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Bedingt abwehrbereit – die Bayern in Not

14 Feb

Hiobsbotschaft in München: Nach Boateng, Martinez und Benatia fällt jetzt auch Holger Badstuber aus. Frei nach dem Motto „Mach kaputt, was dich kaputt macht“ könnte die Bundesliga jubilieren – den großen Überbayern gehen die Verteidiger aus. Die Münchner sind nicht nur geschwächt, sie sind verwundbar wie seit Jahren nicht. Und vor dem Spiel gegen Juventus Turin nur bedingt abwehrbereit.

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Super, super Spieler hat Pep Guardiola genug. Nur super Verteidiger hat er keine mehr. Die Notleihe von Serdar Tasci und die Umschulung von Kimmich reichen für die Bundesliga, international warten aber ganz andere Kaliber. Wer soll einen Dybala oder Morata gegen Juve aufhalten? Von einem Cristiano Ronaldo oder Luis Suarez in einem möglichen Viertelfinale ganz zu schweigen. Pep wird auf eine Dreierkette umstellen und Vidal oder Alonso als Ersatzverteidiger installieren. Dadurch entstehen aber auf anderen Positionen Schwächungen, die sich die Bayern in engen Partien eigentlich nicht leisten können.

Ende von Peps Herrlichkeit

Die Balance des Bayernspiels gerät durch die Umstellungen aus den Fugen. Die Ballsicherheit eines Badstubers oder die Spieleröffnung eines Boatengs lässt sich nicht ersetzen. Guardiola bleibt nichts anderes übrig, als sein System anzupassen. Die anfällige Verteidigung wird viel zusätzliche Arbeit für Manuel Neuer bedeuten. Wie gut der Welttorhüter seinen Job macht, wird das Bayern-Fortkommen stark beeinflussen. Gegen ein formstarkes Barca oder torhungriges Real dürften die Bayern ohne Stammverteidiger nur eine kleine Chance haben. Die Spanier haben erstaunlicherweise seit Jahren keine großen Verletzungsprobleme.

Mensch oder Maschine

Talent, Ehrgeiz und Professionalität reicht nicht aus, um einer der besten Fußballprofis zu werden. Man braucht dazu auch verdammt viel Glück. Die großen Stars wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi haben fast unkaputtbare Körper, die zahllose Tritte, Fouls und Belastungen wegstecken können. Und dann gibt es Profis wie Badstuber oder Arjen Robben. Die jeden Tritt spüren. Bei denen jedes Foul das letzte sein kann. Die irgendwie menschlich und ganz sicher verletzbar sind.

Der Glasmensch

Holger Badstuber hat seit 2012 von 170 möglichen Pflichtspielen 25 absolviert. 25. Der arme Holger stand also im Schnitt in jedem siebten Spiel auf dem Rasen. Dazwischen lagen lange Zeiten des Schmerzes und der Ungewissheit – heilt alles gut? Komme ich noch einmal zurück? Seine Krankenakte liest sich dabei wie ein Anatomie-Handbuch. Darunter sind unter anderem ein Bruch des Sprunggelenks, ein Riss des Kreuzbandes und eine Schambeinentzündung. Kurzum: Badstuber hat sich fast alle möglichen Verletzungen schon einmal zugezogen. Was sagt uns das über den Fußball? Profisport hat auch seine Schattenseiten. Für das viele Geld und den Ruhm setzen Sportler ihre Gesundheit aufs Spiel. Fußballer sind trotz aller Vorteile moderne Gladiatoren.

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Münchner Muskelspiele

14 Dez

Gegen Augsburg machten die Bayern kurz ernst, zeigten ihre Muckis, posten ein bisschen und verdroschen Augsburg. Wie gut die Bayern wirklich sind, können nur die ganz Großen der Branche herausfinden. National gibt es keine Gegner mehr.

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Dieses Wochenende sollte es endlich soweit sein, der Tabellendritte forderte die großen Bayern und konnte deren Nimbus der Unbesiegbarkeit endlich zerstören. Schließlich war es ebendiese Mannschaft, die das letzte Aufeinandertreffen der beiden gewonnen hat. Ein Hauch von Spannung wehte durch die Bundesliga, doch dann wurde das Spiel angepfiffen. Und man kam wieder in der Realität an. Die Bayern spielen gegen Augsburg so arrogant/dominant wie üblich und watschen die Fuggerstädter ordentlich ab. Die fette Raupe Nimmersatt hat trotz eines fast schon lächerlich anmutenden Vorsprungs auf den Rest der Liga weiter Bock auf Siege. Und Tore. Und keine Gegentore. Und Gegner demütigen. Fragen sie mal Klavan und Co., wieviel Spaß ein Spiel gegen Robben und Ribery machen kann.

