Die Elf des Spieltages – Robbandowski und die Rückkehr des Fernglases

6 Okt

Robbandowski

Robert Lewandowski

Verteidiger dieser Welt, fürchtet euch! Robbandowski ist geboren und wird euch in Zukunft noch häufiger vernaschen. Und demütigen. Und bloßstellen. Und… An dieser Stelle sollten wir lieber die Hannoveraner fragen, was sonst noch alles passieren kann. Lewandowski und Robben harmonierten am Samstag besser als Yin und Yang und ließen sogar Gnade walten, jeweils nur zwei Tore zu schießen. Ihr Tempo – Wahnsinn. Ihre Kombinationen – traumhaft. Ihre Ballsicherheit – einfach unfair. Der Pole trug seinen Teil dazu bei und pflückte Bälle vom Himmel, als gäbe es diese Gravitation gar nicht. Zudem zeigte er sich endlich auch im Bayerndress torgefährlich und gewann zwei 1-gegen-1-Situationen mit dem armen Zieler. Wobei, neuerdings muss es ja 2-gegen-1 heißen. Robbandowski fängt gerade erst an.

Arjen Robben

Er läuft mit kleinen Trippelschritten auf dich zu, legt sich den Ball zurecht, lächelt kurz, täuscht links an und zieht rechts an dir vorbei. Dieser Verteidiger-Alptraum wird Woche für Woche Realität, nur um die armen Verteidiger in den Nächten danach wieder heimzusuchen. Die bemitleidenswerten Brückner, Albornoz und wie sie alle heißen, sehen gegen Arjen Robben in Galaform überhaupt kein Land und muten dabei an wie Kreisklasse-Verteidiger. Und zwar die, die für das Bierholen zuständig sind. Der Holländer macht was er will und momentan möchte er Tore schießen und Verteidiger demütigen. Das war auch in den vergangenen Jahren schon so, gegen Hannover wurde es dank Robbandowski noch schlimmer. Robben harmoniert perfekt mit Lewandowski, dabei war das Wortpaar Harmonie und Robben eigentlich eine Antithese. Aber in dieser Saison sieht es schlecht aus für die Konkurrenz. Da bleibt wohl nur der altbekannte Griff ans Fernglas, um die Überbayern an der Tabellenspitze noch zu erspähen. Auch wenn es weh tut, hier die momentanen Entfernungen der Verfolger: Leverkusen fünf, Schalke neun, Dortmund zehn. Moment, stand da gerade Schalke?

Bernd Leno

Leno machte gegen Paderborn einen klassischen Neuer. Das ist ein Torwart-Patzer, der durch eine offensive Interpretation der Torwartposition entsteht und fast immer ein Gegentor zur Folge hat. Der Fehler was so klassisch, dass er beim realen Neuer bereits ausgestorben ist. Macht aber nichts, Nacheiferer gibt es schließlich immer. Und der gute Bernd Leno, einer der potentiellen Thronfolger auf den Posten des Nationalkeepers, machte als klassischer Neuer eine gute Figur, Koc bedankte sich mit dem 1:0. Bis sich ein Neuer zum Neo-Neuer entwickelt, dauert es etwas zwei Jahre. Wir dürfen uns also weiter auf etwas Klassik in der Bundesliga freuen.

Cool wie Kalou

Salomon Kalou

Der Ivorer machte gegen Stuttgart endlich das, was er am besten kann: Tore schießen. Eiskalt. Mit einem Lächeln im Gesicht – innerlich, versteht sich. Ein Kalou zeigt keine Freude, er erledigt nur seinen Job. Der Postbote feiert ja auch nicht, wenn er die Post abliefert. Kalou verwandelte lässig einen Elfmeter zum Ausgleich und zeigte in der zweiten Hälfte ein Riesensolo, welches er mit einem feinen Trick erfolgreich zum 2:1 abschloss. Der Doppelpacker hat die Hertha vorerst unten rausgeschossen und könnte, wenn es gut läuft, sogar Julian Schieber Konkurrenz machen. Ach, mein Fehler, Schieber war ja nur in einem Paralleluniversum ein Top-Stürmer. Aber es hätte zumindest sein können, Kalou hätte sich über einen Gegner im eigenen Team sicherlich gefreut – mit einem kalten Lächeln. Innerlich, versteht sich.

Antonio Rüdiger

Rüdiger hat mit seiner Leistung gegen die Hertha ein Entwerbungsvideo für die Nationalmannschaft abgegeben. Der Verteidiger verlor vorne Bälle, stümperte sich in Zweikämpfe und schien mit der Gesamtsituation unzufrieden zu sein. Macht nichts, lieber Rüdiger. Der Jogi wird dein Flehen erhören und wieder andere für die doofen Länderspiele nominieren. Dann hast du wieder mehr Freizeit, für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Zum Beispiel Nationalmannschaft vor dem Fernseher schauen.

