Die Elf des Spieltages – Gekommen, um zu bleiben

21 Sep

ThisisPaderborn

André Breitenreiter

Der Wahnsinn hat einen Namen: Paderborn. Nach dem vierten Spieltag grüßt nicht München von der Spitze, nicht Leverkusen und auch nicht Dortmund. Sondern fucking Paderborn. Der designierte Absteiger, der Bundesliga-Ausflügler, die eigentlich als temporäre Erscheinung abgeschriebenen Westfalen. Mit mutigem Fußball, frechen Auftritten und einer grundsoliden Defensive rockt die Breitenreiter-Elf gerade die erste Liga. Zaubertore? Gibt es in Paderborn. Taktische Kniffe? Paderborn. Rekorde? Paderborn! Niederlagen? Tja, Dortmund und Leverkusen. Die Weltmeisterliga öffnet ihre Pforten und sie kommen alle. Nur einer ist gekommen, um zu bleiben. Paderborn.

Moritz Stoppelkamp

Das schönste Tor des Spieltages hat, wie sollte es auch anders sein, ein Paderborner erzielt. Aus gefühlten 100 Metern, tatsächlich unfassbare 83, zauberte Stoppelkamp den Ball ins leer Tor. Er nahm den Ball an, drehte sich und schloss direkt ab – eine technische Meisterleistung. Dabei war bisher keiner der Paderborner ernsthaft im Verdacht geraten, ein begnadeter Techniker zu sein. Der Rekordschütze spielte vorher bei Oberhausen, Essen und Hannover, nicht gerade die Talentschmieden des Landes. Und jetzt ist er der heißeste Scheiß der Liga. Wie neu gepaderborn.

Josef Zinnbauer

Der krisengeschüttelte Tabellenletzte spielt gegen die Übermächtigen Überbayern, eine sowas von klare Sache, da würde sogar Rainer Calmund sein Mittagessen darauf verwetten. Tatsächlich hat Tom Cruise-Zinnbauer die Mission Impossible locker flockig durchgezogen und holte einen Punkt gegen Guardiola. Der HSV war spielerisch limitiert, kämpfte und ackerte aber bis zum Umfallen. Und das kann auch gegen die Großmacht aus München reichen, was für den Rest der Liga eine großartige Botschaft sein dürfte. Und für den HSV gibt es auch eine: Mit dem neuen Action-Star an der Seitenlinie kommt wieder eine bisschen Hollywood-Feeling in den Norden. Vor ihm stehen nämlich noch so einige unmögliche Aufgaben.

Fin Bartels/Dominik Kohr

Der Werderaner Bartels und der Augsburger Kohr lieferten sich am Samstag einen Wettkampf der etwas anderen Art. Im Wer-verschuldet-den-dümmsten-Elfmeter-Wettbewerb zeigten beide eine starke Leistung. Bartels holte Bobadilla im Strafraum völlig unnötig und dazu dermaßen ungeschickt von den Beinen, dass man sich als Zuschauer dabei den Zeh verstauchte. Kohr wollte dem in nichts nachstehen und holzte Bartels im eigenen Strafraum derart ungestüm um, dass er sich gleich eine Sexismus-Klage einfing. Gewonnen hat am Ende der Augsburger Kohr, sein Team gewann mit 4:2. Im Elfer-Wettbewerb trennten sich die zwei Akteure mit einer 1:1-Niederlage.

Ricardo Rodriguez

Like a boss. Rodriguez führte die Wölfe gegen Leverkusen zu einem hochverdienten Sieg. Der Schweizer trieb seine Mannschaft an, erzielte selbst zwei Tore und bereitete eines vor. An sich schon eine außergewöhnliche Leistung, aber Rodriguez ist Außenverteidiger. Das sind die, die wir in Deutschland nicht haben. Und dieser Schweizer macht Jogi lächerlich, indem er seit Jahren einfach verdammt gut ist. Der Mann verteidigt stark, schlägt gute Flanken und ist gut am Ball. Das klingt nach Philipp Lahm plus Torgefährlichkeit. Und der Junge ist erst 22. Eindeutschen, bitte!