Kein Gegner in Sicht

Gegner gibt es in der Bundesliga momentan keine. Dortmund stellt sich jede Woche diesselbe Frage „wer bin ich und wenn ja, wie spiel ich?“, Leverkusen bleibt in zu vielen Spielen zweiter Sieger, Schalke… reden wir nicht drüber und Gladbach stirbt in Schönheit. Lediglich Wolfsburg ist einigermaßen konkurrenzfähig. An einem sehr guten Tag, an dem die Bayern die Jugend ranlässt und Guardiola aufgrund einer Krankheit ans Bett gefesselt ist. Wenn die Bayern wollen, schalten sie ein paar Gänge hoch und zeigen ihre Muskeln. Und die sind in diesem Jahr besonders beeindruckend.

Die Defensive mit den überragenden Boateng, Lahm, Neuer und Alaba ist die momentan beste der Welt. Kein Team verteidigt so hoch, so effizient und so beeindruckend. In der Liga lassen die Bayern knapp 2,8 Torschüsse pro Spiel zu – das ist mehr als außergewöhnlich. Die Offensive mit Müller, Ribery, Robben, Lewandowski und Götze sucht ihresgleichen – und findet sie in Spanien. Barcelona mit dem neuen Dreigestirn Messi, Neymar und Suarez und Real mit BBC – Bale, Benzema und dem vor Geilheit und Kraft strotzenden Cristiano Ronaldo. Diese beiden Teams sind der Gradmesser für diese Saison. Ein Duell ist nicht nur wahrscheinlich, es kann gar nicht anders kommen. Wer soll diese Übermannschaften sonst bezwingen?

Superchampions League

Aktuell ist Real noch ein Stück stärker einzuschätzen als Barca, vor allem dank Ballermann Ronaldo. Gegen Madrid haben die Bayern aus dem letzten Jahr auch noch etwas gutzumachen – das 5:0 lässt grüßen. Für die Auslosung kann man sich nur wünschen, dass Bayern und Real erst möglichst spät aufeinandertreffen. Das Spiel wäre auf jeden Fall ein mehr als würdiges Endspiel. Wen die beiden Teams auf dem Weg vorher abschießen, ist eigentlich egal. Champions League ist mittlerweile der falsche Begriff, die Großen sind eher in der Superchampions League zuhause. Die Liga taugt für diese Teams nur noch als Schaulaufen für die wirklichen Spiele.

Um Klassen besser – 3. Spieltag Champions League

23 Okt

35:1 Torschüsse, 5:0 Tore, 92%:68% Passquote, „Champions“ League. Das ist kein Witz, hier hat nicht Bayern München gegen einen Drittligisten gespielt, sondern der Deutsche Meister gegen den Tschechischen Meister. Hier sollten die Besten der Besten spielen, die Elite des europäischen Fußballs, Spannung und Duelle auf Augenhöhe garantiert! Stattdessen nehmen die Bayern bemitleidenswerte Tschechen komplett auseinander. Chancen im Minutentakt und keinerlei Gegenwehr – jeder Bundesligaclub schlägt sich tapferer. Pilsen hatte keine Mittel und keinen Plan, wie gegen die Dominanzbayern verteidigt werden soll. Daher haben sie es einfach gelassen und können sich bei ihrem Torwart Kozacik bedanken, dass es „nur“ fünf Gegentore geworden sind. Selbiger spielte beim Stand von 0:4 auf Zeit und holte sich dafür die Gelbe Karte – bezeichnend. Die Bayern scheinen in dieser Saison Überbayern zu sein, die national und international kaum zu stoppen sind. Es war nicht einfach nur ein Klassenunterschied, die Münchner waren mehrere Klassen besser.

