende brachten die gallischen Aufsteiger einen Favoriten zum Wanken, nur dank Bellarabi rettete Leverkusen einen Punkt. Stoppelkamp war erneut auffälligster Akteur der frechen Paderborner. Ein Fernschuss aus gut 40 Metern und ein tolles Solo zur 2:1 Führung machten auch dem letzten Zweifler unter den Großklubs klar: Der Widerstand lebt. Und er hat nicht vor, freiwillig wieder zu gehen.

Karim Bellarabi

Von der zweiten Liga bis ins Nationalteam in nur sechs Wochen – was sich nach Mens Health Titelgeschichte anhört, funktioniert tatsächlich in der Realität. Bellarabi hat auf der Karriereleiter einfach mal zehn Stufen übersprungen und wurde von Uns-Jogi in die Weltmeisterelf berufen. Letzte Saison stieg Bellarabi noch mit Braunschweig ab und sollte wieder von Leverkusen verliehen werden. Neu-Trainer Roger Schmidt hat die Zaubermaus aber lieber dabehalten, was sich als beste Entscheidung dieser frühen Saison herausstellen sollte. Bellarabi trickst, Bellarabi tanzt, Bellarabi macht mit seinen Gegnern was er will. Einen Flügelstürmer dieses Formats haben wir in Deutschland sonst nur bei den Bayern gesehen, jetzt zaubert plötzlich ein 1-gegen-1-Künstler für die Werkself. In dieser Form könnte er sogar Calli auf dem Weg zum Buffet abhängen. Solche Leute braucht das Land.

Der Abnicker

Alexander Meier

Mensch Meier, werden sich die Kölner Anhänger am Samstagabend gedacht haben. Da trifft der eigene Klub endlich mal und trotzdem gibt es nichts zu holen. Zu verdanken haben sie das dem Schädel von Alex Meier aka „der Abnicker“. Zwei maßgenaue Flanken von Seferovic hrubeschte Meier derart in den Kasten, dass sich Horn vor lauter Schreck das dritte Tor selbst reinlegte. Zum Training geht Meier wahrscheinlich regelmäßig in den Supermarkt und köpft dabei alles in seinen Wagen, anders ist diese beängstigende Präzision nicht zu erklären. Der HSV soll nach dem Spiel bei Meier angefragt haben. Sie wüssten gerne, wo dieses ominöse Tor eigentlich steht.

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Haris Seferovic

Der Schweizer hatte gegen Köln zwei Kaka-Anfälle und schnibbelte zwei Sahneflanken auf den Kopf von Alex Meier – mit bekanntem Ausgang. Eine davon hob er per Außenriss so feinfühlig auf Meier, dass viele Frauen im Stadion aus Empathiegründen in Tränen ausbrachen. Und sich danach ein Seferovic-Shirt kauften, um damit ihren Männern vorzuhalten, warum er nicht auch so viel Gefühl haben könne. Die Effzeh-Spieler schienen ähnlich ergriffen von der Fußgelenkästhetik von Seferovic, sie schauten nach dem Spiel jedenfalls sehr traurig drein.

Nicolai Müller

Gegen Dortmund zeigte Müller, nein, nicht der Thomas, der Nicolai, endlich wieder, dass er einer der besten Spieler der Liga sein kann. Und das, obwohl er beim HSV spielt! Bei den Hanseaten, oder wie man gemeinhin sagt, der Friedhof aufstrebender Jungstars, verbrannten sie zuletzt mehr Talente als die Bayern Häuser. Aber das hat jetzt ein Ende. Mit dem Sieg gegen den BVB melden sich die Hamburger zurück in der Ligaspitze! Der Rest der Bundesliga soll seine Wahrnehmungsstörung bitte untersuchen lassen, Platz 17 könne ja wohl kaum der Wahrheit entsprechen. Europa League ist drin, falls Müller nach dieser Saison wieder wechselt.

