Elf des Spieltages – Die Rückkehr des Lächelns

14 Sep

Kagawa lächeln

Shinji Kagawa

Man muss die Dortmunder Dramaturgen einfach lieben. Sie holen in Zeiten der Fußballsöldner und Geldverbundenen nicht nur den Publikumsliebling Kagawa zurück, sie inszenieren es auch als großangelegte Fan-Aktion. #FreeShinji ist das Comeback des Jahres. Der Japaner spielt seine Rolle zudem perfekt. Er strahlt über das ganze Gesicht, freut sich über seine alte Heimat und zeigte sofort, warum man ihn in Dortmund so liebt: Er macht ein Tor, eine Vorlage und hat ein Dauergrinsen im Gesicht. Nach dem Spiel geht Kagawa alleine vor die Südtribüne und lächelt. Er lächelt einfach. Und genießt. Ein Fußballer mit Herz, mit tatsächlicher Zuneigung für seinen Verein und zu seinen Fans. Was für eine perfekte Geschichte. Schnüff.

Josuha Guilavogui

Der Titel des Kurzarbeiter des Tages geht an Guilavogui. Der Franzose brachte es gegen Hoffenheim fertig, innerhalb von 17 Minuten Gelb und dann Gelb-Rot zu sehen. So eine Arbeitsmoral legen sonst nur Studenten und Hartz-IV-Empfänger an den Tag, aber nicht Profifußballer. Guilavogui wird das egal sein. Er wird wie üblich in seinem Lamborghini nach Hause gefahren sein, dort ein Schluck Champagner zum Kaviar zu sich genommen habe, um dann in seinem Geldspeicher ein wenig schwimmen zu gehen. Was Fußballprofis in ihrer Freizeit eben so machen.

Tin Jedvaj

Und noch ein Leverkusener. Nach so einem Bombenspiel hat man aber auch keine andere Wahl. Der Außenverteidiger ist dynamisch, antrittsschnell und torgefährlich. Sein Volleyschuss zum 1:0 hat Mario Gomez aus Nostalgie-Gründen Tränen in die Augen getrieben. Defensiv lässt Jedvaj noch zu viel zu, trotzdem ist er das größte Außenverteidiger-Talent seit Philipp Lahm. Philipp fucking Lahm. Ein größeres Kompliment kann es für einen Verteidiger nicht geben. Leverkusen muss diesen jungen Mann jetzt kaufen, momentan ist er nur ausgeliehen. Und Jogi Löw sollte ihn auf jeden Fall eindeutschen. Ein weiteres Rudy-Experiment kann man ja nicht mitansehen. Diesen Jedvaj hier schon eher.

Shinji Okazaki

Der Rekord-Shinji. Nicht Kagawa, der Andere. Okazaki hat gegen Berlin einen Doppelpack geschnürt, womit er Okudera als erfolgreichsten Japaner in der Bundesliga ablöst. Okazaki ist jetzt mit 28 Toren Rekordjapaner. Es ist ja verständlich, dass man neue Rekorde erfindet, weil die Bayern alle anderen schon besetzen. Aber Rekordjapaner? Wie wäre es mit Rekord-Nichtmeister? Rekord-Nasenpopler? (Grüße an Jogi Löw) Rekord-Fehlpassgeber? Rekord-am-15.Mai-Geburtstag-Haber? Schließlich wollen die anderen auch mal etwas gewinnen.

Daniel Brückner

Daniel Brückner steht hier stellvertretend für jeden anderen Akteur aus der Partie Paderborn – Köln. Brückners Beitrag zum Spiel: Er spielte mäßig, blieb dann im Rasen hängen und verletzte sich dabei. Ebenso fühlte man sich als Zuschauer, ein Spiel zum ins Graß beißen. Die 90 Minuten waren für Zuschauer verschwendete Lebenszeit, ein Niveau was selbst die dritte Liga überbietet. Beide Teams haben weniger riskiert als Angela Merkel als Kanzlerin und ängstlicher agiert als die FDP im Wahlkampf.  Trotz jetzt jeweils fünf Punkten kann und wird es für Paderborn und Köln gegen den Abstieg gehen. Noch so eine Partie ertrage ich auch nicht.

Matthias Ginter

Ginter ist der Nichtspieler des Tages. Am Wochenende trat sein Ex-Verein Freiburg bei seinem neuen Club Dortmund an und holte sich dort eine Packung ab, auch weil ein guter Innenverteidiger fehlte. Sein Ex-Mentor Streich und Hobby-Nostradamus orakelte bei Ginters Wechsel „der wird da nicht spielen. Der sitzt da nur auf der Bank.“ Und was soll man sagen. Hummels ist noch nicht fit, trotzdem spielt Ginter nicht. So hart es auch klingt, Ginter muss auf eine Verletztung hoffen, sonst kommt er an Hummels, Sokratis und Subotic nicht vorbei. Oder sich ausleihen lassen – z. B. an Freiburg. Immerhin ist Mats ehrlich und zeigt Ginter seinen Stammplatz – die Bank.

