Win-zierl und die Reise nach Europa

9 Feb

Die Bundesliga startete direkt mit einer Woche der Wahrheit durch und die Ergebnisse sind bisweilen erstaunlich: Paderborn wird einen Abstieg nur schwer vermeiden können, Schalke 04 kann den Bus vor dem Tor parken und so Spiele gewinnen, Dortmund wird in dieser Saison nicht mehr unter die ersten Sechs kommen und Robben darf wieder Gegner kloppen. Weitaus unerwarteter ist dagegen der fortgesetzte Höhenflug der Augsburger. Winzierl und seine tapferen Puppenstädter sind auf dem Weg nach Europa.

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Ausgangslage

Ganz Deutschland scheint von reichen Fußballklubs beherrscht zu werden. Ganz Deutschland? Ein kleines, schwäbisches Dorf widersetzt sich den großen, reichen und schwer gerüsteten Klubs.Vom Kapital und vom Marktwert des Kaders her müsste Augsburg um den Klassenerhalt spielen. Das interessiert den Odysseus des Schwabenlandes Weinzierl aber herzlich wenig, er strebt nach dem Maximalen – Europa. Statt großer Stars hat Augsburg viele Talente und in anderen Klubs Gescheiterte. Statt Starallüren wird geackert und gekämpft. Statt dem großen Geld gibt es in Augsburg die Chance, Teil von etwas Größerem zu werden.

Läuft. Warum eigentlich?

Weil der Trainer ein Großer ist. Weinzierl macht seine Spieler besser. Er lässt ein System spielen, was die Stärken seiner vergleichsweise limitierten Truppe voll zur Geltung bringt und die Schwächen weitestgehend ausmerzt. Zudem haben Winzierl und der FCA-Manager Stefan Reuter bessere Nasen als Trüffelschweine und holen Spieler, die völlig unerwartet einschlagen. Halil Altintop schien lange über seinen Zenit hinaus – macht nichts. In Augsburg erlebet er seinen zweiten Frühling. Bobadilla ist eigentlich der Typ Schrank, der perfekt ins Wohnzimmer passen würde – unter Weinzierl ist er ein wendiger Flügelstürmer. Tobias Werner ist die Personifikation eines Zweitligastürmers – jetzt rockt er auch in Liga eins. Augsburg hat nicht die besten Spieler der Liga – sie haben das beste Team. Das zeigt auch die ellenlange Verletztenliste, die das Team locker wegsteckt.

Högschde Disziplin

Die Offensive ist nicht überragend, sondern eher Durchschnitt. Die Defensive ist nicht unbezwingbar, sondern eher solide. Zusammen sind sie aber eine Einheit, die Spiele gewinnt. Am Sonntag musste der FCA das erste Remis hinnehmen, bis dahin gab es nur Siege und Niederlagen. Das zeigt das Selbstverständnis des Teams, nie zufrieden zu sein und immer weiterzuspielen. Durch den starken Rückrundenauftakt steht Augsburg momentan auf Platz 4 – was die Champions League bedeuten würde. Man stelle sich das nur mal vor: Real Madrid – FC Augsburg – wie schön können Fußballmärchen eigentlich sein.

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Prognose: FC International

Gerade herrscht in Augsburg Euphorie, es läuft auf und nebem dem Platz. Der FCA wird so noch einige Punkte sammeln, gegen die großen Konkurrenten aus Leverkusen und Gelsenkirchen kann sich Augsburg aber nicht halten. Am Ende fehlt nicht viel, aber die Champions League ist noch eine Nummer zu groß. Trösten können sich die Fuggerstädter mit dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte – Rang 6 und der Europa League. Hoffenheim und Hannover sind zu unkonstant und der BVB hat einen zu großen Rückstand. Weinzierl ist ausgefuchst genug, sich vom aktuellen Erfolg nicht täuschen zu lassen und weiter solide und akribisch zu arbeiten. Die Puppenspiele werden ab nächster Saison international.

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3 Antworten to “Win-zierl und die Reise nach Europa”

  1. Kai Februar 9, 2015 um 9:48 pm #

    Was Augsburg da diese Saison abliefert ist schon echt bemerkenswert. Mit verhältnismäßig wenig Mitteln so was auf die Beine zu stellen – Hut ab! Weinzierl und Reuters machen da echt einen klasse Job.

    Toller Artikel übrigens 🙂

    Gruß Kai

Trackbacks/Pingbacks

  1. Win-zierl und die Reise nach Europa | re: Fußball - Februar 9, 2015

    […] Quelle: http://expertenamball.com/2015/02/09/win-zierl-und-die-reise-nach-europa/ […]

  2. Rahman Baba - ein Augsburger Juwel - Februar 11, 2015

    […] 2019 laufenden Vertrag herauskaufen wird. Der FCA wird irgendwann eine Nummer zu klein sein – und eine mögliche Teilnahme am Europapokal nur ein weiteres Schaufenster, in dem sich ihr Juwel für größere Aufgaben präsentieren […]

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