Clever gepunktet

Dortmund hat gegen formstarke Londoner einen wichtigen Sieg eingefahren. Dabei zeigte der BVB keinen rauschhaften Offensivfußball, vielmehr musste ein Lucky Punch von Lewandowski das Spiel entscheiden. Der Sieg zeigt aber auch die gewachsene Erfahrung der Schwarzgelben: Sonst brauchen Reus und Co. unzählige Großchancen, um zum Torerfolg zu kommen, aber wenn es darauf ankommt, sind sie eiskalt und verwerten 2 von 8 Möglichkeiten. Besonders loben muss man Sahin und Bender, die Özil fast komplett aus dem Spiel nehmen konnten und so die Schwächen der Gunners auf anderen Positionen aufdeckten. Am Ende war der Sieg glücklich, aber drei Punkte bleiben drei Punkte. Die Art und Weise des Zustandekommens ist kein Zeichen der Stärke, aber die Dortmunder wachsen bekanntlich mit ihren Aufgaben. Und auf dem Weg zum Titel warten noch einige Aufgaben, z. B. die Bayern.

Heimlich stark

Leverkusen schlägt Donezk mit einem überzeugenden Auftritt 4:0 und ist auf dem besten Weg, auch in diesem Jahr die Gruppenphase zu überstehen. Dabei schafft es die Werkself regelmäßig unter dem Radar der Medienberichterstattung zu bleiben. Spiele der anderen deutschen Klubs werden gefeiert, gute Spiele werden zu rauschhaften Vorstellungen gehyped, schlechte Spiele zu Krisen deklariert. Und die Werkself? Sie spielt einfach. Und gewinnt, verliert und gewinnt wieder. Das erschreckendste dabei ist, dass sogar die eigenen Anhänger die Leistungen ihrer Elf nicht honorieren – das Stadion war gegen Donezk nicht ausverkauft – in einem der größten Spiele des Jahres für die Leverkusener. Das hat aber auch gute Seiten – mit Leverkusen rechnet keiner. Dabei sind sie doch heimlich stark,

Eine Lehrstunde

Schalke machte das Spiel, Chelsea lauerte auf Konter. Schalke 0 – Chelsea 3. Mourinhos Kontertaktik hatte Keller nichts entgegen zu setzen. Zu clever, zu ausgebufft und zu effizient waren die Stars um Torres und Hazard. Die Defensive der Königsblauen ist nicht für höhere Aufgaben prädestiniert, schon in der Bundesliga wackelt sie des öfteren bedenklich. Die zahlreichen Offensivkünstler aus London hatten am Dienstagabend leichtes Spiel, bei Kontersituationen gerieten die Schalker öfter in Unterzahl – ein absolutes ANoGo (Hihi). Vorne fehlte die Durchschlagskraft, zudem erwischte Draxler einen gebrauchten Tag. Und Mourinho ist eben auch ein Trainerfuchs, der seinen Kollegen meistens einen Schritt voraus ist. Bis zum nächsten Duell in drei Wochen muss Keller seine Hausaufgaben besser machen – noch eine Lehrstunde können sich die Schalker nicht unbedingt erlauben.

Charlie Sheen Style – winning! – Champions League 2. Spieltag

3 Okt

Alle vier deutschen Vertreter haben ihre Champions-League-Aufgabe erfolgreich gelöst, Mal mit mehr, mal mit weniger Glanz.

89 Minuten K(r)ampf, 1 Minute Traum

Schalke hat sich zum zweiten Saisonsieg gearbeitet, von spielen kann schließlich keine Rede sein. Basel war kein schwacher, aber auch kein übermächtiger Gegner. Schalke spielte sehr defensiv und beschränkte sich weitestgehend auf die Spielzerstörung mit gelegentlichem Kontern. In Halbzeit eins war Basel feldüberlegen, ohne die ganz großen Chancen zu kreieren. In der 54. Minute kam dann ein Moment zum träumen: Ecke Schalke, die Baseler Spieler bekommen den Ball nicht richtig weg und Draxler nimmt aus circa 20 Metern Maß. Ein Volleyschuss per Außenriss mit Spin rechts oben ins Eck – Hammerding. Danach verteidigten die Königsblauen munter weiter, Basel bekam noch einige Halbchancen, die am Dienstagabend aber einfach nicht reichen sollten. So steht Schalke mit 6 Punkten an der Tabellenspitze und kann sich auf die zwei Duelle mit Chelsea freuen. Dann werden sie aber mehr als einen Draxler-Moment brauchen.

