Elf des Spieltages – der Herr der Bälle

28 Sep

Xabi Alonso

Der Mann erobert einen Ball. Der Mann spielt den Ball weiter. Der Mann lächelt. Auf dem Platz läuft es für Xabi Alonso besser  als es eigentlich laufen dürfte. Der Spanier wurde kurzfristig nach München geholt und konnte nicht eine Minute der Vorbereitung mitspielen. Trotzdem ist er schon jetzt der unumstrittene Anführer, der Souverän auf dem Platz. King Xabi, der Herr der Bälle. Gegen Köln hatte er unfassbare 206 Ballkontakte, also war er alle 26 Sekunden am Ball. Das ist ungefähr so oft, wie der durchschnittliche Mann an Sex denkt. Nur dass Xabi eben an Bälle denkt, hüstel. Was soll man da sagen, geiler Typ.

Lucas Piazón

Man kann von Cristiano Ronaldo ja halten was man will. Aber seine Wirkung auf den Fußball kann man nicht bestreiten. Tausende von Jugendfußballern haben versucht seine Freistöße zu imitieren und seine Schusstechnik zu lernen. Tausende sind daran gescheitert. Aber einige Wenige haben offensichtlich so einiges dabei gelernt. In der 90. Minute beim Stande von 1:1 zwischen Frankfurt und dem HSV schreitet der junge Piazon zum Freistoß. Sein Ball schnellt über die Mauer und senkt sich in den Winkel –  ein Wahnsinnstor, das Frankfurt drei Punkte bringt. Ronaldo wird beim Anblick dieses Freistoßes lächeln. Und dann anerkennend nicken.

Nicolai Müller

Die Arbeitsverweigerer aus der Offensivabteilung des HSV haben endlich ihren Streik gebrochen. Nach 507 Minuten traf Nicolai Müller zum zwischenzeitlichen 1:1 und sorgte für neue Hoffnung in der Hansestadt. Jetzt konnte eigentlich nichs mehr schief gehen, der erste Dreier der Saison schien eingesackt, ein Europa League Platz bis zum Winter in Reichweite und die Bayern ernsthaft in Gefahr. Dann ronaldote Piazon einen Freistoß ins Tor und beendete alle feuchten Hamburger Träume. 1:2 verloren, wieder keine Punkte und den letzten Platz verteidigt. Aber immerhin mit Rekord – noch nie hat ein Verein so lange nicht getroffen. Glückwunsch, lieber HSV.

 

Endlich angekommen

Mario Götze

Das Nationalheiligtum trifft und trifft. Und viel wichtiger: Er ist in das Spiel der Münchner eingebunden und könnte bald die prägende Figur in München werden. Ribery scheint aufgrund seiner Verletzungen nicht mehr der Alte zu werden, Robben wird älter und Lewandowski fremdelt noch sehr. Aber Götze ist angekommen. Er gewinnt sein Selbstvertrauen langsam zurück und vertraut wieder auf seine Stärken. Gegen Köln war ein anderer Götze zu sehen, als in der letzten Saison. Da war plötzlich wieder dieses wahnsinnige Talent. Super Mario könnte Woche für Woche zeigen, dass Jogi Löw Recht hat. Dass er besser ist als dieser Messi. Ein deutscher Weltfußballer hätte ja schon was.

Daniel Halfar

Ein Löwe hat die Geißböcke zu Fall gebracht. Ausgerechnet der Ex-1860-Spieler Halfar wollte es gegen die Bayern besonders gut machen und erwischte einen rabenschwarzen Tag. Zuerst sorgte Halfar mit einem lehrbuchmäßigen Fehlpass für die Führung von Götze, später machte er das 2:0 unglücklich selbst. Der Kölner schoß mehrere Böcke und erledigte so die Geißböcke im Alleingang. Hätten die Münchner vor Jahren einen Spion bei 1860 postiert, nur um Jahre später dieses Spiel gegen Köln zu gewinnen, tja, dann müsste einer der Verantwortlichen wohl in den Knast. Aber das ist natürlich quatsch. Oder… Moment…

Sein Tor spricht im Übrigen auch Bände. Kann man so machen.

 

Schalker der Herzen

Adrián Ramos

Ramos wird in den nächsten Wochen und Monaten viel Sympathie und Fanpost der Schalke-Fans bekommen. Das einzige Problem daran: Der Kolumbianer spielt für den Erzfeind aus Dortmund. Mit einem perfekten Pass setzte Ramos Choupo-Moting in Szene und leitete so das 0:2 ein. Danach mühte sich der Stürmer, seinen Derby-Patzer wettzumachen, scheiterte dabei aber wiederholt und fulminant an Fährmann. Ramos gab Schalke ein Geschenk und lieferte danach einen großen Kampf ab. Mit derartiger Maloche wird man zum Schalker der Herzen.

