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Bedingt abwehrbereit – die Bayern in Not

14 Feb

Hiobsbotschaft in München: Nach Boateng, Martinez und Benatia fällt jetzt auch Holger Badstuber aus. Frei nach dem Motto „Mach kaputt, was dich kaputt macht“ könnte die Bundesliga jubilieren – den großen Überbayern gehen die Verteidiger aus. Die Münchner sind nicht nur geschwächt, sie sind verwundbar wie seit Jahren nicht. Und vor dem Spiel gegen Juventus Turin nur bedingt abwehrbereit.

 

Super, super Spieler hat Pep Guardiola genug. Nur super Verteidiger hat er keine mehr. Die Notleihe von Serdar Tasci und die Umschulung von Kimmich reichen für die Bundesliga, international warten aber ganz andere Kaliber. Wer soll einen Dybala oder Morata gegen Juve aufhalten? Von einem Cristiano Ronaldo oder Luis Suarez in einem möglichen Viertelfinale ganz zu schweigen. Pep wird auf eine Dreierkette umstellen und Vidal oder Alonso als Ersatzverteidiger installieren. Dadurch entstehen aber auf anderen Positionen Schwächungen, die sich die Bayern in engen Partien eigentlich nicht leisten können.

Ende von Peps Herrlichkeit

Die Balance des Bayernspiels gerät durch die Umstellungen aus den Fugen. Die Ballsicherheit eines Badstubers oder die Spieleröffnung eines Boatengs lässt sich nicht ersetzen. Guardiola bleibt nichts anderes übrig, als sein System anzupassen. Die anfällige Verteidigung wird viel zusätzliche Arbeit für Manuel Neuer bedeuten. Wie gut der Welttorhüter seinen Job macht, wird das Bayern-Fortkommen stark beeinflussen. Gegen ein formstarkes Barca oder torhungriges Real dürften die Bayern ohne Stammverteidiger nur eine kleine Chance haben. Die Spanier haben erstaunlicherweise seit Jahren keine großen Verletzungsprobleme.

Mensch oder Maschine

Talent, Ehrgeiz und Professionalität reicht nicht aus, um einer der besten Fußballprofis zu werden. Man braucht dazu auch verdammt viel Glück. Die großen Stars wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi haben fast unkaputtbare Körper, die zahllose Tritte, Fouls und Belastungen wegstecken können. Und dann gibt es Profis wie Badstuber oder Arjen Robben. Die jeden Tritt spüren. Bei denen jedes Foul das letzte sein kann. Die irgendwie menschlich und ganz sicher verletzbar sind.

Der Glasmensch

Holger Badstuber hat seit 2012 von 170 möglichen Pflichtspielen 25 absolviert. 25. Der arme Holger stand also im Schnitt in jedem siebten Spiel auf dem Rasen. Dazwischen lagen lange Zeiten des Schmerzes und der Ungewissheit – heilt alles gut? Komme ich noch einmal zurück? Seine Krankenakte liest sich dabei wie ein Anatomie-Handbuch. Darunter sind unter anderem ein Bruch des Sprunggelenks, ein Riss des Kreuzbandes und eine Schambeinentzündung. Kurzum: Badstuber hat sich fast alle möglichen Verletzungen schon einmal zugezogen. Was sagt uns das über den Fußball? Profisport hat auch seine Schattenseiten. Für das viele Geld und den Ruhm setzen Sportler ihre Gesundheit aufs Spiel. Fußballer sind trotz aller Vorteile moderne Gladiatoren.

Pfundskerle – der englische Transferwahnsinn

2 Sep

Das Theater hat ein Ende – der Fußballer-Sommerschlussverkauf lief diese Woche aus. Diese Transferperiode hat eine Machtverschiebung im europäischen Fußball eingeläutet, der schwer zu widerstehen sein dürfte. Das englische TV-Geld hat den Transfermarkt verändert.