Sieg mit Knalleffekt

Leverkusen bezwingt Real Sociedad in letzter Minute mit 2:1. Dabei kann man den Leverkusenern vorwerfen, erst so spät das zweite Tor gemacht zu haben. Insgesamt standen 25:11 Tormöglichkeiten zur Verfügung, ein Tor wäre hierbei eine zu schwache Ausbeute gewesen. In der ersten Hälfte spielte Leverkusen ähnlich wie in der Bundesliga: Offensiv stark, defensiv kompakt und mit dem nötigen Glück vor dem Tor; Rolfes erzielte schließlich die 1:0 Pausenführung. Zu Beginn der zweiten Hälfte konnte Vela per Elfmeter ausgleichen, woraufhin die Werkself etwas den Faden verlor und auch einen zweiten Gegentreffer hätte kassieren können. Leno rettete die Mannschaft in die Schlussphase, in der Sam und Co. zwei Hochkaräter zur Führung vergaben. Als sich alle mit der Punkteteilung abgefunden hatten, holte Hegeler in der Nachspielzeit den Hammer raus. Er drosch den Ball regelrecht ins linke obere Eck zum Sieg. So hält Leverkusen in der Gruppe Anschluss an Manchester United und Donezk und kann in den nächsten beiden Partien gegen Donezk um Platz zwei in der Gruppe kämpfen.

Dominanz in rot

Manchester City – Bayern München, das klangvollste Duell des zweiten Spieltages. Es wurde unerwartet eine eindeutige Angelegenheit. Die Citizens hatten nichts zu melden und können froh sein, nur mit 1:3 verloren zu haben. Das Kombinationsspiel der Bayern erstickte fast alle Angriffsbemühungen der Hellblauen im Ansatz und nahm die teuren Offensivspieler komplett aus dem Spiel. Nur in den letzten 15 Minuten schwächelten die Bayern und City konnte einige Chancen und ein Tor kreieren. Die 75 Minuten vorher war es eine Demonstration. Bayern passte, Bayern eroberte Bälle, Bayern behielt die Bälle und Bayern erspielte sich Tormöglichkeiten. Der einzige Vorwurf an die Bayern kann sein, dass sie nur 3 Tore erzielt haben. Da war eindeutig mehr drin, so überlegen spielte der Titelverteidiger. Müller und Robben waren an diesem Abend nicht zu halten und hätten beide noch ein weiteres Tor erzielen können. Aber auch so wurde City heftig vermöbelt und muss jetzt versuchen, sich Platz zwei in der Gruppe zu sichern.

Schwarzgelbe Partytage

Nach dem furiosen Sieg gegen Freiburg gelang am Dienstag auch die Revanche gegen Marseille. Der Sieg gegen harmlose Franzosen war zu keiner Zeit in Gefahr. Die Defensive um Hummels und Subotic stand sicher und ließ insgesamt nur 7 Torchancen zu. Und vorne waren Reus und Lewandowski die üblichen Aktivposten. Dortmund spielte mehrere mustergültige Konter, von denen Lewandowski einen zur 1:0 Pausenführung erfolgreich abschließen konnte. Olyimpique konnte sich offensiv einfach nicht in Szene setzen, so blieb Langerak weitestgehend beschäftigungslos. Das 2:0 war ein kurioser Torwartfehler von Mandanda, das 3:0 ein ungeschicktes Foul an Reus, was zu einem Elfmeter für Lewandowski führte. Insgesamt spielte der BVB abgezockt und konnte seinen ersten Sieg in der Gruppenphase einfahren. Es wird sicher nicht der letzte sein.

 

BVB-Bayern: Die Krönung

25 Mai

Dortmund gegen Bayern: Der deutsche Superlativ, eine Demonstration neuer Stärke, ein Machtwechsel an Europas Fußballspitze. Zwei Mannschaften können sich heute in London unsterblich machen und die Champions League gewinnen.