Elf des Spieltages – der Herr der Bälle

28 Sep

Xabi Alonso

Der Mann erobert einen Ball. Der Mann spielt den Ball weiter. Der Mann lächelt. Auf dem Platz läuft es für Xabi Alonso besser  als es eigentlich laufen dürfte. Der Spanier wurde kurzfristig nach München geholt und konnte nicht eine Minute der Vorbereitung mitspielen. Trotzdem ist er schon jetzt der unumstrittene Anführer, der Souverän auf dem Platz. King Xabi, der Herr der Bälle. Gegen Köln hatte er unfassbare 206 Ballkontakte, also war er alle 26 Sekunden am Ball. Das ist ungefähr so oft, wie der durchschnittliche Mann an Sex denkt. Nur dass Xabi eben an Bälle denkt, hüstel. Was soll man da sagen, geiler Typ.

Lucas Piazón

Man kann von Cristiano Ronaldo ja halten was man will. Aber seine Wirkung auf den Fußball kann man nicht bestreiten. Tausende von Jugendfußballern haben versucht seine Freistöße zu imitieren und seine Schusstechnik zu lernen. Tausende sind daran gescheitert. Aber einige Wenige haben offensichtlich so einiges dabei gelernt. In der 90. Minute beim Stande von 1:1 zwischen Frankfurt und dem HSV schreitet der junge Piazon zum Freistoß. Sein Ball schnellt über die Mauer und senkt sich in den Winkel –  ein Wahnsinnstor, das Frankfurt drei Punkte bringt. Ronaldo wird beim Anblick dieses Freistoßes lächeln. Und dann anerkennend nicken.

Nicolai Müller

Die Arbeitsverweigerer aus der Offensivabteilung des HSV haben endlich ihren Streik gebrochen. Nach 507 Minuten traf Nicolai Müller zum zwischenzeitlichen 1:1 und sorgte für neue Hoffnung in der Hansestadt. Jetzt konnte eigentlich nichs mehr schief gehen, der erste Dreier der Saison schien eingesackt, ein Europa League Platz bis zum Winter in Reichweite und die Bayern ernsthaft in Gefahr. Dann ronaldote Piazon einen Freistoß ins Tor und beendete alle feuchten Hamburger Träume. 1:2 verloren, wieder keine Punkte und den letzten Platz verteidigt. Aber immerhin mit Rekord – noch nie hat ein Verein so lange nicht getroffen. Glückwunsch, lieber HSV.

 

Endlich angekommen

Mario Götze

Das Nationalheiligtum trifft und trifft. Und viel wichtiger: Er ist in das Spiel der Münchner eingebunden und könnte bald die prägende Figur in München werden. Ribery scheint aufgrund seiner Verletzungen nicht mehr der Alte zu werden, Robben wird älter und Lewandowski fremdelt noch sehr. Aber Götze ist angekommen. Er gewinnt sein Selbstvertrauen langsam zurück und vertraut wieder auf seine Stärken. Gegen Köln war ein anderer Götze zu sehen, als in der letzten Saison. Da war plötzlich wieder dieses wahnsinnige Talent. Super Mario könnte Woche für Woche zeigen, dass Jogi Löw Recht hat. Dass er besser ist als dieser Messi. Ein deutscher Weltfußballer hätte ja schon was.

Daniel Halfar

Ein Löwe hat die Geißböcke zu Fall gebracht. Ausgerechnet der Ex-1860-Spieler Halfar wollte es gegen die Bayern besonders gut machen und erwischte einen rabenschwarzen Tag. Zuerst sorgte Halfar mit einem lehrbuchmäßigen Fehlpass für die Führung von Götze, später machte er das 2:0 unglücklich selbst. Der Kölner schoß mehrere Böcke und erledigte so die Geißböcke im Alleingang. Hätten die Münchner vor Jahren einen Spion bei 1860 postiert, nur um Jahre später dieses Spiel gegen Köln zu gewinnen, tja, dann müsste einer der Verantwortlichen wohl in den Knast. Aber das ist natürlich quatsch. Oder… Moment…

Sein Tor spricht im Übrigen auch Bände. Kann man so machen.

 

Schalker der Herzen

Adrián Ramos

Ramos wird in den nächsten Wochen und Monaten viel Sympathie und Fanpost der Schalke-Fans bekommen. Das einzige Problem daran: Der Kolumbianer spielt für den Erzfeind aus Dortmund. Mit einem perfekten Pass setzte Ramos Choupo-Moting in Szene und leitete so das 0:2 ein. Danach mühte sich der Stürmer, seinen Derby-Patzer wettzumachen, scheiterte dabei aber wiederholt und fulminant an Fährmann. Ramos gab Schalke ein Geschenk und lieferte danach einen großen Kampf ab. Mit derartiger Maloche wird man zum Schalker der Herzen.