Viele Manager dürfen jetzt aufatmen, wenn sie ihre wichtigsten Spieler lange genug vor den englischen Finanzhaien verstecken konnten. Andere waren nicht so erfolgreich und haben jetzt zwar viel Geld, aber dafür weniger Qualität im Kader. Wolfsburg musste den Spieler des Jahres de Bruyne ziehen lassen, Hoffenheim ihren besten Stürmer Firmino und Leverkusen den Flügelflitzer Son. Adäquater Ersatz ist aktuell schwer zu beschaffen, da die Preise den aktuellen Marktwert der Spieler deutlich überschreiten. Die Bundesliga verliert an Attraktionen, die nur schwer zu ersetzen sind. Von der Konkurrenzfähigkeit her holen die Engländer mit Riesenschritten auf.

Die krassesten Transfer-Wert-Unterschiede:

  • Kevin de Bruyne Wert: 45 Millionen, Transfersumme: 74 Millionen
  • Anthony Martial Wert: 8 Millionen, Transfersumme: 50 Millionen
  • Roberto Firmino Wert: 25 Millionen, Transfersumme: 41 Millionen
  • Heung-Min Son   Wert: 16 Millionen, Transfersumme: 30 Millionen

Das ManCity-Phänomen

In Zeiten, in denen Verträge nichts mehr wert sind, werden aus Männern Pfundskerle. Geld regiert die Welt – zumindest im Fußball. Big-spending alleine macht aber noch keine Siegermannschaft, siehe ManCity. Das City-Phänomen dürfte sich wiederholen, viel Geld verleitet eben auch dazu, viel auszugeben. Elf gute Spieler sind noch keine Mannschaft. Diese Lehre werden einige Vereine in diesem Jahr machen. Dabei denke ich vor allem an Manchester United, die sich für irrwitzige 50 Millionen + Bonus den unbekannten Franzosen Martial gesichert haben. Hier scheint das zusätzliche Geld vor allem das Denken auszuschalten. Aber bessere und teurere Spieler erhöhen natürlich die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein. Und das bringt England mittelfristig deutlich nach vorne.

Aus der Not eine Jugend machen

Was bedeutet das für den deutschen Fußball? Was tun mit dem vielen Geld? Man kann es in einem Rucksack im Park liegen lassen oder damit wirklich etwas anfangen. England kauft jedes Jahr gute Spieler weg? Dann machen wir eben neue! Eine groß angelegte Investition in Jugendarbeit und -förderung scheint eine attraktive Alternative für Bundesligavereine zu werden. So können die Verluste an Spitzenspielern leichter kompensiert werden und darüber hinaus ist der englische Transferwahnsinn für alle anderen Vereine sehr lukrativ. Wer seine Spieler weiter erfolgreich nach England verkloppen kann, bekommt Jahr für Jahr mehr Spielraum für die eigene Mannschaft. Das Risiko der Pfundskerle bietet den deutschen Vereinen eine echte Chance.

 

Gut Ding will Weiler haben

23 Jul

 

Aufstieg – das ist der normale Anspruch eines Glubb-Fans. Aber was ist schon normal im Frankenland, hier ist man stolz auf die eigene Fahrstuhlmannschaft. Das bedeutet schließlich, besser als die anderen Zweitligisten zu sein. Das letzte Aufstiegsprojekt ist unter Valérien Ismael allerdings krachend gescheitert. Jetzt soll es René Weiler richten. Und er bekommt dafür womöglich die nötige Zeit und Gelegenheit.

Ihr seid nur ein Ausbildungsverein

Nürnberg ist für Profis eine Übergangsstation, anders kann man das nicht sagen. In den letzten zwei Jahren hatte der 1. FCN 41 Zu- und 41 Abgänge zu verzeichnen. Vereinstreue oder langfristiges Engagement? Fehlanzeige. Wer gute Leistungen zeigt, schafft es zu einem anderen Erstligisten, der Rest wird wieder verscherbelt. Aus dem Kader der Saison 13/14 sind nur noch drei Spieler verblieben. Der Verein macht damit ein gutes Geschäft, keine Frage. In den letzten fünf Jahren konnte ein Transferüberschuss von 19 Millionen Euro erwirtschaftet werden, in den letzten zehn Jahren sogar 38 Millionen. Weiler kann sich seinen Kader jetzt selbst zusammenbauen und hat Club-unüblich nur elf Spieler verpflichtet. Reicht die neue Gelassenheit zum Wiederaufstieg?

