Sturm und Zwang – Löws Offensivdilemma

30 Mrz

Torgefährlich, flexibel und immer am rechten Fleck – aber bitte kein Stürmer. Jogi Löws Abgesang auf den Stürmer nimmt der Nationalmannschaft Plan B. Ab jetzt muss Plan A eben reichen.

 

Nach dem 2:0-Sieg gegen Georgien mühten sich alle Beteiligten, den Gegner hoch- und die eigene Leistung schönzureden. Man habe das Spiel kontrolliert, in der Offensive gezaubert und überhaupt den Gastgeber an die Wand gespielt. Das entspricht teilweise der Wahrheit. Ebenso richtig ist das eher schnöde Endergebnis von 2:0 im Duell des 1. gegen den 113. der Weltrangliste. Die Offensive war dabei „spielfreudig“ und kreierte gerade in Halbzeit eins zahlreiche Chancen. Das lag einerseits an der individuellen Klasse der Offensivjuwele, andererseits an der technischen Limitiertheit der Georgier. Deutschlands Plan A – schöner, verschnörkelter Offensivzauber – ist ein guter Plan. Aber er muss nicht immer aufgehen.

Tod allen Stürmern

Nach der WM beendete der vorerst letzte deutsche Stürmer seine Karriere –  der ewige Miro Klose. Schon lange vorher bereitete Löw die Post-Stürmer-Ära vor und nominierte in der Angriffsabteilung ausschließlich Mittelfeldspieler. Gegen Georgien fanden sich auf den Zetteln der Journalisten plötzlich Max Kruse und Mario Götze als Stürmer wieder, was von der tatsächlichen Position und der Einteilung jeweils als „falsch“ angesehen werden kann. Ein gelernter Stürmer hat in Deutschlands Nationalmannschaft plötzlich keinen Platz mehr. Er wurde ausrangiert und darf bei der Nati 2.0 nur noch zuschauen. An seiner Stelle stehen quirlige, flexible Pass- und Dribbelmaschinen, die den Ball lieber ins Tor zaubern, statt ihn schnöde reinzumachen.

Plan B wie Brechstange

Die Nationalmannschaft ist Weltmeister. Sie tritt dominant auf, kontrolliert den Ball und das Geschehen und holt sich so Tore und Punkte. Geht der Plan auf, sind alle zufrieden und feiern King Jogi, den Trendsetter unter den Trainern. Geht der Plan aber mal nicht auf, wie im Spiel gegen Polen, fehlt eine Alternative. Das Kurzpassspiel versandet, die Offensivkräfte leiden an BVB-esker Torungefährlichkeit oder man hat einfach Scheiße am Fuß – was dann? Einen Systemwechsel auf Flanken und hohe, weite Bälle scheint nicht mehr möglich, das System Brechstange stirbt den Stürmertod. Ein Götze, Reus oder Özil werden in diesem Leben nicht mehr zu Kopfballmonstern und auch sonst sind Flanken auf sie eher eine Beleidigung, als ein probates Mittel. Stattdessen hat Löw eine Unzahl an Dribblern und Künstlern im Kader, die lieber in Schönheit sterben, als ein Kopfballtor zu machen.

Back to the Huf

Why not both? Löw rühmt sich, dass sein Team besonders flexibel agieren kann und vor Spielwitz nur so strotzt. Das Umstellen auf Plan B ist kein Verbrechen an Fußball-Ästheten, es könnte die Nationalmannschaft bereichern. Das Spielermaterial dafür ist vorhanden, auch wenn es im internationalen Vergleich etwas hinkt. Ein Alex Meier, ein Stefan Kießling und nicht zuletzt der wundgelegene Mario Gomez – sie alle können es hässlich. Einfach reinhufen, schmutzig abstauben oder mit dem Kopf reinwuchten. Wie man am Ende gewinnt, ist Nebensache. Und ein Systemwechsel während des Spiels zeugt doch eigentlich von Qualität. Also Schluss mit dem Sturm und Zwang. Lieber Jogi, gib den Stürmern noch eine Chance.

 

 

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