Gelernt ist eben gelernt

Sandro Wagner

Die ehemalige DFB-Sturmhoffnung Wagner zeigte gegen Stuttgart, dass er es noch nicht verlernt hat. Einen guten Leitner-Freistoß wuchtete der Ex-Bayer platziert ins kurze Eck, Keeper Kraft konnte dem Ball nur hilflos hinterherschauen. Gut freigelaufen, passendes Timing, starker Kopfball und fertig ist das Eigentor. Danach feierten alle Stuttgarter und machten sich auf, an der sicheren Niederlage doch noch zu rütteln. Nur Wagner, der freute sich nicht. Ihm hat der Zeugwart wohl das falsche Trikot gegeben, blöde Sache.

Moritz Stoppelkamp

Wir befinden uns im Jahre 2 nach Heynckes. Ganz Fußballdeutschland ist von  Großklubs besetzt… Ganz Fußballdeutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Paderbornern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die Groß-Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern Dortmund, München, Leverkusen und Gelsenkirchen liegen… Auch an diesem Wochenende brachten die gallischen Aufsteiger einen Favoriten zum Wanken, nur dank Bellarabi rettete Leverkusen einen Punkt. Stoppelkamp war erneut auffälligster Akteur der frechen Paderborner. Ein Fernschuss aus gut 40 Metern und ein tolles Solo zur 2:1 Führung machten auch dem letzten Zweifler unter den Großklubs klar: Der Widerstand lebt. Und er hat nicht vor, freiwillig wieder zu gehen.

Karim Bellarabi

Von der zweiten Liga bis ins Nationalteam in nur sechs Wochen – was sich nach Mens Health Titelgeschichte anhört, funktioniert tatsächlich in der Realität. Bellarabi hat auf der Karriereleiter einfach mal zehn Stufen übersprungen und wurde von Uns-Jogi in die Weltmeisterelf berufen. Letzte Saison stieg Bellarabi noch mit Braunschweig ab und sollte wieder von Leverkusen verliehen werden. Neu-Trainer Roger Schmidt hat die Zaubermaus aber lieber dabehalten, was sich als beste Entscheidung dieser frühen Saison herausstellen sollte. Bellarabi trickst, Bellarabi tanzt, Bellarabi macht mit seinen Gegnern was er will. Einen Flügelstürmer dieses Formats haben wir in Deutschland sonst nur bei den Bayern gesehen, jetzt zaubert plötzlich ein 1-gegen-1-Künstler für die Werkself. In dieser Form könnte er sogar Calli auf dem Weg zum Buffet abhängen. Solche Leute braucht das Land.

Der Abnicker

Alexander Meier

Mensch Meier, werden sich die Kölner Anhänger am Samstagabend gedacht haben. Da trifft der eigene Klub endlich mal und trotzdem gibt es nichts zu holen. Zu verdanken haben sie das dem Schädel von Alex Meier aka „der Abnicker“. Zwei maßgenaue Flanken von Seferovic hrubeschte Meier derart in den Kasten, dass sich Horn vor lauter Schreck das dritte Tor selbst reinlegte. Zum Training geht Meier wahrscheinlich regelmäßig in den Supermarkt und köpft dabei alles in seinen Wagen, anders ist diese beängstigende Präzision nicht zu erklären. Der HSV soll nach dem Spiel bei Meier angefragt haben. Sie wüssten gerne, wo dieses ominöse Tor eigentlich steht.

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Haris Seferovic

Der Schweizer hatte gegen Köln zwei Kaka-Anfälle und schnibbelte zwei Sahneflanken auf den Kopf von Alex Meier – mit bekanntem Ausgang. Eine davon hob er per Außenriss so feinfühlig auf Meier, dass viele Frauen im Stadion aus Empathiegründen in Tränen ausbrachen. Und sich danach ein Seferovic-Shirt kauften, um damit ihren Männern vorzuhalten, warum er nicht auch so viel Gefühl haben könne. Die Effzeh-Spieler schienen ähnlich ergriffen von der Fußgelenkästhetik von Seferovic, sie schauten nach dem Spiel jedenfalls sehr traurig drein.

Nicolai Müller

Gegen Dortmund zeigte Müller, nein, nicht der Thomas, der Nicolai, endlich wieder, dass er einer der besten Spieler der Liga sein kann. Und das, obwohl er beim HSV spielt! Bei den Hanseaten, oder wie man gemeinhin sagt, der Friedhof aufstrebender Jungstars, verbrannten sie zuletzt mehr Talente als die Bayern Häuser. Aber das hat jetzt ein Ende. Mit dem Sieg gegen den BVB melden sich die Hamburger zurück in der Ligaspitze! Der Rest der Bundesliga soll seine Wahrnehmungsstörung bitte untersuchen lassen, Platz 17 könne ja wohl kaum der Wahrheit entsprechen. Europa League ist drin, falls Müller nach dieser Saison wieder wechselt.

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