Get up or cry trying

Die Erwartungshaltung ist hoch. Ein weiteres Krampfjahr wie 2014/15 wird Weiler nicht überleben, dazu fehlt es den Franken an Geduld. Das Tal der Tränen soll diese Saison verlassen werden und die Chancen dafür stehen gut. Um ehrlich zu sein, sind sie genauso gut wie letztes Jahr. Aber irgendwann muss es ja aufwärts gehen. Der Trainer? Ist ein Guter. Die Konkurrenz? Schläft bestimmt. Und diese Neuverpflichtungen! Bombe. Was soll auf dem direkten Weg in Liga eins noch schiefgehen?

Glubb is a Depp

Es ist wie es ist – am Ende steht der Club sich selbst im Weg. Wir scheitern am eigenen Unvermögen oder an der Ungerechtigkeit der Welt. Eigentlich ist es immer die Ungerechtigkeit. Wir können schließlich nichts dafür, wenn unsere Stürmer nicht treffen. In den bisherigen fünf Testspielen konnte immerhin ein Sieg errungen werden, darunter waren Großkaliber wie der Drittligist Würzburg und die Bayernligisten Schweinfurt und Regensburg. Wenn jetzt die anderen Klubs aus Leipzig, Freiburg oder Kaiserlautern nicht wären, ja dann würden wir ganz sicher aufsteigen. Versprochen.

Die Schlagbaren

21 Mai

Aus. Aus und vorbei. Die Bayern sind in dieser Saison zweifach gescheitert und stehen vor den Trümmern ihrer Saison. Wobei Trümmer immer noch Meister bedeutet. Eine Analyse der zwiegespaltenen Münchner Seele.

 

Mia san ausgerutscht!

Am Anfang war Dortmund. Und dann ging alles schief. Mit dem DFB-Pokal-Aus gegen den BVB wurden die Krisenwochen eingeläutet. Es folgten drei Niederlagen in der Bundesliga und die unrühmliche und deutliche Schlappe gegen Barcelona. Der Nimbus der Bayern ist nicht nur angekratzt, der Lack dieser Saison ist komplett ab. Die grenzenlosen Ambitionen der Bajuwaren wurden grandios unterlaufen, die Münchner sind wieder schlagbar. Im Fußball geht es oft um das Momentum, das gefehlt hat. Am Ende dieser Saison war es nicht nur das Momentum. Es fehlte das Heldentum, die großen Aktionen großer Spieler, das wovon Kinder nachts träumen.

Mia san Meister!

Dominiert und in Grund und Boden gespielt! Die Bayern sind in der Liga immer noch haushoch überlegen, die Bundesliga wird zum Schaulaufen für die teuren Bayernwaden. Der einstige Erzfeind Dortmund lag fast 40 Punkte hinter den Bayern und viele Mannschaften bedankten sich artig für gerade noch einstellige Niederlage. Die voreilige Kapitulation vor der Bayern-Übermacht hat Pep Guardiola überrascht: „Aus einem 6:0 kannst du nichts lernen.“ 78:18 Tore sprechen eine deutliche Sprache – die Vorherrschaft des FCB in Deutschland ist ungebrochen. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Mia werden alt!

Xabi Alonso ist ein toller Fußballer, wenn… Wenn da dieses wenn nicht wäre. Für Laufduelle ist der Spanier nicht zu gebrauchen, Zweikämpfe mit Messi oder Neymar wirkten geradezu grotesk. Auch die weitere Bayernriege hat mit der Natur zu kämpfen. Philipp Lahm (31), Bastian Schweinsteiger (30), Arjen Robben (31) und Franck Ribery (32) zahlen langsam, aber sicher den Preis jahrelanger Weltklasse-Leistungen. Die Verletzungen häufen sich, die Dauer zur Rückkehr auf altes Leistungsniveau steigt, die Top-Leistungen werden weniger. Noch immer sind alle genannten Akteure Supersuper-Spieler, keine Frage. Im Vergleich zur hungrigen Riege des FC Barcelona wirken sie aber doch einen Tick zu satt, zu zufrieden mit sich und der Welt. Vielleicht hat Oli Kahn am Ende doch Recht. Es sind die Niederlagen, die dich zu einem großen Spieler machen. Und davon hatten die Weltmeister zuletzt nicht gerade viele.

