Die Elf des Spieltages – Schlimmer geht immer

19 Okt

Felix Kroos

Stell dir vor, du bist Tabellenletzter und spielst gegen die großen Bayern. An sich ist das keine so schlechte Situation, schließlich rechnet jeder mit einer Watschn, enttäuschen kann eigentlich nur der große Favorit. Aber Bremen hat an diesem Wochenende eines bewiesen: Schlimmer geht immer. Mit der schlechtesten Leistung aller Zeiten haben sich die Bremer in die Geschichtsbücher dieser Welt eingetragen. In 90 Minuten haben die Werderaner nicht einen einzigen Torschuss zustande gebracht. 0, in Worten null, nada, nichts, einfach unfassbar. Kein Fernschuss, kein Freistoß, nicht einmal eine verunglückte Flanke. Bremen ist noch harmloser als ein Katzenbaby und offensiv noch schlechter ausgestattet als die Bundeswehr. Kroos zwei zeigte dabei, warum er beim Tabellenletzten und nicht bei Real Madrid spielt. Insgesamt nur 15 Ballkontakte als Sechser und Taktgeber seines Teams, dabei aber mehrere Fehlpässe. Eine völlig krooslose Vorstellung.

Xabi Alonso

Das Leben ist nicht fair. Xabi Alonso ist ein brillianter Fußballer, unverschämt hübsch, steinreich und hat eine bildschöne Freundin. Zu allem Überfluss ist er auch noch ein ausgekochtes Schlitzohr, das sich im Spiel beherrschen muss, vor lauter Freude über die eigene Geilheit nicht laut loszulachen. Gegen Bremen ließ er Alaba und Müller bei einem Freistoß auf die Mauer zustolpern und schob dann den Ball unter der Mauer durch ins Netz. Nebenbei hatte der Spanier bis zu seiner Auswechslung 124 Ballkontakte und erstickte jegliche Bremer Hoffnung im Keim. Hier ein kurzes Lehrvideo zum Thema „wie trete ich einen Gegner, der bereits wehrlos am Boden liegt, ohne mich dabei anzustrengen“ – vom Instant-Überbayer Alonso.

Philipp Lahm

Wenn Philipp Lahm langweilig ist, fängt er im Spiel an, die Linie rauf und runter zu rennen. Wenn ihn wirklich keiner daran hindert und seine Füße einzuschlafen drohen, schießt der Weltmeister auch mal ein Tor. Was aber alles schief laufen muss, dass der Bayern-Kapitän doppelt trifft, würde hier den Rahmen sprengen. Nur so viel: Der notorische Teamplayer und Torabschlussverweigerer Lahm wurde von Bremens Hintermannschaft demütigst dazu eingeladen, einen kleinen Spaziergang durch den Strafraum zu machen. Die Grün-Weißen traten dabei in einen längeren Streik als die vermaledeiten Bahn-Lokführer und hielten diesen auch noch ausdauernder durch. Vielleicht haben die Bayern aus Fairnessgründen auch Lahm in den Sturm gestellt. Sonst wäre das Ergebnis locker zweistellig geworden.

Brotlose Kunst

Heung Min Son

Genie und Wahnsinn liegen manchmal sehr eng beisammen. Gegen Stuttgart zeigte sich Son zuerst von seiner schokoladigsten Seite. Der Koreaner wemste einen Volley ins Lattendreieck und vollendete eine Solo bravourös – zwei Tore und eine bärenstarke Leistung bis zur Halbzeit. Danach war Son wie ausgewechselt. Er verlor fast jeden Zweikampf, zeigte ebenso viel Einsatz wie die Bundesregierung im Umgang mit der NSA und verteidigte noch pomadiger als die Frisur von Tim Wiese. Bei zwei Stuttgarter Toren gab Son den Begleitschutz und ermöglichte so eine denkwürdige Punkteteilung. Rassiges Offensiv-Spektakel gegen ideenlose Schwaben – ein ganz klares Unentschieden.

Karim Bellarabi

Das Verspielen von 3:0-Führungen scheint Leverkusens neues Markenzeichen zu werden. Eines der Tore machte der Neu-Nationalspieler Bellarabi und die Art und Weise des Tores bestätigte Löw und all die anderen Bundestrainer des Landes. Der Wusler vernaschte gleich sechs Stuttgarter mit feinen Tricks und schob anschließend den Ball ins Netz – kann man mal so machen. So viel Talent und Spielwitz hatte vor einigen Jahren nicht einmal die komplette deutsche Nationalmannschaft, jetzt kann man sich wöchentlich auf dieses Angriffsjuwel freuen. Dieser Mann ist die Entdeckung dieser Spielzeit und man braucht nur wenig Vorstellungskraft, um sich seine weitere Zukunft auszumalen. Mal einen Tipp: Lederhosen sind mitinbegriffen.