Emir Spahic

Der Abwehrrecke reiht sich in die Leverkusener Kurzarbeiterriege ein und sorgte durch seine Gelb-Rote Karte für 60 Minuten Unterzahlspiel. Dabei haben die Leverkusener Verantwortlichen mit ihrem Slogan „Werkself“ doch eigentlich klar gemacht, dass man in dieser Mannschaft arbeiten sollte und nicht Bank-Chillen angesagt ist. Vielleicht heißt die Mannschaft aber auch so, weil die Spieler es immer wieder vergessen und sanft daran erinnert werden müssen. Vielleicht haben die Leverkusener eine Arbeitsmoral wie jede andere Arbeitsstelle auch und einige kommen eben mit einer Null-Bock-Fresse durch die Tür. Vielleicht, aber wirklich nur vielleicht ist er einfach ein fairer Sportsmann und wollte den unterlegenen Freiburgern eine Chance geben. Oder er foult gerne Menschen. Ich persönlich glaube an die letzte Variante.

Ivica Olic

Ivica Olic, der Unkaputtbare, der Dauerläufer, der Fußballrentner auf Speed bewies einmal mehr, dass Alter nur eine Zahl ist. Der 35-Jährige ! sprintete ! und erzielte den 2:1-Siegtreffer per Flugkopfball !! Während andere Fußballer im Laufe der Zeit langsamer werden, Kräfte einteilen müssen und ihre Mätzchen abstellen, läuft Olic einfach weiter. Und macht was er will. Scheiß auf das Alter, scheiß auf die Anderen, ich schieß den jetzt einfach rein. Großartiger Typ. Bitte mehr davon.

 

Konkurrenz belebt das Geschäft

Patrick Herrmann

Der durch Hahn vom Auswechselspieler zum Einwechselspieler degradierte Herrmann durfte gegen Paderborn endlich mal von Beginn an ran und zeigte sofort, dass er um seinen Stammplatz kämpfen will. Mehrere schnörkellose Solos, feine Flankenläufe und nicht zuletzt den Führungstreffer konnte der Flitzer für sich verbuchen. Die stark gestarteten Paderborner mussten sich der gnadenlosen Borussen-Effektivität geschlagen geben und Herrmann konnte wieder einige Punkte bei Favre gutmachen. Und dann wurde er, wie sollte es auch anders sein, ausgewechselt. Für Hahn. Und da sage noch einer, Konkurrenz sei schlecht fürs Geschäft. Lucien Favre, Motivationsgott.

Karim Bellarabi

Leverkusen musste gegen Freiburg fast 60 Minuten in Unterzahl spielen, trotzdem war die Mannschaft von Roger Schmidt drückend überlegen. Das lag an der Ein-Mann-Armee Bellarabi, der zu keiner Zeit von den Freiburgern zu halten war und mehrere wunderschöne Solos zelebrierte. Die Breisgauer konnten sich bei der Latte und Bellarabis Gnädigkeit bedanken, dass es hier bei 0:0 blieb. In dieser Form ist Bellarabi einfach nur Weltklasse. Wenn der Junge jetzt noch gefährlicher wird und die Verteidiger in Leverkusen ihre Bärendienste einstellen, ja dann muss man tatsächlich mit Leverkusen rechnen. Jogi, ich hoffe, du schaust dir den Karim auch mal an.

Roman Bürki

Dass Freiburg 0:0 gewonnen hat, lag am neuen Keeper Roman Bürki. Der Schweizer fischte Flanken und Ecken ab, kratzte Bälle von der Linie und zeigte beim 1-gegen-1 bessere Nerven als John Wayne. Die hinterlassene Lücke seines Vorgängers Baumann schien in den ersten Spielen zu groß zu sein, Bürki patzte und konnte seinem Team nicht wirklich helfen. Aber jetzt ist er angekommen. Gegen die Werkself rettete der Schweizer mehrfach stark und sicherte so einen Punkt. Bürki, der neue Baumeister.