Julian Draxler

Ach Julian. Du bist wirklich eine Dramaqueen. Wir haben es ja verstanden, du hast Geburtstag und du bist etwas Besonderes. An seinem 21. Geburtstag spielte sein Schalke gegen Frankfurt und der Weltmeister machte sich sein eigenes Geschenk – mit einem Tor. Was danach kam, lässt ihn allerdings eher als Zornknappen durchgehen. Ein fieser Tritt gegen Zambrano und Rot als Präsent obendrauf. Trotz seines Bärendienstes hielt Schalke das 2:2-Unentschieden mit neun Mann fest. Und Draxler kann seine ausufernden Feierlichkeiten starten – beim Spiel unter der Woche hat er ja jetzt frei.

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Marco Russ

Sprachlos hat mich in der Partie aber ein anderer gelassen. Der Frankfurter hat mit einer Aktion die komplette Bandbreite des Fußballs abgedeckt. Er startete ein Rumpelsolo, schoss sich selbst und einen Schalker an, stümperte aber trotzdem mit Ball weiter. Und packte dann einen Außenriss-Schuss in den Winkel heraus. Angel Di Maria bekam daheim vor dem Fernseher Tränen und schnäuzte kräftig in sein Real Madrid-Trikot, ob so viel Ballgefühl.

Eric Maxim Choupo-Moting

Arroganz hat einen Namen – Eric Maxim Choupo-Moting. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das nicht schon eher an Wahnsinn grenzte. Gegen Frankfurt lag das kriselnde Schalke 0:2 zurück und bekam einen Elfmeter zugesprochen. Klarer Fall für die sichere Variante. Choupo-Moting war mit seinen Gedanken aber scheinbar woanders und chippte den Ball halbhoch in die Mitte. Trapp hätte den Ball fast noch rausgefischt und den Schalker zum Depp der Woche gemacht. So aber musste er dem Ball fassungslos hinterherschauen. Tor ist Tor und der Schütze hat somit Recht. Daher gibt es für den wahnwitzigen Kameruner auch den Cristiano-Ronaldo-Arroganz-Preis in schmandigem Weiß.

Ronny

Hertha hat einen neuen Standartenträger. Beziehungsweise Ausführer. Oder auch Freistoßgott. Gegen Freiburg brachte der Brasilianer es fertig, in einem Spiel gleich zwei Freistoßtore zu erzielen. In einem einzigen Spiel. Wenn ich so rekapituliere, habe ich selbst vielleicht zwei in meiner kompletten Fußballerlaufbahn erzielt. Aber Ronny hat ja auch keine krummen Füße, sondern zwei angewachsene Zauberkeulen, mit denen er hoffentlich auch in den nächsten Wochen und Monaten Mauern zum Einsturz bringt und Torhüter weinend zurücklässt. Das allersympathischste an Ronny ist aber etwas anderes: Dem Mann sieht man seinen Bauch an und er ist trotzdem ein erfolgreicher Fußballprofi geworden. Es ist also nie zu spät, noch an die eigene Karriere zu glauben.

Timo Horn

In Kölle machen se was se wolle. Zum Beispiel einfach kein Tor kassieren. Der Aufsteiger hat nach unfassbaren 360 Minuten immer noch eine weiße Weste. Keeper Timo Horn hat dazu seinen Teil beigetragen, konnte teilweise aber auch gar nichts dafür. Gegen Gladbach und Paderborn leistete seine Abwehr zu gute Arbeit und er bekam absolut nichts zu tun. Sogar Manuel Neuer hat momentan mehr Arbeit. Es scheint, als hätten sie in Köln das solide Arbeiten tatsächlich gelernt. Nur das Toreschießen, das müssen sie noch üben.

Giulio Donati

Der Kurzarbeiter des Tages kommt aus Leverkusen. Gegen die Wölfe ging Donati in der siebten Spielminute mit der Geschicklichkeit eines Bulldozers in den Zweikampf mit Malanda und brachte diesen zu Fall. Dafür bekam der Italiener Rot, Wolfsburg einen Elfmeter und Leverkusen 83 Minuten Unterzahlspiel. Was man sonst so in sieben Minuten alles machen kann: Einen Hattrick erzielen, eine Fünf-Minuten-Terrine erhitzen, den kompletten Inhalt der Bild-Zeitung lesen oder so tun, als hätte man diesen Blog-Artikel tatsächlich bis zum Ende gelesen.

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