Martin Harnik

Fack-Ju-Leverkusen. Dass das Spiel trotz dieser eindrucksvollen Machtdemonstration unentschieden endete, lag an den Kampfschweinen aus Stuttgart. Spielerisch war zwischen beiden Teams ein Klassenunterschied, kämpferisch legten die Schwaben dafür einiges in die Waagschale. Mit  unbändigem Willen rannten Harnik und Co. an und pushten sich selbst zu drei Toren. Harniks Treffer war ein Sinnbild dieser Energieleistung. Eine räudige Flanke wuchtete der Stuttgarter mit dem Kopf derart in die Maschen, als würde er im Training Backsteine per Kopfstoß zerbrechen und Türen per Kopfnuß öffnen. Aber Punkt ist Punkt, auch wenn er räudig und unverdient war. Und irgendwie sind solche Geschichten auch immer die Schönsten. Schnüff.

Gekommen um zu reifen

Jonas Hofmann

Für einen Moment war alles perfekt, im nächsten aber schon wieder kaputt. Gegen Augsburg glänzte die Dortmund-Leihgabe mit einer bravourösen Leistung und einem frechen Tor und schien endlich angekommen. Vorbei die Zeit als ewiger Joker, vorbei die Zeit als ewiges Talent. Mainz schien der perfekte Ort zu sein, um Hofmann zu einem Star reifen zu lassen. Dann folgte die 58. Minute und das Hofmann-Märchen bekam einen Kratzer. Der Youngster verletzte sich am Knie und muss nun einige Zeit pausieren. Wir hoffen auf eine baldige Genesung und ein Happy-End des Hofmann-Märchens.

Marvin Ducksch

Das Leih-Modell scheint beim BVB für alle Beteiligten eine Win-win-Situation zu sein. Stürmernachwuchs Ducksch bekommt bei Paderborn die dringend benötigte Spielpraxis und empfahl sich mit einem 20-Meter-Hammer für höhere Aufgaben. Der Angreifer half dabei, den Höhenflug der Nordrhein-Westfalen fortzusetzen. So langsam aber sicher muss ich meine Klassifizierung der Paderborner als sichere Absteiger überdenken, Ducksch, Stoppelkamp und Co. beeindrucken mit forschen Auftritten und keinerlei Respekt vor den Gegnern. Dazu kommen immer wieder Traumtore, die man dem Underdog gar nicht zutraut. Es bleibt zu hoffen, dass der Paderborner Traum noch nicht ausgeträumt ist.

Unverhofft trifft oft

Roman Weidenfeller

Weidenfeller führte gegen Kölle den Neuer des Tages vor und zeigte die Grenzen seiner eigenen Herrlichkeit deutlich auf. Das Herauslaufen und offensive Torwartspiel ist nicht so seine Sache, was den BVB einen Punkt kostete und die Kölner Fans in pure Ekstase versetzte. Die Dortmunder Krise lässt sich mit Monsterpatzern natürlich nicht beenden, der Vizemeister krebst im Tabellenkeller herum und sieht von Woche zu Woche verzweifelter aus. Warum das so ist, weiß eigentlich kein Mensch. Wie Weidenfeller so einen Ball verfehlen kann, allerdings auch nicht. Die Legende Klopp bekommt so erste Risse.

Simon Zoller

Auch der andere Aufsteiger will sich partout nicht in die Kellerregion abschieben lassen. Und wenn man dazu Dortmund schlagen muss, dann machen die bisher offensiv völlig harmlosen Kölner eben auch das. Gegen das potentielle Spitzenteam hielten die Domstädter gut dagegen und hatten im bis dato glücklosen Simon Zoller den Matchwinner auf ihrer Seite. Eine harmlose Flanke erreichte mit freundlicher Unterstützung der BVB-Abwehr völlig unverhofft Zoller, der sein Glück gar nicht fassen konnte und einfach mit Ball ins Tor lief. Wenn das mit dem Schießen nicht klappt, tragen wir den Ball eben ins Tor.

Jairo Samperio

Zum Schluss etwas fürs Auge. Jairo ließ gegen Augsburg einen Hauch von Magie durchs Stadion wehen, als er einen Ball in feinster Zidane-Manier mitnahm und mit einer weiteren Berührung im Netz unterbringen konnte. Wo solche Tricks herkommen, gibt es noch viel mehr. Also vertrauen wir auf den Spanier und freuen uns auf die nächsten Wochen mit ihm und Mainz. Denn wer geile Tore macht, hat am Ende immer Recht.

 

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