 

 

Die Elf des Spieltages – Gekommen, um zu bleiben

21 Sep

ThisisPaderborn

André Breitenreiter

Der Wahnsinn hat einen Namen: Paderborn. Nach dem vierten Spieltag grüßt nicht München von der Spitze, nicht Leverkusen und auch nicht Dortmund. Sondern fucking Paderborn. Der designierte Absteiger, der Bundesliga-Ausflügler, die eigentlich als temporäre Erscheinung abgeschriebenen Westfalen. Mit mutigem Fußball, frechen Auftritten und einer grundsoliden Defensive rockt die Breitenreiter-Elf gerade die erste Liga. Zaubertore? Gibt es in Paderborn. Taktische Kniffe? Paderborn. Rekorde? Paderborn! Niederlagen? Tja, Dortmund und Leverkusen. Die Weltmeisterliga öffnet ihre Pforten und sie kommen alle. Nur einer ist gekommen, um zu bleiben. Paderborn.

Moritz Stoppelkamp

Das schönste Tor des Spieltages hat, wie sollte es auch anders sein, ein Paderborner erzielt. Aus gefühlten 100 Metern, tatsächlich unfassbare 83, zauberte Stoppelkamp den Ball ins leer Tor. Er nahm den Ball an, drehte sich und schloss direkt ab – eine technische Meisterleistung. Dabei war bisher keiner der Paderborner ernsthaft im Verdacht geraten, ein begnadeter Techniker zu sein. Der Rekordschütze spielte vorher bei Oberhausen, Essen und Hannover, nicht gerade die Talentschmieden des Landes. Und jetzt ist er der heißeste Scheiß der Liga. Wie neu gepaderborn.

Josef Zinnbauer

Der krisengeschüttelte Tabellenletzte spielt gegen die Übermächtigen Überbayern, eine sowas von klare Sache, da würde sogar Rainer Calmund sein Mittagessen darauf verwetten. Tatsächlich hat Tom Cruise-Zinnbauer die Mission Impossible locker flockig durchgezogen und holte einen Punkt gegen Guardiola. Der HSV war spielerisch limitiert, kämpfte und ackerte aber bis zum Umfallen. Und das kann auch gegen die Großmacht aus München reichen, was für den Rest der Liga eine großartige Botschaft sein dürfte. Und für den HSV gibt es auch eine: Mit dem neuen Action-Star an der Seitenlinie kommt wieder eine bisschen Hollywood-Feeling in den Norden. Vor ihm stehen nämlich noch so einige unmögliche Aufgaben.

Fin Bartels/Dominik Kohr

Der Werderaner Bartels und der Augsburger Kohr lieferten sich am Samstag einen Wettkampf der etwas anderen Art. Im Wer-verschuldet-den-dümmsten-Elfmeter-Wettbewerb zeigten beide eine starke Leistung. Bartels holte Bobadilla im Strafraum völlig unnötig und dazu dermaßen ungeschickt von den Beinen, dass man sich als Zuschauer dabei den Zeh verstauchte. Kohr wollte dem in nichts nachstehen und holzte Bartels im eigenen Strafraum derart ungestüm um, dass er sich gleich eine Sexismus-Klage einfing. Gewonnen hat am Ende der Augsburger Kohr, sein Team gewann mit 4:2. Im Elfer-Wettbewerb trennten sich die zwei Akteure mit einer 1:1-Niederlage.

Ricardo Rodriguez

Like a boss. Rodriguez führte die Wölfe gegen Leverkusen zu einem hochverdienten Sieg. Der Schweizer trieb seine Mannschaft an, erzielte selbst zwei Tore und bereitete eines vor. An sich schon eine außergewöhnliche Leistung, aber Rodriguez ist Außenverteidiger. Das sind die, die wir in Deutschland nicht haben. Und dieser Schweizer macht Jogi lächerlich, indem er seit Jahren einfach verdammt gut ist. Der Mann verteidigt stark, schlägt gute Flanken und ist gut am Ball. Das klingt nach Philipp Lahm plus Torgefährlichkeit. Und der Junge ist erst 22. Eindeutschen, bitte!