Mia kaufen nach!

Es läuft nicht auf dem Feld, dann rollt der Rubel. Auf Misserfolge haben die Münchner stets mit dem Portemonnaie reagiert, was sich über die Jahre bewährt hat. Was nicht mehr bei den Gegnern spielen kann, hilft uns vielleicht auch. Gerade auf den verletzungsanfälligen Positionen müssen die Bayern nachrüsten. Für die Außenstürmerpositionen sollten junge Talente die sanfte Nachfolge von Ribrobb antreten, was der miasanrot-Blog hier meisterhaft aufgeschlüsselt hat. Dazu ist das defensive Mittelfeld eine Dauerbaustelle. Lahm sollte doch wieder Verteidiger werden und einem Nachfolger seinen Platz in der Zentrale überlassen. Einem jungen, hungrigeren Spieler. So hungrig wie Luis Suárez, zum Beispiel.

Mia san Pep!

Trotz allem ist Pep Guardiola der wohl begabteste Coach dieser Zeit, auch wenn er ein paar Spiele verloren hat. Das zeigt nur seine menschliche Seite und dass gegen einen Barcelona-Traumsturm einfach nichts hilft. Der Katalane wird seine Lehren aus diesem Jahr ziehen und mit einem aufgefrischten Kader nächstes Jahr zurückkehren. Eine Trainerdiskussion wäre in München absolut fehl am Platz, einen besseren Mann kriegt man nicht. Und bei einer Sache kann man sich sicher sein: Ein Pep Guardiola vergisst nicht. Er notiert alles und rächt sich. Vielleicht reichen diese Niederlagen aus, den absoluten Erfolgshunger wieder zu wecken.

 

Sturm und Zwang – Löws Offensivdilemma

30 Mrz

Torgefährlich, flexibel und immer am rechten Fleck – aber bitte kein Stürmer. Jogi Löws Abgesang auf den Stürmer nimmt der Nationalmannschaft Plan B. Ab jetzt muss Plan A eben reichen.

 

Nach dem 2:0-Sieg gegen Georgien mühten sich alle Beteiligten, den Gegner hoch- und die eigene Leistung schönzureden. Man habe das Spiel kontrolliert, in der Offensive gezaubert und überhaupt den Gastgeber an die Wand gespielt. Das entspricht teilweise der Wahrheit. Ebenso richtig ist das eher schnöde Endergebnis von 2:0 im Duell des 1. gegen den 113. der Weltrangliste. Die Offensive war dabei „spielfreudig“ und kreierte gerade in Halbzeit eins zahlreiche Chancen. Das lag einerseits an der individuellen Klasse der Offensivjuwele, andererseits an der technischen Limitiertheit der Georgier. Deutschlands Plan A – schöner, verschnörkelter Offensivzauber – ist ein guter Plan. Aber er muss nicht immer aufgehen.

Tod allen Stürmern

Nach der WM beendete der vorerst letzte deutsche Stürmer seine Karriere –  der ewige Miro Klose. Schon lange vorher bereitete Löw die Post-Stürmer-Ära vor und nominierte in der Angriffsabteilung ausschließlich Mittelfeldspieler. Gegen Georgien fanden sich auf den Zetteln der Journalisten plötzlich Max Kruse und Mario Götze als Stürmer wieder, was von der tatsächlichen Position und der Einteilung jeweils als „falsch“ angesehen werden kann. Ein gelernter Stürmer hat in Deutschlands Nationalmannschaft plötzlich keinen Platz mehr. Er wurde ausrangiert und darf bei der Nati 2.0 nur noch zuschauen. An seiner Stelle stehen quirlige, flexible Pass- und Dribbelmaschinen, die den Ball lieber ins Tor zaubern, statt ihn schnöde reinzumachen.