Dortmund hat sich unter der fünfjährigen Kloppschen Regentschaft stetig weiterentwickelt. Zuerst spielten sie erfrischenden Offensivfußball und ärgerten auch die großen Gegner. Nach und nach kamen dann automatisch bessere Ergebnisse. Vor zwei Jahren wurde der vorläufige Höhepunkt mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft erreicht. Aber für Klopp und seine Mannschaft war das nicht genug. Götze, Lewandowski, Kuba, Pisczcek und Sahin sind nur einige der explosionsartig stärker werdenden Teile der Dortmunder Mannschaft. Die nächste Saison war mit das Beste was Dortmund je gespielt hat. Sie führten die Bayern mehrmals vor, unter anderem im Pokalfinale mit 5:2. Sie dominierten die Liga nach Belieben und stellten reihenweise Rekorde ein. Nur europäisch mussten die Dortmunder Lehrgeld zahlen. Heftige Niederlagen gegen Piräus und Marseille waren nur mit unerklärlicher Naivität zu erklären. In dieser Saison ist vieles anders. National hat der BVB seinen Nimbus verloren. Sie gaben oft leichtfertig Punkte aus der Hand und konnten mit der Konstanz der Bayern nicht mithalten. Aber international gelangten die Schwarzgelben zu neuer Blüte. Sie fertigten unter anderem Manchester City, Ajax und Real ab. In der Bundesliga die Pflicht und in der Champions League die Kür: Dortmund hat in dieser Spielzeit zwei Gesichter. Die Entwicklung von einer mittelmäßigen Mannschaft zu einer europäischen Topmannschaft scheint hiermit aber zu gelingen. Wenn es wichtig wird, sind die Dortmunder da. Mit dem heutigen Finale können sie ihre rasante Entwicklung krönen und die Bayern ein weiteres mal demütigen.

Das Selbstverständnis der Bayern ist seit vielen Jahren dasselbe: Wir sind die Besten! Mir san mia! In den letzten Jahren musste das Bild einiges aushalten. Nur eine Meisterschaft in den letzten fünf Jahren und immer wieder temporär starke Gegner wie Hoffenheim, Schalke oder Wolfsburg. Aber mit Dortmund hat das alles eine neue Qualität erreicht. Dortmund wirtschaftet vernünftig, Dortmund agiert nachhaltig. Dortmund kauft bei schwächeren Vereinen gute Spieler weg. Dortmund spielt konstant auf sehr hohem Niveau. Das alles kommt den Bayern sehr bekannt vor. Es hat sich national über die Jahre ein ebenbürtiger Gegner aufgebaut, der die Bayern in den letzten zwei Jahren oft gedemütigt hat. In der Liga holten die Dortmunder zwei Meisterschaften nacheinander und das Pokalfinale hat der Bayernseele auf jeden Fall geschadet. Die Stärke der Dortmunder hat aber auch bei den Münchnern etwas bewirkt: Sie sind wieder hungrig nach Erfolgen, gieren nach Siegen. Dieser unbedingte Wille hat ihnen in den letzten Jahren gefehlt. Auch bei einem 3:0 ackerten Ribery und Co als stünde es 0:1. Sie wollten nicht einfach nur gewinnen, sie wollten Wiedergutmachung. Wiedergutmachung für die Schmach der letzten Jahre. Wiedergutmachung für die verlorenen Endspiele und nicht zuletzt Wiedergutmachung für das angekratzte Selbstbild. Diese Saison kann all das liefern. National hat man dominiert wie noch nie zuvor in der Geschichte der Bundesliga und international wurde der Primus Barcelona vernichtet. Diese einzigartige Rekordsaison könnte mit dem Double heute und dem möglichen Triple in sechs Tagen gekrönt werden. Jupp Heynckes würde sich selbst ein Denkmal schaffen und die Generation der Bayernspieler wäre eine goldene Generation.

Für beide Mannschaften ist heute sehr viel möglich: Die Krönung einer stetigen Entwicklung. Für Dortmund wäre es die zu einer europäischen Spitzenmannschaft, für die Bayern die zur besten Mannschaft Europas. Der Verlierer heute wird der vergebenen Chance noch lange nachtrauern. Aber so ist es nunmal im Leben: The winner takes it all.

Favorit in diesem Finale sind die Bayern. Sie haben die bessere nationale Saison gespielt und auch international mehr überzeugt. Bei Dortmund war auch viel Glück dabei, wie gegen Malaga. Zudem könnte der Götze-Faktor entscheidend werden. Keine Mannschaft kann ihren besten Spieler so leicht ersetzen. Unter normalen Umständen sollten die Bayern heute gewinnen. Aber Krönungen verlaufen nicht immer normal. Napoleon hat sich damals auch selbst gekrönt. Elf Schwarzgelbe werden im heute Abend nacheifern.

