Ein Neuer-Jahr – die Elf der Hinrunde

11 Jan
Neuerjahr

Elf Neuer müsst ihr sein.

Die Winterpause ist vorüber, zumindest für den Experten-Blog. Als Start ins neue Jahr gibt es die elf Spieler, die sich in der Hinrunde durch weltmeisterliche Taten, traumwandlerische Fehlschüsse und märchenhafte Alptraumleistungen hervorgehoben haben. Präsentiert in der Elf der Hinrunde, die vielleicht gar keine Elf ist, sondern Manuel Neuer.

Manuel Neuer

Der Bayern-Keeper wurde im vergangenen Jahr von einem Weltklassekeeper zu einer Ikone – auf und neben dem Platz. Die deutsche Nationalelf faustete er zum WM-Triumph, bei den Bayern ließ sein Name alleine die gegnerischen Stürmer reihenweise versagen und sein Werbespot für Cola erreichte Kultstatus. Manuel Neuer hat im letzten Jahr mehr richtig gemacht, als eigentlich möglich sein sollte. Als Krönung könnte er zum Weltfußballer ernannt werden, vor Gockel Ronaldo und Diva Messi. Welttorhüter ist er nebenbei ja schon geworden. Vielleicht war es gar nicht das Jahr 2014, sondern das Jahr von Manuel Neuer.

Roman Weidenfeller

Weltmeister! Damit ist alles gesagt, was in der laufenden Saison gut gelaufen ist für den Dortmunder. Danach folgte der Absturz aus dem siebten Fußballhimmel in die Hölle des Abstiegskampfes. Dabei traten einige Begleiterscheinungen auf: Selbstzweifel, reihenweise Patzer, Gegentore, keine Punkte, kein Spaß und mehr Pech, als der BVB Spieler hat. Zu allem Überfluss verlor Weidenfeller seinen Stammplatz an Langerak, der sich aber auch nicht gerade mit Ruhm bekleckerte. Das Jahr 2014 von Weidenfeller als „gebraucht“ zu bezeichnen, würde sich nicht mal der dreisteste Ebay-Händler trauen. Funktioniert hat dabei nämlich eigentlich gar nichts.

Der Blitz-Senkrechtstarter

Karim Bellarabi

Von 0 auf geil in zwei Monaten. Karim Bellarabi ist die Überraschung der Hinrunde. Beim Absteiger Braunschweig war er meistens nur Joker, beim Champions League-Teilnehmer Leverkusen ist er plötzlich der beste Mann auf dem Platz. Trickreich, unfassbar schnell und dermaßen frech, dass ihm im TV öfter die stille Ecke gedroht hätte. Bellarabi gehört zu den Spielern, für die Fans Eintrittsgeld bezahlen. Ordentlich fummeln, Gegner nass machen und Spielen um des Spielens willen. Wenn der Neu-Nationalspieler in die Nähe des Balles kommt, fangen seine Augen vor lauter Spielfreude an zu leuchten. Und die von 50.000 Fans leuchten mit.

Arjen Robben

Der Glasmensch wird zum Übermensch. Vor einigen Jahren laborierte Robben an mehr Verletzungen, als er Spiele machte. In dieser Saison ist Robben der König der Außenbahn, der sich auch von seinem eigenen Körper nicht stoppen lässt.  Bis auf eine gewisse Fallsucht, die weiter in Holland zu grassieren scheint. Wenn der Holländer antritt, gleicht das einer sofortigen Wettbewerbsverzerrung. Wenn er einen Haken schlägt, bekommen Verteidiger reihenweise Schleudertrauma. Und wenn er den klassischen Robben macht, in die Mitte zieht und den Ball reinnagelt, tja, dann applaudiert man einfach. Viel besser als in dieser Saison geht es nicht. Das einzige Problem daran, ist die Vereinszugehörigkeit Robbens. Die sowieso schon übermächtigen Bayern spielen mit einem Robben in der Form seines Lebens in einer ganz anderen Liga.

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Shinji Kagawa

Shinji und die Suche nach dem Glück. Der Kagawa-Transfer wurde märchenhaft inszeniert und schien mit einem Shinji-Treffer im ersten Spiel zu einer wirklich schönen Geschichte mit Happy End zu werden. Aber dann passierte das, was mit Disney-Geschichten auch passiert, wenn die letzte Kamera abgedreht ist. Der Alltag setzt ein und zeigt seine hässliche Fratze. Kagawa kam mit dem Tempo der Borussia nicht mehr mit und war eher Mitläufer als Gestalter. Zudem kamen kleine Verletzungen, die den Japaner merklich ausbremsten. Der Transfer für die Fan-Seele konnte bisher nicht an alte Leistungen anknüpfen. Ob er es überhaupt noch kann, wird die Schicksalsrückrunde der Borussia maßgeblich beeinflussen.

