Déjà-Mou – Warum Chelsea Meister wird

10 Okt

Nostradamou

In der ersten Amtszeit unter José Mourinho holte der FC Chelsea prompt den Titel in der Premier League – nach fast 50 titellosen Jahren. Zehn Jahre später stehen die Blues erneut unangefochten an der Spitze der Liga, Mou machts erneut möglich.

Was macht die Blues in dieser Saison so stark? Ist es die Magie des Antihelden Mourinho? Das viele Geld? Die unerschütterliche Defensive oder die unfassbar guten Transfers? Von allem ein bisschen, die Mischung ist entscheidend. Und die ist in diesem Jahr explosiv und titelbringend.

Geld macht glücklich – vom „Special One“ zum „Happy One“

Mourinho entspricht nicht dem Bild des sympathischen Startrainers á la Guardiola, er ist das komplette Gegenteil: Ungeduldig, rotzfrech und dreist. Mou ist der Profi unter den Trainern, ein Mann, für den Erfolg über allem steht und den persönliche Befindlichkeiten nur stören. Keiner hat mehr Feinde als Mourinho. Es gibt aber keinen, der noch erfolgreicher ist. Der 51-Jährige Trainer hatte schon in Madrid alle Möglichkeiten und viele teure Spielzeuge zur Verfügung. Vor dieser Saison durfte Mou aber endlich nach Gutdünken shoppen gehen, ohne Rücksicht auf Marketingmöglichkeiten – Abramowitsch sei Dank. Der Oligarch hat mittlerweile circa eine Milliarde Euro in den Club gesteckt und ist weiterhin gewillt, sein teures Spielzeug zu unterstützen. Wollte er nur ins Blaue investieren oder ist Blau die Farbe des Geldes? Mourinho wird es egal sein, so konnte er sich seine Traumelf zusammenbasteln.

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Die toreschießende Wollmilchsau

Viele Vereine haben in dieser Saison aberwitzige Summen in neue Spieler investiert, der Transfergewinner heißt dabei ohne Zweifel Chelsea London. Mit einer „aus drei mach eins“-Aktion machte Mourinho aus den drei halbeffektiven Stürmern Ba, Torres und Eto’o einen kompletten Stürmer: Diego Costa. Der Spanier kann eigentlich alles. Er ist so robust wie ein Stück Beton, schnell wie ein ein erwischter Ladendieb und torgefährlicher als ein Torres es je sein könnte. Zudem bringt er ein ähnlich gutes Kopfballspiel wie Drogba mit und kämpft auch noch bis zum Umfallen. Immerhin hat Gott hier einen Ausgleich geschafften und lässt Costa seinen Fähigkeiten entsprechend altern.

Auch die anderen Transfers schlagen nicht einfach nur ein, sie prägen das Spiel der Blues von Anfang an. Cesc Fabregas bereitete in den ersten sieben Ligapartien sieben Treffer vor, einfach weil er es kann. Seine langen Bälle schüttelt er lockerer aus dem Fußgelenk als der durchschnittliche Zauberer Asse aus dem Ärmel. Gegen Arsenal butterte er eine Flanke zielgenau in den Lauf des unaufhaltsamen Bulldozers Costa, ein Sinnbild für das neue Chelsea. Schnell, schön und gefährlich – Chelsea hat den Blues in der Offensive.

Erschwerend hinzu kommt die beste Defensive der Liga. Schon in der letzten Saison kassierte Chelsea mit Abstand die wenigsten Gegentreffer, jetzt haben die Blues einen kommenden Weltstar im Tor. Thibaut Courtois setzte sich im Konkurrenzkampf mit der Torwartlegende Petr Čech durch und könnte Manuel Neuer in naher Zukunft vom Welttorwarts-Thron verdrängen. In der Verteidigung liegt aber trotzdem die einzige Schwäche der Blues. Terry, Ivanovic und Co. haben immer noch ein bestechendes Raumgefühl und beherrschen den Luftraum wie die Allierten im zweiten Weltkrieg, aufgrund ihres Alters fehlt es ihnen aber zunehmend an Geschwindigkeit. Das machen die Blues durch den Mourinho-Faktor aber wieder wett.

Master of mindgames

Mourinho liebt es, vor, während oder nach dem Spiel zu pöbeln, den Gegner in Rage zu bringen und kopflos werden zu lassen. Er will Emotionen erzeugen, er will Einfluss auf das Spiel nehmen, er will dem Gegners seinen Willen aufzwingen. Der Portugiese ahnt oft bereits vor seinem Gegner, wie dieser spielen wird, was ihn gewissermaßen zum Nostradamou des Fußballs macht. Er kann seine Elf an nahezu jedes Team anpassen und hat oft die passende Taktik parat. Chelsea kann unter Mou den Betonmischer anstellen und auf Konter lauern. Genauso können die Blues das Spiel machen und den Gegner an die Wand spielen. Als Zusatzoption hat Mourinho noch einen Joker in der Hinterhand: den Schürrle-Effekt. Kein Team hat effektivere Einwechselspieler als Chelsea, vielleicht ist Schürrle dabei der Beste von allen. Durch seinen Speed und seine Spielweise bringt er alles für den späten K.O. mit. Wenn nichts geht, kommt eben die Bank. Wohl dem, der Weltmeister auf die Bank setzen kann – und damit auch noch Recht hat. Mourinho kann Leute verrückt machen und selbst den besonnensten Gegner die Contenance verlieren lassen, wie zum Beispiel den eigentlich temperament- und emotionslosen Arsene Wenger. Mourinho – der Giftige.

Die Offensive ist gut, die Defensive ist stark, der Trainer kann in entscheidenden Situationen den Unterschied machen und trotzdem ist es etwas anderes, was diese Mannschaft so brandgefährlich macht. Es ist wie ein Puzzle, das nach Jahren endlich fertiggestellt wurde, einfach perfekt. Stars wie Hazard und Costa rackern bis zum Umfallen, der erste Stürmer ist immer auch der erste Verteidiger der Blues. Kommt es darauf an, gibt es kein Halten, keine Pause und erst Recht keine Gnade. Die Mischung vieler, sicherlich nicht egoloser Charaktere funktioniert. Wie 2004 ist es Mourinho gelungen, eine Truppe zusammenzuführen, die sich einfach ergänzt. Damals sorgte die Offensive mit Robben, Cole und Drogba für die Tore, Lampard zog im Mittelfeld die Fäden und hinten hielt die Neuverpflichtung Cech den Laden zusammen. Heute sind die Helden andere, vorne sorgen Costa, Hazard und Oscar für die Tore, Fabregas zieht die Fäden und Courtois macht hinten dicht. Diese Spielzeit ist wie ein Film, den man schon einmal gesehen hat. Alles kommt einem bekannt vor, dennoch freut man sich auf den Rest des Films. Und wir freuen uns auf die restliche Saison – trotz Déjà-Mou.

 

 

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