Plan B wie Brechstange

Die Nationalmannschaft ist Weltmeister. Sie tritt dominant auf, kontrolliert den Ball und das Geschehen und holt sich so Tore und Punkte. Geht der Plan auf, sind alle zufrieden und feiern King Jogi, den Trendsetter unter den Trainern. Geht der Plan aber mal nicht auf, wie im Spiel gegen Polen, fehlt eine Alternative. Das Kurzpassspiel versandet, die Offensivkräfte leiden an BVB-esker Torungefährlichkeit oder man hat einfach Scheiße am Fuß – was dann? Einen Systemwechsel auf Flanken und hohe, weite Bälle scheint nicht mehr möglich, das System Brechstange stirbt den Stürmertod. Ein Götze, Reus oder Özil werden in diesem Leben nicht mehr zu Kopfballmonstern und auch sonst sind Flanken auf sie eher eine Beleidigung, als ein probates Mittel. Stattdessen hat Löw eine Unzahl an Dribblern und Künstlern im Kader, die lieber in Schönheit sterben, als ein Kopfballtor zu machen.

Back to the Huf

Why not both? Löw rühmt sich, dass sein Team besonders flexibel agieren kann und vor Spielwitz nur so strotzt. Das Umstellen auf Plan B ist kein Verbrechen an Fußball-Ästheten, es könnte die Nationalmannschaft bereichern. Das Spielermaterial dafür ist vorhanden, auch wenn es im internationalen Vergleich etwas hinkt. Ein Alex Meier, ein Stefan Kießling und nicht zuletzt der wundgelegene Mario Gomez – sie alle können es hässlich. Einfach reinhufen, schmutzig abstauben oder mit dem Kopf reinwuchten. Wie man am Ende gewinnt, ist Nebensache. Und ein Systemwechsel während des Spiels zeugt doch eigentlich von Qualität. Also Schluss mit dem Sturm und Zwang. Lieber Jogi, gib den Stürmern noch eine Chance.

 

 

Die neue deutsche Ordnung

19 Mrz

Der Zweikampf Bayern vs. BVB war gestern. Die Verhältnisse in der Bundesliga haben sich gewandelt. Diese Saison hat gezeigt, welche Mannschaften großes Potential haben und wer nur noch eine große Vergangenheit hat.

Die Gipfelstürmer

Es gibt sie wieder, die Bayernjäger. Und mit Jagen meine ich Hinterherhecheln. Wolfsburg ist so stark wie nie und müsste eigentlich Meister werden, wenn nur diese Bayern nicht wären. Hecking hat dank freundlicher VW-Unterstützung eine geile Truppe versammelt, die auch in der Champions League Furore machen wird. De Bruyne ist für mich der aktuell beste Fußballer der Bundesliga und er wird noch besser. Die Defensive der Wölfe ist bissig, hinten humorlos und vorne gefährlich. Im Mittelfeld stehen mit Gustavo, Arnold und Schürrle Spieler gehobener Klasse. Lediglich im Sturm fehlt ein echter Kracher – Formbiest Dost und Lord Bendtner zum Trotz. Wolfsburg wird hier noch eine Granate verpflichten und sich als zweite Kraft im deutschen Fußball etablieren. So viel Talent und Klasse gibt es sonst nirgendwo zu sehen – von den unnahbaren Münchnern einmal abgesehen.

Der Talentschuppen

Das Spiel von Leverkusen gegen Atletico hat gezeigt, wie hässlich Fußball eigentlich sein kann. Was es nicht gezeigt hat, ist das tatsächliche Leistungsvermögen der Werkself. Son, Calhanoglu und Bellarabi haben dermaßen viel Talent zur Verfügung, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Leverkusen auch international erfolgreicher wird. Alle drei sind unberechenbar, mit extrem viel Potential gesegnet und nun eine Erfahrung reicher. Leverkusen scheiterte in den letzten Jahren am eigenen Kopf, nicht an den Füßen der Gegner. Die Mannschaft ist stark besetzt und kann deutlich mehr. In der Defensive steht mit Leno ein kommender Nationalkeeper, ansonsten muss hier ein bisschen nachgebessert werden – mit Toprak und Spahic gewinnt man keinen Blumentopf. Bayer ist für mich die drittstärkste Kraft und wird sicher wieder die Champions League erreichen. Und dann geht auch mal das Viertelfinale.

