Schwach wie eine Flasche leer – die Enttäuschungen der WM

25 Jun

Mit Vorschusslorbeeren zur WM gekommen und mit Mistgabel und Fackel aus dem Land gejagt – manche Stars liefern, andere nicht. Selten entscheiden weniger Minuten über das Star-Dasein, ein oder zwei schlechte Spiele können Spielern noch jahrelang vorgehalten werden. Die größten Enttäuschungen der WM live kommentiert vom großen Trapattoni (1:36 geht es richtig los):

 

Ciro Immobile

Der Neu-Dortmunder soll Lewandowski im Angriffszentrum der Borussen vergessen machen. So wie er bei der WM gespielt hat, kann er allerhöchstens Julian Schieber adäquat ersetzen. Erschreckend harmlos im Abschluss, Probleme bei der Ballverarbeitung und viele, viele kleine Fehler – auch wegen ihm blieb die Squadra Azzura so harmlos. Die knapp 20 Millionen Ablöse scheinen für Dortmund der größte Fehlgriff der Saison zu werden. Die WM sollte eine große Bühne für ihn werden – Immobile wurden aber seinem Namen gerecht und zeigte sich zu unbeweglich und zu unflexibel. So wird Dortmund nicht zum Bayernjäger.

Cristiano Ronaldo

Der Weltfußballer lieferte im Vorfeld die größten Kampfansagen und blieb bisher meilenweit unter seinen Möglichkeiten. Das portugiesische Spiel ist auf ihn ausgerichtet, er blieb bisher aber blass. Erst wurde er von Boateng komplett abgemeldet, dann konnte er gegen die USA nur vereinzelt Akzente setzen. Ronaldo tritt weitestgehend nur als Heulsuse in Erscheinung und kann seine brilliante Technik zu selten zeigen. Eine Aktion steht stellvertretend für das Missverständnis Ronaldo-WM: die undurchdringbare Ein-Lahm-Mauer. Endlich eine Aktion, die ich als Fußballamateur auch hinbekommen hätte. Einmal einen Freistoß im Ronaldo-Style – herrlich.

 

Steven Gerrard

Manchmal ist das Leben einfach scheiße. So oder so ähnlich dürfte Gerrard bei der WM empfunden haben. Der Kapitän lieferte mäßige Leistungen und verschuldete unglücklich mehrere Gegentore. Vor der WM hatte Gerard so die Meisterschaft für seinen Klub Liverpool verloren, jetzt ermöglichte er dem Beißer Suarez England nach Hause zu schicken. Immerhin kann Gerrard so den wirklichen Stars bei der Arbeit zugucken. Daheim. Vor dem Fernseher. Weinend. Mit einem Neymar-Shirt an der Wand.

Iker Casillas

Die Demontage einer Legende. Der tiefe Fall des San Iker. Manchmal muss man einfach wissen, wann man aufhören sollte. Casillas patzt sich seit geraumer Zeit durch die Strafräume dieser Welt, allein sein großer Name rechtfertigt jede weitere Aufstellung. So konnte Casillas mehrere Tore bei dieser WM vorbereiten – mal für Van Persie, mal für Aranguiz. Dumm nur, dass die beiden keine Spanier sind und so das Aus des Weltmeisters besiegeln konnten. Gute Torhüterleistungen zeigen momentan andere, Ochoa oder Haghighi zum Beispiel. Was Casillas abliefert, ist dagegen peinlich. Bitte lieber Iker, mach einfach Schluss. Besser wird es nicht mehr.

Diego Costa

Und noch ein Spanier in der Auflistung. Der Sturmtank wurde im Vorfeld als Retter der Spanier gefeiert, als einer, der eine völlig neue Stärke in das Team bringt. Was diese Stärke letztendlich sein soll, bleibt rätselhaft. Ballverluste, ungenaue Pässe, harmlose Abschlüsse oder ungestümes Zweikampfverhalten. Alles was Costa vor der WM auszeichnete, scheint er komplett vergessen zu haben. Es muss ein Costa-Double gespielt haben, anders sind die Auftritte der Spanier nicht zu erklären. Dieser Mann soll Atletico zur Meisterschaft geschossen haben? Nach diesem WM-Eindruck sicher nicht. Und ich habe aufgrund von Costa Spanien als Turnierfavoriten erwählt. Experten sind manchmal die ahnungslosesten aller Zuschauer.

Costa

Romelu Lukaku

Die Belgier sind ja Geheimfavorit. Mit dieser Offensive – Hazard – de Bruyne – Lukaku, was soll da schief gehen. Lukaku geht schief. Und zwar gründlich. Der Stürmer kommt überhaupt nicht zurecht bei dieser WM, ist nicht ins Spiel der Belgier eingebunden und ist noch harmloser als der letzte Klitschko-Gegner Leapai. Bälle abschirmen – Fehlanzeige, es scheint für Schirme aber auch wirklich zu warm zu sein. Pressing – ohne Lukaku. Laufen ist was für Verlierer. Dank Lukaku und Co. ist Belgien kein Geheimfavorit mehr. Geheim bleiben lediglich seine Fähigkeiten und den Favoritenstatus hat Belgien auch abgegeben. Auch wenn ich diese Einschätzung noch bereuen werden, aber da ist sogar Griechenland gefährlicher. Und das will wirklich was heißen.

Dani Alves

Ein Brasilianer in der Liste? Dabei sind die doch Gruppenerster! Aber Dani Alves, nominell einer der besten Rechtsverteidiger der Welt, stümpert sich durch diese Weltmeisterschaft wie der HSV durch die Playoffs. Jeder seiner Gegenspieler konnte ihn locker mehrfach überlaufen und so viele Chancen initiieren. Allein den starken Innenverteidigern David Luiz und Thiago Silva ist es zu verdanken, dass Brasilien kaum Tore kassiert hat. Alves zeigt rätselhaftes Abwehrverhalten und ist mit dem Kopf irgendwo, aber nicht auf dem Platz. Noch gedankenlangsamer ist sonst nur Lukas Podolski. Steigert sich Alves nicht in den nächsten Partien, wird Brasilien an seinen Abwehrschwächen scheitern. Brasilien ist weiterhin Titelanwärter – aber Alves bleibt ein Risiko.

 

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