BVB-Bayern: Mann-gegen-Mann-Vergleich

23 Mai

Am Ende gewinnt die bessere Mannschaft, wie immer. Trotzdem folgt hier der Vergleich der individuellen Klasse:

 

Weidenfeller – Neuer: Der wohl beste Nichtnationaltorwart der Welt gegen den wohl besten Nationaltorhüter der Welt. Neuer hat die bessere Bundesliga Saison gespielt, Weidenfeller die bessere in der Champions League. Dort hat Neuer zehn Gegentore kassiert, Weidenfeller zwölf. Allerdings hat Weidenfeller viele Großchancen vereitelt, Neuer eher wenige. Weidenfeller zeichnen seine guten Reflexe und sein bärenstarkes 1-gegen-1 Verhalten aus. Neuer hat ebenfalls gute Reflexe und ist ein mitspielender Torwart, der durch sein aktives Spiel Chancen des Gegners verhindert und Geschwindigkeit in das Spiel seiner Mannschaft bringt. Auf jeden Fall gehören beide momentan zu den besten fünf Torhütern der Welt. Unentschieden.

Piszczek – Lahm: Piszczek spielt eine hervorragende Saison. Er bildet mit Kuba eine starke rechte Seite und ist defensiv weniger anfällig als in den letzten Jahren. Er ist der zweitstärkste Rechtsverteidiger der Liga. Nach Philiph Lahm. Sein Pendant bei den Bayern ist allerdings Lahm, der unbestritten beste Rechtsverteidiger der Welt. Seit Jahren spielt er auf Weltklasseniveau. Defensiv meistens fehlerfrei und offensiv oft gefährlich. Zudem hat Piszczek seit einiger Zeit Hüftbeschwerden und muss nach dem Finale operiert werden. Man darf hoffen, dass ihn das nicht beeinträchtigt und er bald wieder fit ist. Vorteil Bayern.

Subotic – Boateng: Subotic und Boateng sind beide solide Innenverteidiger. Beide sind kopfballstark und haben ein gutes Zweikampfverhalten. Allerdings neigen beide hin und wieder zu Leichtsinnigkeiten. Die Fehler von Boateng sind weithin bekannt; sein Platz ging im Viertelfinale daher auch an Daniel Van Buyten. Subotic hat in dieser Saison mehrere Elfmeter verursacht und sein Spielaufbau ist oft fehlerbehaftet. Beide sind die spielschwächeren Innenverteidiger, der Spielaufbau läuft in der Regel über Hummels und Dante. Druck auf Subotic oder Boateng könnte ein Schlüssel zum Erfolg sein. Unentschieden.

Hummels – Dante: Hummels ist spielstark, gewinnt viele Zweikämpfe und ist bei Standards mit dem Kopf oft gefährlich. Sein Spielaufbau ist ein wichtiger Baustein im Dortmunder System. Seine langen Bälle auf Lewandowski sind gefürchtet. Gerade rechtzeitig hat er sich von seiner Verletzung erholt und kommt wieder in Form für das Finale gegen die Bayern. Zuletzt mit einigen Fehlern wie gegen Real Madrid oder Hoffenheim. Ansonsten ist er aber der beste deutsche Innenverteidiger. Dante ist der Chef der Abwehr bei den Münchnern. Er überzeugt durch sein Stellungsspiel und seine Souveränität im Spielaufbau. Er macht so gut wie keine Fehler und bügelt öfter die seiner Nebenmänner aus. Hummels ist durch seine lange Verletzung noch nicht bei 100%, sonst würde ich ihn stärker einschätzen. So ist es ein Unentschieden.

Schmelzer – Alaba: Schmelzer ist der beste deutsche Linksverteidiger. Hinten stark, hin und wieder offensiv gefährlich und gut in der Balleroberung. Einige Jahre war er der beste Linksverteidiger der Liga. Das zeigt seine Klasse, aber auch, dass es in Deutschland kaum gute Linksverteidiger gibt. Diesen Rang hat ihm Alaba mittlerweile abgelaufen. Er spielt eine sehr gute Saison und ist hochtalentiert. Vorne oft gefährlich, hinten manchmal noch zu übermütig. Trotzdem ist die linke Seite der Bayern zusammen mit Ribery das gefährlichste, was es links in Europa gibt. Vorteil Bayern

Gündogan – Schweinsteiger: Hirn gegen Hirn. Gündogan und Schweinsteiger sind die wichtigsten Spieler ihrer Mannschaft. Sie bestimmen das Tempo, leiten Angriffe ein und gewinnen viele Bälle. Schweinsteiger ist schon seit einigen Jahren Weltklasse, Gündogan ist es mittlerweile auch. Auch Jogi Löw konnte die Frage nicht beantworten, wer derzeit besser ist. Für ihn sind sie auf demselben Niveau. Das kann man so unterschreiben. Unentschieden.