 

Große Namen – tiefer Fall

Ach Dortmund. Ich wollte wirklich an euch glauben. Trotz vieler Niederlagen, trotz der großen Kopf-Krise, trotz der offensichtlichen Probleme im Kader. Diese Seuchensaison ist noch nicht vorbei, wirft aber bereits einen schweren Schatten auf die nächste. Der BVB wird Europa in der Liga nicht erreichen, dazu fehlt es aktuell an allen Enden. Die große Chance auf die Europa League bietet der DFB-Pokal, sofern der BVB nicht gegen Bayern oder Wolfsburg spielen muss. Und was dann? Unbestritten ist, dass der BVB immer noch große Namen hat – Reus, Hummels oder Gündogan. Gleichzeitig werden viele Schwächen dieser Saison nicht einfach über Nacht verschwinden. Weidenfeller hat seine besten Tage hinter sich, ein starker Nachfolger ist nicht in Sicht. Die Außenverteidiger Schmelzer, Piszczek und Großkreutz, der mit der WM scheinbar mit dem Profifußball abgeschlossen hat, hatten ihr Leistungspeak. Und der einst gefürchtete Klopp-Sturm ist nur noch ein laues Lüftchen. Der BVB und Klopp werden weiter fallen. Und wieder aufstehen. Allerdings nicht in alte Höhen, Dortmund kämpft jetzt um die Europa League. Und hat nach diesen Juventus-Auftritten auch nicht mehr verdient.

Selfmade – wo Knappen zu Rittern werden

Die Einkaufspolitik der Schalker ist eine Katastrophe. Das musste einmal gesagt werden. Nennen wir hier nur mal Sam oder Boateng, die auf Schalke nicht wirklich glücklich werden. Gleichzeitig haben die Knappen die beste Jugendausbildung der Liga, nirgendwo sprießen so viele Talente aus dem Boden wie in Gelsenkirchen. Sei es Draxler, Meyer, Sané, Ayhan oder Platte – sie alle sind bereits oder etablieren sich gerade als Säulen der Schalker Zukunft. In der Champions League gelang fast die Sensation gegen Real, gerade die Jungstars deuteten ihr Können hier an. Wenn Di Matteo sein Defensiv-Dogma etwas auflockert und seine Knappen sich ihre Sporen verdienen lässt, spielt Schalke auch weiter oben mit. Vor Augsburg, vor Gladbach und auch vor Dortmund. Für Schalke spricht die Zeit, die Erfahrungen und die Knappenschmiede. Für die ganz Großen der Liga reicht es aber noch nicht.

Untouchable

Zu den Bayern muss man nicht viel sagen. Sie haben die besten Spieler, den besten Trainer und das meiste Geld. Gerade der letzte Punkt ist der gewichtigste. Wenn Robben und Ribbery nicht mehr liefern, kauft Bayern eben neue Zugpferde. Aktuell befürchte ich, dass de Bruyne und Bellarabi früher oder später in München landen werden. So oder so, die Bayern dominieren die Liga jetzt und auch in naher Zukunft. Holt also schon mal eure Ferngläser raus, hoch oben thronen weiter die Bayern.

 

 

Zurück in die Zukunft – 4 Gründe, warum es bei Dortmund wieder läuft

6 Mrz

ZurückZukunft

Der BVB kontert überfallartig, spielt Gegner an die Wand und Jürgen Klopp darf nach Torerfolgen die Motorsäge auspacken. So weit, so 2012. Dortmund hat nach zuletzt vier Siegen in Folge unter der Woche auch im Pokal gegen Dresden schmutzig gewonnen, die Kopfkrise des Jahres 2014 scheint vergessen. Lediglich in der Champions League läuft es nicht so richtig, die BVB-Maschinerie kommt aber Woche für Woche mehr auf Touren. Und kann sogar diese Saison zu einer guten machen – mit alten Tugenden in eine bessere Zukunft. 4 Gründe für den neuen alten BVB:

Who the fuck is Lewandowski

Dortmund hat viel Geld ausgegeben, um die ballverarbeitende Tormaschine Robert Lewandowski zu ersetzen und es ist dem BVB nicht gelungen. Es war einfach der falsche Ansatz, diesen Stürmertyp auf diesem Niveau gibt es für Geld nicht zu kaufen. Klopp musste nicht seinen Stürmer ersetzen, er musste den Spielstil der Borussia umstellen. Die hohen, weiten Bälle auf Lewandowski waren für Immobile, Aubameyang und Ramos das falsche Mittel. Jetzt regieren beim BVB Schnittstellenpässe und Sprintduelle, was dem Flash-Angriff Reus-Aubameyang entgegen kommt. Dortmund hat die Lewandowski-Krise überwunden, musste sich dafür aber verändern. Und Veränderungen brauchen Zeit.

