Kroosmacht – Einzellobpreisung der deutschen Elf

9 Jul

Der gestrige Tag wird als Tag der Schnappatmung in die Geschichte eingehen. Das 7:1 war nicht einfach ein Sieg, es war ein Erdbeben. Der Stufe 9. Mit gleichzeitigem Tornado und Vulkanausbruch.

Manuel Neuer

Staunte in der ersten Hälfte nicht schlecht, als sein Team Brasilien in Stücke riss. Nach der Pause wollten seine Abwehrleute den Brasilianern unbedingt einen Ehrentreffer ermöglichen, Neuer hatte darauf aber keinen Bock. Und hielt alle Bälle in Weltklassemanier. Einen besseren Keeper gibt es bei dieser WM nicht. Steht immer richtig und hält mehr, als zu halten ist. Um dem Lynchmob zu entgehen ließ er in der 91. doch noch einen Ball durch.

Philipp Lahm

Der Kapitän der deutschen Elf zeigte eine Klasseleistung. Hinten stopfte er mehr Löcher als der durchschnittliche Pornodarsteller und vorne mit guten Aktionen. Warum sollte man diesen Mann doch gleich im Mittelfeld einsetzen? Ich habe keine Ahnung. Und Löw hoffentlich auch nicht.

Jerome Boateng

Lieferte zu Spielbeginn drei Fehlpässe am Stück, danach grundsolide. Köpfte, boxte und arbeitete sich an den Angriffen der Brasilianer ab und ließ eine Halbzeit lang nichts zu Neuer durch. Danach ließ er Oscar und Co. mehrfach passieren, Ehrentor und so. Musste sich von Neuer öfter anhören, dass er zu viel abräumt.

Mats Hummels

Gewinnt Kopfballduelle, Zweikämpfe, die Herzen der meisten Frauen und sieht dabei geil aus. Einen Tag im Leben will ich auch mal Mats Hummels sein. Bis dahin gratulieren wir ihm zu seiner Leistung, seinem Leben und hoffen, dass er weiter die eierlegende Wollmilchhummel bleibt.

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Benedikt Höwedes

Ich dachte nicht, dass ich das einmal schreiben muss. Höwedes mit einer bärenstarken Leistung. Er meldete Hulk, Oscar und Willian auf seiner Seite komplett ab, leitete nach vorne Angriffe ein und verbarg auch sonst gut seine Schalker Gene. Der Mann ist kein Außenverteidiger? Der Mann spielt jetzt nur noch außen!

Bastian Schweinsteiger

Hielt den Defensivverbund zusammen, da Khedira mit vorne ausrasten beschäftigt war. Erledigte einen Job für zwei Personen und machte das mit der ihm eigenen Autorität und Leichtigkeit. Schweinsteiger ist nah dran an seinem Leistungsvermögen und das genau zur rechten Zeit. Danke Basti.

Sami Khedira

Was hat man nicht alles über Khedira geschrieben. „Der ist nicht fit, der kann nicht über 90 Minuten spielen, warum nimmt man den überhaupt mit?“. Und dann kommt Khedira. Und zerlegt die brasilianischen Träume und Hoffnungen in mehr Einzelteile als ein 1000-Teile Puzzle. Eroberte nach dem 2:0 unbarmherzig mehrere Bälle und leitete so zwei Treffer ein und machte selbst einen. Vielleicht hat er nicht die Kraft für 90 Minuten. Vielleicht ist er noch nicht ganz fit. Aber 45 Minuten Khedira reichen für ein 5:0 völlig aus.

Toni Kroos

Bester Mann, eine Kroosmacht. Er ließ die Abwehr der Selecao unfertiger aussehen als den Flughafen Berlin-Brandenburg und spielte mehr Schnittstellenpässe als es Schnittstellen gab. Bereitete drei Tore vor, machte zwei selbst und spielte ganz nebenbei das beste Spiel seiner Karriere. Das war der Abend des Toni Kroos. Kroosartige Ballbehandlung, kroosmütige Pässe, einfach nur Kroos. Warum um alles in der Welt verkaufen die Bayern diesen Mann? Jetzt sind sie völlig krooslos und ich weiß wirklich nicht warum.

Mesut Özil

War völlig überrascht vom deutschen Angriffswirbel und vergaß darüber seiner Lethargie. Zeigte feine Tricks, Zauberpässe und sehr viel Spiellaune. Vorher hatte ich mir den Spitznamen Nözil überlegt, jetzt hat er ihn einfach widerlegt. Özil ist da, wenn es Gegner zu zernichten gilt und hilft fleißig mit. Nur ein eigenes Tor blieb ihm vergönnt, er hätte es zweistellig machen können. Aber auch so reicht dieser Abend für feuchte Fußballträume. Hach.

Thomas Müller

Das Turniertier hat wieder zugeschlagen. Bei einer Ecke war er noch unbedrängter als beim Anstoß und markierte so lockerleicht sein fünftes WM-Tor. Rannte und ackerte danach für drei und bereitete ein Tor und viele Chancen vor. Vergleiche mit Gerd Müller ziemen sich jetzt nicht mehr. Man muss jetzt andere Spieler an Thomas Müller messen. Und dann feststellen, dass früher alles besser war. Geiler Typ, dieser Müller.

Miroslav Klose

Der Rentner hat keinen Bock auf Aufhören. Rechtfertigte seine Aufstellung mit einem taktisch klugen Block vor dem 1:0 und dem 2:0 in Klose-Manier: Richtig stehen, schießen, abdrehen, lachen. Spielte sich danach in einen Spielrausch wie ein Sechsjähriger, der einfach nicht mehr aufhören will. Ganz nebenbei staubte er den ewigen WM-Rekord ab, wird ihn in vier Jahren aber wohl an Müller abgeben müssen. Miro, der beste Torschütze aller Zeiten. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Andre Schürrle

Der unbarmherzigste Mensch der Welt. Die am Boden liegenden Brasilianer düpierte Schürrle mit zwei weiteren Treffern, einer schöner als der andere. Das 7:0 schien gegen jede Physik, aus spitzem Winkel nagelte er den Ball ins Dreieck und badete danach in der Fassungslosigkeit der Fans. Als die Selecao am Boden lag, trat Schürrle nochmal drauf. Aber wer solche Tore erzielen kann, darf eigentlich alles. Der edelste Joker aller Zeiten.

 

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