Bender – Martinez: Bender ist eine Maschine. Er gewinnt sehr viele Bälle und läuft bis zum Umfallen, teilweise bis zu 13 Kilometer. Spielerisch ist er im Vergleich zu Gündogan aber limitiert. Dafür kann er sehr gut das Spiel der Gegner kaputt machen. Martinez ist ein ähnlicher Spielertyp wie Bender. Er wirkt wie ein Ballmagnet und klaut sich viele Bälle. Xavi, Iniesta und Co dürften nach dem Halbfinale Alpträume von ihm gehabt haben. Spielerisch ist er einen Tick besser als Bender, daher Vorteil Bayern.

Großkreutz – Ribery: Hier müsste eigentlich Reus stehen. Aber Götze hat sich verletzt, daher wird voraussichtlich Großkreutz in die Mannschaft rücken. Er ist ein Kämpfer, der oft gute spielerische Anlagen zeigt. Sein Torabschluss ist oft noch zu ungefährlich, dafür arbeitet er gut in der Defensive. Ribery ist der beste Spieler der vergangenen Bundesligasaison. Er war noch nie so gut wie jetzt, mit 30 Jahren. Offensiv war er schon immer gefährlich, diese Saison ist er unberechenbar. Und er arbeitet dieses Jahr auch in der Defensive; ein Novum für Ribery. Bei Reus gegen Ribery wäre es knapp geworden, Großkreutz ist klar schwächer. Vorteil Bayern.

Reus – Müller: Reus ist der Mann für die wichtigen Momente. Er kann lange abtauchen und dann plötzlich zuschlagen. Er ist immer für ein Tor gut. Sprintstark, torgefährlich und sehr spielstark; Genau das muss ein Außenstürmer können. Im Finale muss er voraussichtlich im Zentrum spielen, da Götze verletzt ist. Dasselbe Schicksal ereilt Thomas Müller, der aufgrund von Kroos Verletzung im Zentrum spielt. Müller ist der torgefährlichste Münchner in dieser Champions League Saison mit acht Toren. Auch in der Bundesliga hat Müller wieder zu alter Stärke gefunden. Reus muss sich am Samstag beweisen. Götzes Fehlen muss er kompensieren. Ausgeglichen.

Blaczykowski – Robben: Beide sind wahnsinnig schnelle Sprinter, die gerne dribbeln. Blaczykowski sucht oft den Nebenmann und bereitet viele Tormöglichkeiten vor. Robben sucht hingegen öfter den Abschluss und bereitet weniger vor. Teamplayer gegen Ego-shooter – Dennoch sind beide sehr wichtig für ihr Team. Robben arbeitet seit dieser Saison auch in der Defensive. Gerüchten zufolge, hat man ihn sogar am eigenen Strafraum gesichtet. Das ist für Blaczykowski selbstverständlich. Defensiv ist er deutlich stärker einzuschätzen, was Samstag wichtig sein könnte. Vorteil Dortmund.

Lewandowski – Mandzukic: Lewagoal gegen Mandzukic. Der Goalgetter gegen den Systemstürmer. Lewandowski schiesst Tore wie am Fließband und ist in dieser Saison nicht aufzuhalten. Seine Ballannahme, Ballbehauptung und sein Torabschluss suchen ihresgleichen. Mandzukic hingegen ist der Arbeiter unter den Stürmern. Er rennt jedem Ball hinterher und stört die gegnerischen Verteidiger beim Spielaufbau. Das hat ihm den Spitznamen „erster Verteidiger“ eingebracht. Er ist wichtig für das System der Bayern und ist trotzdem noch torgefährlich. Allerdings lange nicht so gefährlich wie Lewandowski. Vorteil Dortmund.

Auswechselspieler: Dortmund hat Sahin, Leitner, Kehl , Schieber, Hofmann. Bayern hat Shaqiri, Pizarro, Gomez, Gustavo, Van Buyten. Bayern kann flexibler agieren und hat zweifellos mehr Qualität auf der Ersatzbank. Vorteil Bayern.