Denker und Lenker

Sahin und Gündogan warn Hirn und Schaltzentrale der größten BVB-Erfolge der letzten Jahre. Danach scheiterte Sahin bei Real Madrid und Gündogan an seinem eigenen Körper. Sahin war nach seiner Rückkehr zu Dortmund die meiste Zeit damit beschäftigt, die Reste seines ehemals großen Selbstbewusstseins aufzukehren. In der Krise war Sahin kaum eine Hilfe, zu wenig 2012 steckte in ihm, zu wenig Ego, zu wenig Wille. Mit den jetzt einsetzenden Erfolgen kehrt das Selbstverständnis zurück – und damit auch der alte Sahin. Nicht viel besser lief es für Gündogan. Der schon als Nachfolger von Xavi beim FC Barcelona ausgerufene Star hatte mit hartnäckigen Verletzungen zu kämpfen, die sein leicht wirkendes Spiel hemmten. Plötzlich war alles schwer und Mut ist das Erste, was in einer Krise verloren geht. Jetzt gewinnt Dortmund wieder, mal schön, mal schmutzig, aber sie gewinnen. Und mit jedem Sieg lockern sich die mentalen Bremsklötze weiter.

Der Star ist der Star

Dortmund galt als mannschaftlich geschlossene Truppe, die durch Einsatz, Motivation und den unbedingten Willen zum Erfolg kam. Der Star war die Mannschaft. Das ist jetzt passé, die Leistungsdichte hat sich verändert. Reus ist der unumstrittene Star, von dem eigentlich alles abhängt. Spielt er gut, gewinnt die Borussia. Ist er verletzt – nun ja. Auch ohne Hummels, Gündogan und Aubameyang geht nicht viel, sie sind die Stützpfeiler des Teams. Dafür hat das Team an Schwachstellen gewonnen, auch wenn das hart klingen mag. Roman Weidenfeller hat mit dem WM-Triumph innerlich mit Spitzenfußball abgeschlossen und muss nach der Saison dringend ersetzt werden. Kirch und Schmelzer sind keine beängstigenden Flügelläufer, Kirch war es noch nie und Schmelzer kann es momentan nicht nachweisen. Schwerwiegender ist die Permakrise von Mkhitaryan. Der Armenier sollte das Angriffsspiel des BVB bestimmen und das Tempo diktieren, momentan scheitert er an den einfachsten Dingen und hat eine Risikoaversion entwickelt, die Angela Merkel zu Ehren reichen würde. Das ist de facto alles nicht schlimm, es ist sogar normal. Teams bestehen aus guten und weniger guten Spielern, der BVB wurde lediglich ein Stück gewöhnlicher.

Der Klopp-Effekt

Klopp gilt als einer der größten Motivatoren im Fußballgeschäft. Er kann ein Team in einen Flow bringen, der es weit über die eigenen Fähigkeiten hinaus trägt. In der Krise dieser Saison wollte so recht kein Flow entstehen, der BVB dümpelte von Spiel zu Spiel. Erst jetzt stellen sich wieder Erfolge ein und der BVB setzt dazu an, einen richtigen Lauf zu entwickeln. An diesem Wochenende spielt der BVB gegen Hamburg, alles andere als ein klarer Sieg der Kloppschen Jungs würde mich überraschen. Läuft bei dir, BVB. Und es wird auch weiter laufen. Der BVB schafft mindestens die Europa League und wird in der Champions League Juventus in einem fulminanten Rückspiel ausschalten. Wenn das erreicht ist, läuft das Motivationsmonster BVB wieder zu alter Hochform auf. Und dann geht eigentlich alles.