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Holger Badstuber

Ach Holger. Was hast du denn angestellt? Massenweise Ameisen als Kind zertreten? Schlechtes Karma im letzten Leben gesammelt? Negatives Feng-Shui durch Möbelrücken? Anders ist deine Pechsträhne nicht zu erklären. Gegen Stuttgart verletzte sich Badstuber erneut und muss operiert werden. Vielleicht soll es einfach nicht sein. Vielleicht ist dein Körper nicht für den Profifußball gemacht. Vielleicht kommt Badstuber aber wieder zurück und zerstört als härteste Sau aller Zeiten gegnerische Stürmer. Vielleicht und hoffentlich geht Badstuber nicht nochmal kaputt.

Hakan Calhanoglu

A star is born. Man glaubt es kaum, aber in Leverkusen wächst tatsächlich ein neuer Superstar heran. Nachdem Calhanoglu die Tristesse in Hamburg verlassen hat, blüht der Neu-Leverkusener auf. Er harmoniert mit der Turbo-Offensive und ist tatsächlich der erste Freistoß-Spezialist in Deutschland, der nicht einfach nur die rohe-Gewalt-Variante beherrscht. Sein Freistoß gegen Bremen hat Cristiano Ronaldo veranlasst, aus Wut eine Ganzkörperrasur durchzuführen. Schließlich hat er sonst ein Abo auf geile Freistoßtore. Calhanoglu kann einer der ganz Großen im Fußballzirkus werden, was ihn unweigerlich Leverkusen auch wieder verlassen lässt. Schließlich will Hakan irgendwann mal einen Titel gewinnen. Und wie man sich aus Verträgen rausnörgelt, hat der Künstler hinlänglich bewiesen.

Ömer Toprak

Dass Leverkusen keinen Titel gewinnen wird, liegt nicht an der Traum-Offensive rund um Calhanoglu, Son und Co. Bayer hat einen guten Kader, der allerdings nicht für das System Schmidt geschaffen ist. Innenverteidiger Toprak bekam gegen Bremen derart die Grenzen aufgezeigt, dass er danach Russland heftig für ihre Krim-Annexion kritisierte. Gegen Hajrović verlor er mehr Sprintduelle, als er überhaupt Sprints anzog. Das hohe Verteidigen lässt riesige Räume zwischen Leno und den Verteidigern entstehen, was Toprak und Spahic nicht entgegen kommt. Die alten Recken leben durch ihr gutes Stellungsspiel, was ihnen bei Laufduellen leider nichts nützt. Man stelle sich nur mal vor, Bayer hätte Verteidiger wie Boateng und Alaba, die wahnsinnig schnell sind. Tja, dann wäre Bayer tatsächlich ein ernstzunehmender Titelkandidat. So aber sind sie nur ein Spektakelgarant. Was ich persönlich ja viel geiler finde.

Andre Hahn

Ein Hahn kräht dort, wo der meiste Mist ist. Dementsprechend passt es, dass Hahn gegen Schalke besonders aufblühte und Jens Keller mit seinen zwei Toren eine weitere Sorgenfalte hinzugefügt hat. Hahn war schnell, Hahn war kompromisslos, Hahn war großartig. Aber all das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schalke 04 momentan nicht wettbewerbsfähig ist. Das Team agiert planlos und hofft auf Einzelleistungen. Gladbach war als Team zu stark für S04, zudem wurden Draxler und Co. geschont. Ich würde ja sagen, jetzt kann es nur noch besser werden. Aber am Mittwoch kommt der Tabellenführer der Premier League FC Chelsea. Und statt Hahn, Herrmann und Kruse stehen dann Costa, Fabregas und Hazard auf dem Platz. Zumindest verliert man auf Schalke nur langsam an Humor.

Matthias Ostrzolek

Mit Beiersdorfer beginnt für den HSV eine neue Zeit, die Transfers geben der Mannschaft ein neues Gesicht und überhaupt wird der HSV wieder zu einer Macht im deutschen Fußball. Mehr Ironie passt nicht in einen Satz, die reale Situation stellt sich „unwesentlich“ anders da: Die HSV-Führung agiert konfus wie gewohnt, die Spieler murksen und stolpern sich durch die Liga und die einzige Macht, die HSV-Fans zu spüren bekommen, ist die Ohnmacht nach dem fünften Gegentor. Der Neu-Hamburger Ostrzolek, vorher ein grundsolider Baustein des Augsburger Erfolges, patzte mehrfach gegen Hannover und war an beiden Gegentoren nicht unschuldig. Ist er ein guter Mann? Vielleicht. Liegt es am Verein? Auf jeden Fall. Hamburg ist weiter der Totengräber für Fußballkarrieren. Nächste Station: Lewis Holtby, der einst aufstrebende Star.

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