Endstand: 5:2 für die Bayern. Die individuelle Klasse spricht für die Bayern. Vor allem in der Abwehr sind die Münchner besser aufgestellt. Sie gehen auch aufgrund ihrer individuellen Qualität als Favorit in dieses Finale. Vielleicht bringt es ihnen diesmal auch etwas.

 

Champions League Rückspiele – Eine Frage der Ehre

30 Apr

Nach den Hinspielen heißt es bei Bayern – Barca 4:0 und bei Dortmund-Real 4:1. Heute und morgen kommt die letzte Chance der Spanier auf Wiedergutmachung. Raum für Verbesserungen ist auf jeden Fall vorhanden.

„Bayern zerquetscht Barcelona“, „FC Bayern demütigt ein sterbendes Barça“ oder „Das Ende einer Ära“. Die Pressestimmen der vergangenen Woche waren vernichtend. In München hat aber auch wirklich nicht viel funktioniert für Barca. Die Abwehr hat 15 Torschüsse zugelassen, der Angriff nur 4 abgegeben. Das ist ein Klassenunterschied. Im Mittelfeld kam das gefürchtete Tiki-Taka trotz 65% Ballbesitz nicht zur Geltung. Die Barca Maschinerie stockte nicht nur, sie ist in München nicht angesprungen. Messi und Co war die Enttäuschung über die eigene Leistung bereits während dem Spiel anzusehen. Nach dem Spiel wollten sie alle schnell verschwinden und diesen Tag vergessen, was ihnen natürlich nicht gestattet wurde. Das Presseecho war gewaltig und verheerend. Nicht mal die sonst sehr optimistischen spanischen Sportzeitungen glauben noch an ein Weiterkommen. Unter dem Slogan „Barça!, unser Stolz, Barça“ gehen die Blaugrana in das Rückspiel und werden dabei von 90 000 frenetischen Fans unterstützt. Ihre Mission: Ein Wunder. Ein einfaches Wunder reicht gegen diese Bayern nicht aus, es müsste schon eine Offenbarung werden. 5 Tore gegen die Münchner, die in dieser Saison national in 31 Spielen nur 14 Gegentreffer bekommen haben. Und davon nur 3 auswärts. Es gibt wahrlich leichtere Aufgaben. Messi und Co werden deutlich verbessert auftreten und hoffentlich einen würdigen Abgang im Camp Nou bestreiten. Eine weitere desolate Leistung wird ihnen so schnell nicht verziehen.

„Eine Dampfwalze zerstört ein chaotisches Real“, „Panzer Champions“ oder „Lewandowski zerbröselt Real“. Auch nach dem Spiel Dortmund-Real waren die Pressestimmen sehr martialisch. Bei Bayern-Barcelona war es ein Klassenunterschied, hier war Dortmund die etwas bessere Mannschaft mit einem überragendem Lewandowski, der das Ergebnis in die Höhe schraubte. Real hatte mit 55% zu 45% mehr Ballbesitz, Dortmund mit 14 zu 9 mehr Tormöglichkeiten. Den Unterschied machte die Taktik. Während Dortmunds offensives Pressing und Umschaltspiel zu guten Chancen führte, gingen die Umstellungen im Mittelfeld bei Real nicht auf. Zudem erwischten die Stars Özil und Ronaldo keinen sonderlich guten Tag. Trotzdem glauben die Madrilenen noch an eine „Noche Magica“ – eine magische Nacht. Die Voraussetzungen für Dortmund könnten kaum besser sein: Real muss 3:0 gewinnen um weiterzukommen, bei einem Dortmunder Tor müssen sie schon 5 Tore erzielen, bei 4 geht es in die Verlängerung. Die Dortmunder erwartet im Bernabeu-Stadion 90 Minuten harte Arbeit. Die Dortmunder Defensive hat sich in dieser Saison des öfteren anfällig gezeigt, ein Einbruch im wichtigsten Spiel der Saison erscheint trotzdem unwahrscheinlich. Real will seine Ehre wiederherstellen und die Verhältnisse geraderücken. Aber vor allem Dortmunds Offensive rund um Lewandowski wird Schlimmeres zu verhindern wissen und Dortmund ins Finale nach London bringen.

Schon jetzt spielen Dortmund und Bayern eine nahezu perfekte Champions League Saison. Und eine der beiden Mannschaften wird sich am 25.5 zur besten Mannschaft Europas krönen. Chapeau Jupp! Chapeau Klopp! Ehre, wem Ehre gebührt.