Alles Kopfsache – Kruls Mindgame, Hollands Triumph

6 Jul

Nach 120 Minuten steht es beim Spiel Holland – Costa Rica 0:0. Der große Favorit scheint über die Überraschungsmannschaft zu stolpern, also zieht der General Van Gaal seinen letzten Joker. Tim Krul. Das besondere daran: Krul ist Torhüter. Van Gaal wechselt also in der 121. Minute seinen Keeper aus – in den Augen der Costa Ricaner kann Krul also nur ein Elfer-Killer sein, warum würde man ihn sonst einwechseln? The game is on…

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Krul spielt bei Newcastle United, einem mittelmäßigem Club in England. Er hat dort in der letzten Saison 60 Gegentreffer kassiert. Das ist in diesem Moment aber egal. Was zählt, sind die fragenden Blicke der in weiß gekleideten Costa Ricaner. Ihr eigener Torwart hat in den 120 Minuten davor wie ein Gott, pardon Neuer,  alles abgewehrt, was auf seinen Kasten kam. Er war unüberwindbar und diese Tatsache hätte sich ins Elfmeterschießen übertragen können. Tat sie aber nicht. Denn da war ja noch Krul. Der Elfer-Killer. Aus der Frage wurde langsam Gewissheit.

Was dann folgte, war eine einzige Krul-Show. Mindgame in Perfektion. Jens Lehmann wird sich vor lauter Wehmut einen Zettel aus dem Papierkorb geholt haben. Denn den Titel für das härteste Mindgame könnte er gestern Abend verloren haben. Hier nochmal der Lehmann-Zetteltrick (Ab Minute 4:40).

 

Krul baut sich vor dem Schützen auf, wechselt ein paar Worte mit ihm, schaut ihm in die Augen und deutet auf eine Ecke. Danach stellt er sich nicht in die Mitte, sondern leicht versetzt nach links. Aus der Gewissheit einen Killer vor sich zu haben, wird jetzt Angst. Angst zu Versagen, Angst vor diesem Elfmeterspezialisten. Krul springt anschließend in die richtige Ecke. Viermal. Zwei Elfmeter kann er parieren, zweimal ist er nah dran. Holland ist weiter. Wie hat er das gemacht?

Der holländische Keeper weiß, wie die Schussvorlieben der Schützen aussehen. Durch seine provokante Art und seine unübliche Position im Tor bringt er den Schützen zum Grübeln. Und genau da will er ihn auch haben. Denn die Costa Ricaner weichen plötzlich von ihren üblichen Schussmustern ab. Sie spielen Kruls Spiel mit und schießen  in die andere, für sie unübliche Ecke. Womit Mastermind Krul aber gerechnet hat. Er fliegt jedesmal in die richtige Ecke, mit etwas Glück hätte er alle vier Elfmeter parieren können. Was hat der Außenseiter falsch gemacht?

Die Antwort liefern die Holländer selbst. Robben und Snejder trotten zum Elfmeterpunkt und stieren zu Boden. Auf den Pfiff des Schiedsrichters laufen sie los und hämmern den Ball ins Netz. Ohne vorherige Blicke zum Keeper. Kein ausgucken, keine Spielchen, einfach den Kopf ausschalten und draufhalten. Genau so muss man es machen. Der vorher unüberwindbare Navas bekommt so nicht die Möglichkeit, die Schützen zu verunsichern, was Krul auf der Gegenseite meisterlich vorführt. Costa Rica scheitert so am großartigen Schachzug von Van Gaal, der Show von Krul und der Abgezocktheit der Holländer. Der Sieg war nicht wirklich verdient, Holland war im entscheidenden Moment einfach cleverer. Viele Teams haben das Potential die WM zu gewinnen, am Ende ist es aber auch Kopfsache. Und dabei sind die Holländer jetzt schon weltmeisterlich.

 

 

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