Reise ins Niemandsland

Lewis Holtby

Lewis Holtby schien ein Mann für die ganz großen Aufgaben zu sein. Von Mainz ging es zu Schalke und dann für elf Millionen zu Tottenham Hotspur. England, die große, weite Fußballwelt – Holtby – ein Star, der groß rauskommen wird, da war man sich in Fußball-Deutschland sicher. Und jetzt der HSV. Die einstige DFB-Nachwuchshoffnung hilft beim Verfall einer der größten Marken im deutschen Fußball kräftig mit. In Hamburg wird gestolpert, in Hamburg wird gestümpert und Holtby ist mit dabei. Der Offensivspieler wirkt im HSV-Gebilde seltsam leblos und kann sich nicht gegen den altersschwachen van der Vaart durchsetzen. Bisher gelang Holtby in allen Wettbewerben zusammen kein einziges Tor, für einen Mann mit so viel Potential ist das ein Armutszeugnis. Gut, mag man meinen, der HSV hat ja auch nicht mehr geschossen, aber an Holtby hatte ich größere Erwartungen, als an die sinkende HSV-Kogge.

Kevin de Bruyne

Und plötzlich Weltklasse. Kevin de Bruyne ist in dieser Saison förmlich explodiert. Kein Wolfsburger schießt öfter aufs Tor und kein Spieler in der Bundesliga generiert mehr Chancen als der Belgier. In London wird man sich in den Hintern beißen, dass man diesen Mann hat gehen lassen. Der Kevin mit dem Bübchengesicht hat es nämlich faustdick hinter den Ohren. De Bruyne kann Spielmacher, de Bruyne kann es auf der Außenbahn, de Bruyne kann es vor dem Tor. Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Großen der Branche anklopfen. Vielleicht bleibt de Bruyne aber noch ein Jahr, schließlich ballert er Wolfsburg mit Sicherheit in die Champions League. Spätestens dann wird man den Rotschopf nicht mehr unterschätzen.

Marco Reus

Ach Marco, was für ein Seuchenjahr. Ich weiß nicht, was du privat alles falsch machst, es hat aber für sehr viel schlechtes Karma gereicht. In der letzten Saison warst du der beste Spieler der Liga, dann verletzt du dich vor der Weltmeisterschaft und verpasst die größte Chance deiner Karriere. Die Saison geht los und du verletzt dich. Dortmund verliert ohne ihren größten Star völlig den Faden, mit deiner Rückkehr wird es etwas besser. Aber Karma is a bitch und du gehst schon wieder kaputt und der Verein mit dir. Dem Scherbenhaufen der Borussia-Hinrunde setzt du mit deiner Vollgas-führerscheinlos-Nummer schließlich die zerbrochene Krone auf. Aber eine gute Nachricht gab es dann doch noch für dich: Auch das Jahr 2014 hat ein Ende. Willkommen in der Zukunft.

Endlich angekommen

Julian Schieber

Mein lieber Schieber, das hat dir keiner zugetraut. Vom Chancentod der Nation zum besten Stürmer der Hertha, vor einem gewissen Salomon Kalou, der nicht gerade als Anfänger verschrien ist. Der Dortmunder Pressingfußball und das Aufopfern für das Team liegt nicht jedem Stürmer, gerade der Vergleich mit Lewandowski war verdammt unfair. Der Pole war der perfekte Stürmer für das Klopp-System, du dagegen bist ein Strafraumstürmer. Und der braucht Bälle und Flanken, um zum Erfolg zu kommen. In Berlin hat man das erkannt und dich aus dem schwarz-gelben Missverständnis befreit. Jetzt sieht man auch den Grund, warum Schieber überhaupt nach Dortmund gegangen ist: Weil er als Mittelstürmer Tore macht.

Ciro Immobile

Der Strafraumstürmer Schieber wurde beim BVB nicht glücklich. Der Strafraumstürmer Immobile bisher auch nicht. Der Vergleich hinkt etwas, schließlich hat Immobile eine unbestreitbare Klasse. Vom Spielertyp her sind sich die beiden aber nicht so unähnlich und genau da liegt das Problem. Spieler und System sind (noch) nicht kompatibel. Der BVB braucht eine Ball-halte-und-verteil-Maschine wie Lewandowski, die gleichzeitig vorne die Buden macht und unermüdlich Verteidiger anrennt. Immobile versucht das zwar, ist aber eigentlich im Strafraum stärker. Die Krise des BVB ist auch eine Sturmkrise. Immerhin weiß man seit Trappatoni, dass „der Trainer isse keine Idiot“. Klopp wird das Schiff also schon schaukeln. Welche Rolle Immobile dabei spielt, ist nach dieser Hinrunde aber mehr als fraglich.

Kevin Prince Boateng

Boah wer? Unter Roberto di Matteo war Schalke 04 erstaunlich krisenfrei. Die Knappen liegen trotz allen Verletzungspechs auf Champions-League-Kurs und sind ebendort im Achtelfinale. Daran hat Boateng aber nur einen kleinen Anteil. Der etatmäßige Star der Mannschaft konnte sich in der Hinrunde nur bedingt beweisen, an seiner Stelle überzeugten Meyer oder Draxler deutlich mehr. Vom Anspruch her muss der Prince aber mehr liefern, schließlich steht er sonst im Schatten seines schwindelerregend erfolgreichen Bruders Jerome „the Wall“ Boateng. Und dann wird der Bruder auch noch zum bestgekleidetsten Mann 2014 gewählt und man selbst bereut Tag für Tag, nicht doch für Deutschland gespielt zu haben. Gut, dass jetzt ein Neuer-Jahr beginnt und der Prince allen beweisen kann, wer der stärkere Boateng ist.

 

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