Emir Spahic

Der Abwehrrecke reiht sich in die Leverkusener Kurzarbeiterriege ein und sorgte durch seine Gelb-Rote Karte für 60 Minuten Unterzahlspiel. Dabei haben die Leverkusener Verantwortlichen mit ihrem Slogan „Werkself“ doch eigentlich klar gemacht, dass man in dieser Mannschaft arbeiten sollte und nicht Bank-Chillen angesagt ist. Vielleicht heißt die Mannschaft aber auch so, weil die Spieler es immer wieder vergessen und sanft daran erinnert werden müssen. Vielleicht haben die Leverkusener eine Arbeitsmoral wie jede andere Arbeitsstelle auch und einige kommen eben mit einer Null-Bock-Fresse durch die Tür. Vielleicht, aber wirklich nur vielleicht ist er einfach ein fairer Sportsmann und wollte den unterlegenen Freiburgern eine Chance geben. Oder er foult gerne Menschen. Ich persönlich glaube an die letzte Variante.

Ivica Olic

Ivica Olic, der Unkaputtbare, der Dauerläufer, der Fußballrentner auf Speed bewies einmal mehr, dass Alter nur eine Zahl ist. Der 35-Jährige ! sprintete ! und erzielte den 2:1-Siegtreffer per Flugkopfball !! Während andere Fußballer im Laufe der Zeit langsamer werden, Kräfte einteilen müssen und ihre Mätzchen abstellen, läuft Olic einfach weiter. Und macht was er will. Scheiß auf das Alter, scheiß auf die Anderen, ich schieß den jetzt einfach rein. Großartiger Typ. Bitte mehr davon.

 

Konkurrenz belebt das Geschäft

Patrick Herrmann

Der durch Hahn vom Auswechselspieler zum Einwechselspieler degradierte Herrmann durfte gegen Paderborn endlich mal von Beginn an ran und zeigte sofort, dass er um seinen Stammplatz kämpfen will. Mehrere schnörkellose Solos, feine Flankenläufe und nicht zuletzt den Führungstreffer konnte der Flitzer für sich verbuchen. Die stark gestarteten Paderborner mussten sich der gnadenlosen Borussen-Effektivität geschlagen geben und Herrmann konnte wieder einige Punkte bei Favre gutmachen. Und dann wurde er, wie sollte es auch anders sein, ausgewechselt. Für Hahn. Und da sage noch einer, Konkurrenz sei schlecht fürs Geschäft. Lucien Favre, Motivationsgott.

Karim Bellarabi

Leverkusen musste gegen Freiburg fast 60 Minuten in Unterzahl spielen, trotzdem war die Mannschaft von Roger Schmidt drückend überlegen. Das lag an der Ein-Mann-Armee Bellarabi, der zu keiner Zeit von den Freiburgern zu halten war und mehrere wunderschöne Solos zelebrierte. Die Breisgauer konnten sich bei der Latte und Bellarabis Gnädigkeit bedanken, dass es hier bei 0:0 blieb. In dieser Form ist Bellarabi einfach nur Weltklasse. Wenn der Junge jetzt noch gefährlicher wird und die Verteidiger in Leverkusen ihre Bärendienste einstellen, ja dann muss man tatsächlich mit Leverkusen rechnen. Jogi, ich hoffe, du schaust dir den Karim auch mal an.

Roman Bürki

Dass Freiburg 0:0 gewonnen hat, lag am neuen Keeper Roman Bürki. Der Schweizer fischte Flanken und Ecken ab, kratzte Bälle von der Linie und zeigte beim 1-gegen-1 bessere Nerven als John Wayne. Die hinterlassene Lücke seines Vorgängers Baumann schien in den ersten Spielen zu groß zu sein, Bürki patzte und konnte seinem Team nicht wirklich helfen. Aber jetzt ist er angekommen. Gegen die Werkself rettete der Schweizer mehrfach stark und sicherte so einen Punkt. Bürki, der neue Baumeister.

 

 

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Eine Antwort to “Elf des Spieltages – der Herr der Bälle”

  1. Nachspielzeitung September 29, 2014 um 8:30 pm #

    Karim wird sich wohl für Marokko entscheiden. Ich glaube auch nicht, dass er mehr als eine gute Phase hat…

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