Tim Wiese – der Torsteher

10 Sep

wiese vwg

Zwischen den Pfosten steht ein Riese, ein unüberwindbares Hindernis, ein Mann im Zenit seiner Schaffenskraft. Es ist der 22. April 2008, der womöglich größte Tag in der Karriere des Tim Wiese. Im DFB-Pokal Halbfinale zwischen dem HSV und Werder Bremen geht es nach einem 1:1 ins Elfmeterschießen. Wiese pariert dabei drei von vier Elfmetern, gewinnt das Spiel für seine Mannschaft im Alleingang und macht sich so zur Bremer Legende. Jan Delay adelt Wiese als „den unglaublich Derbsten. Wiese ist einfach der King!“ Im selben Jahr debütierte Wiese in der Nationalmannschaft und galt als Nummer zwei hinter einem gewissen Manuel Neuer.

Wiese war einer der besten Keeper des letzten Jahrzehnts und hätte auch dem jetzigen seinen Stempel aufdrücken können. 2012 wollte ihn Jose Mourinho zu Real Madrid locken. Mourinho, Madrid, Wiese und das vor zwei Jahren – aus heutiger Sicht unfassbar. Der extrovertierte Torhüter traf aber eine fatale Fehlentscheidung und bevorzugte einen vermeintlich sicheren Stammplatz in Hoffenheim. Der Anfang vom Ende einer großen Karriere.

Wiese patzte, Wiese machte Fehler, Wiese war ohne Werder kein Wiese mehr. Innerhalb einer Saison verschwand der Ex-Nationalspieler in der Hoffenheimer Versenkung, aus der er nicht mehr hervorkam. Angebote aus dem Ausland lehnte Wiese ab, er wollte seinen hochdotierten Vertrag bei Hoffenheim lieber aussitzen, als im kalten Russland für einen Bruchteil des Gehalts schuften zu müssen. Aus menschlicher Sicht ist seine Entscheidung sicherlich verständlich. Geld für lau – wer würde dazu nein sagen. Aus sportlicher Sicht hat Wiese allerdings Selbstmord begangen. Ohne Training und regelmäßige Spielpraxis kann kein Profi bestehen. Seine neu gewonnene Freizeit nutzte Wiese für seine neue Leidenschaft – Gewichte stemmen, pumpen und posen. So wurde aus dem einst formidablen Torwart ein Torsteher, ein Muskelberg, eine wandelnde Kraftmaschine, die das Torwartsein verlernte.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Daher erledigen wir das an dieser Stelle. Wiese wandelte sich zum laufenden Hulk, einem 118-Kilo-Kraftpaket, einem wandelnden Schrank. Die meisten Bodybuilder dürften auf Wieses Körper neidisch sein, der Rest rieb sich nur verwundert die Augen. Auf Twitter wurde Wiese mit dem Hashtag #breitwienie versehen, was er sich auch wirklich verdient hatte. Mit all seinem Geld wusste Wiese nichts besseres anzufangen, als seinen Körper hammermäßig aufzupumpen. Vielleicht macht Geld alleine doch nicht glücklich. Vielleicht ist Tim Wiese aber auch glücklich. Vielleicht lebt er gerade seinen Traum und Fußball war nur ein Job. Vielleicht ist Tim Wiese der Stärkste und verdammt nochmal stolz darauf.

 

 

 

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