Sand im Schland – die DFB-Elf in der Einzelkritik

1 Jul

Beim überaus souveränen 2:1-Sieg der deutschen Mannschaft war reichlich Sand im Getriebe. Erst der Kaltstart durch den Schürrle-Blitz rettete den „Titelanwärter“ vor dem vorzeitigen Aus. Und verhinderte, dass Poldi sich den Sand in den Kopf steckte.

Sand_schland

Manuel Neuer

Der letzte Libero. Ein Land hat seine Identität zurück, wir spielen endlich wieder mit Libero. Neuer fluggrätschte, harakirite und rettete mehr Bälle als Angelina Jolie Kinder. Eine unfassbare Abwehrleistung von unserer Nummer eins. Als Torwart souverän, als Libero der wiedergeborene Lothar Matthäus. Kassierte in der 121. Minute trotzdem ein Gegentor und spielte dann beleidigte Leberwurst. Den Ball wollte er eben nicht mehr hergeben.

Shkodran Mustafi

Die erste Panikattacke überfiel mich heute Nachmittag, als ich von Hummels Verletzung und Mustafis Aufstellung erfuhr. Die zweite kam kurz nach Spielbeginn, als Mustafi mehr Bälle verstolperte als ein einzelner Neuer retten konnte. Viel Glück und Neuer verhinderten die Führung der Wüstenfüchse. Vielleicht war Mustafi auch ein V-Mann der Algerier – V wie Versagen. Ich will meinen Hummels zurück.

Per Mertesacker

Der Merte-Baum steht. Er steht richtig, er läuft nicht. Laufen ist was für Boatengs. Sprint ist nichts für Bäume. Soll doch der Neuer laufen. Ansonsten eine starke Vorstellung des Abwehrhünen, der fast immer richtig stand. Sprintduelle mit Mertesacker sind dagegen wie das Leben selbst. Einfach nicht fair.

Benedikt Höwedes

Der Mann hat Humor. Erst lieferte er eine Slapstick-Einlage vom Feinsten, Pirouette mit Orientierungsverlust und anschließendem Ausrutscher, danach zeigte er seine Außenverteidigerqualitäten. Und die sind einfach ein Witz. Zündelte im deutschen Strafraum mit Mustafi um die Wette.

Jerome Boateng

Spielte unsicher wie ein Außenverteidiger, besann sich im Laufe des Spiels aber und gab den kompromisslosen Innenverteidiger. War danach grimmig und gemein – und hielt Algerien lange vom deutschen Tor fern. Seine 45-minütige Eingewöhnungsphase war trotzdem etwas zu lang.

Philipp Lahm

Spielte solide in der Mitte, später solide in der Abwehr. Ein Philipp Lahm soll aber nicht solide sein. Er soll Weltklasse sein. Er soll die Mannschaft anführen, die Defensive sauber halten, offensiv Akzente setzen und nebenbei ein Kätzchen vor dem Ertrinken retten. Schien zeitweise ihm Angriffswirbel der Algerier zu ertrinken, stemmte sich aber gegen die drohende Niederlage. Solider Mann eben.

Bastian Schweinsteiger

Die Krampfader im deutschen Team. Hatte heute mehr Krämpfe als Beine und musste gegen die physisch starken Algerien die Zähne zusammenbeissen. Den Kampf gegen den inneren Schweinhund (Keeper Bohli) ging für Schweini verloren, trotz zahlreicher Versuche. Lieferte dafür viel K(r)ampf.

Toni Kroos

Schwacher Beginn, schwach weitergemacht und schwach geendet. Kroos kann mehr, Kroos weiß das auch und Kroos sollte keine so krooslosen Spiele mehr abliefern. Ansonsten warten noch einige andere auf ihre Chance. Poldi lächelt schon und hebt den Daumen. Eine andere Geste hat er wohl nicht drauf.

Mesut Özil

Ach Mesut. Die kleine Zaubermaus war heute wieder so zauberhaft, dass sie sich einfach unsichtbar machte. War für sehr lange Zeit nicht zu sehen, materialisierte in der 119. Minute aber wieder und entschied das Spiel mit dem zusammengestümperten 2:0. Hätte er den Ball wieder nicht gemacht, hätten sich die Ö-Strichchen meiner Tastatur vor Wut aufgelöst. Oder auch aufgrund einiger Handgreiflichkeiten, Einzelheiten wären dabei nicht von Belang. So wie Özils Leistung heute – belanglos. Achja, wo war eigentlich Özil?

Oezil suchbild

 

Mario Götze

Götze war stets bemüht und versuchte sich ins deutsche Spiel einzugliedern. Das gelang ihm aber nicht. Für einen Stürmer fehlen ihm 20cm, für sein Talent und seine Spielweise fehlt ihm momentan das Selbstbewusstsein. So sehr es mich als ausgemachten Götze-Fan auch schmerzt, in dieser Verfassung gehört Götze auf die Bank. Da kann er dann die Fantastilliarden seines Gehalts zählen – vielleicht springt dabei mehr Zählbares heraus als heute.

Thomas Müller

Genie und Wahnsinn liegen manchmal sehr eng beisammen. Müller scheint in Sekundenbruchteilen beides verkörpern zu können. Einen zu langen Ball fischt Müller erst zauberhaft ab, legt ihn dann mit einer geschmeidigen Bewegung über den Verteidiger und kloppte den Ball mit der Spitze stumpf am Tor vorbei. Er schoss aus allen Lagen, schließlich muss er seinen Titel als Torschützenkönig verteidigen. Hatte aber wohl vergessen, sich den Staub aus den Augen zu wischen. Der Sandmann (Keeper Bohli) lässt grüßen.

Andre Schürrle

Schnell, belebend, Fußballgott. Schürrle kam, sah und zeigte die beste Joker-Leistung seit Heath Ledger in Batman: the dark night. Furiose Sprints und das erlösende 1:0 in der Nachspielzeit. So bewirbt man sich für einen Stammplatz.

Sami Khedira

Durfte auch mitmachen und sich seinen Platz hier verdienen. Gratulation. Viel gemacht hat er nicht, aber das meistens auch noch falsch.

 

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