Julian Draxler

Ach Julian. Du bist wirklich eine Dramaqueen. Wir haben es ja verstanden, du hast Geburtstag und du bist etwas Besonderes. An seinem 21. Geburtstag spielte sein Schalke gegen Frankfurt und der Weltmeister machte sich sein eigenes Geschenk – mit einem Tor. Was danach kam, lässt ihn allerdings eher als Zornknappen durchgehen. Ein fieser Tritt gegen Zambrano und Rot als Präsent obendrauf. Trotz seines Bärendienstes hielt Schalke das 2:2-Unentschieden mit neun Mann fest. Und Draxler kann seine ausufernden Feierlichkeiten starten – beim Spiel unter der Woche hat er ja jetzt frei.

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Marco Russ

Sprachlos hat mich in der Partie aber ein anderer gelassen. Der Frankfurter hat mit einer Aktion die komplette Bandbreite des Fußballs abgedeckt. Er startete ein Rumpelsolo, schoss sich selbst und einen Schalker an, stümperte aber trotzdem mit Ball weiter. Und packte dann einen Außenriss-Schuss in den Winkel heraus. Angel Di Maria bekam daheim vor dem Fernseher Tränen und schnäuzte kräftig in sein Real Madrid-Trikot, ob so viel Ballgefühl.

Eric Maxim Choupo-Moting

Arroganz hat einen Namen – Eric Maxim Choupo-Moting. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das nicht schon eher an Wahnsinn grenzte. Gegen Frankfurt lag das kriselnde Schalke 0:2 zurück und bekam einen Elfmeter zugesprochen. Klarer Fall für die sichere Variante. Choupo-Moting war mit seinen Gedanken aber scheinbar woanders und chippte den Ball halbhoch in die Mitte. Trapp hätte den Ball fast noch rausgefischt und den Schalker zum Depp der Woche gemacht. So aber musste er dem Ball fassungslos hinterherschauen. Tor ist Tor und der Schütze hat somit Recht. Daher gibt es für den wahnwitzigen Kameruner auch den Cristiano-Ronaldo-Arroganz-Preis in schmandigem Weiß.

Ronny

Hertha hat einen neuen Standartenträger. Beziehungsweise Ausführer. Oder auch Freistoßgott. Gegen Freiburg brachte der Brasilianer es fertig, in einem Spiel gleich zwei Freistoßtore zu erzielen. In einem einzigen Spiel. Wenn ich so rekapituliere, habe ich selbst vielleicht zwei in meiner kompletten Fußballerlaufbahn erzielt. Aber Ronny hat ja auch keine krummen Füße, sondern zwei angewachsene Zauberkeulen, mit denen er hoffentlich auch in den nächsten Wochen und Monaten Mauern zum Einsturz bringt und Torhüter weinend zurücklässt. Das allersympathischste an Ronny ist aber etwas anderes: Dem Mann sieht man seinen Bauch an und er ist trotzdem ein erfolgreicher Fußballprofi geworden. Es ist also nie zu spät, noch an die eigene Karriere zu glauben.

Timo Horn

In Kölle machen se was se wolle. Zum Beispiel einfach kein Tor kassieren. Der Aufsteiger hat nach unfassbaren 360 Minuten immer noch eine weiße Weste. Keeper Timo Horn hat dazu seinen Teil beigetragen, konnte teilweise aber auch gar nichts dafür. Gegen Gladbach und Paderborn leistete seine Abwehr zu gute Arbeit und er bekam absolut nichts zu tun. Sogar Manuel Neuer hat momentan mehr Arbeit. Es scheint, als hätten sie in Köln das solide Arbeiten tatsächlich gelernt. Nur das Toreschießen, das müssen sie noch üben.

Giulio Donati

Der Kurzarbeiter des Tages kommt aus Leverkusen. Gegen die Wölfe ging Donati in der siebten Spielminute mit der Geschicklichkeit eines Bulldozers in den Zweikampf mit Malanda und brachte diesen zu Fall. Dafür bekam der Italiener Rot, Wolfsburg einen Elfmeter und Leverkusen 83 Minuten Unterzahlspiel. Was man sonst so in sieben Minuten alles machen kann: Einen Hattrick erzielen, eine Fünf-Minuten-Terrine erhitzen, den kompletten Inhalt der Bild-Zeitung lesen oder so tun, als hätte man diesen Blog-Artikel tatsächlich bis zum Ende gelesen.