Die WM der alten Männer – Das Rentenspecial

29 Mai

Schon alt, aber noch kein altes Eisen – die rüstige Rentnertruppe fliegt nicht zum Urlaub machen nach Brasilien – sie wollen unsterblich werden. Dabei wird man als Fußballer normalerweise mit knapp 30 Jahren aussortiert, zu stark ist die Konkurrenz durch die nachwachsende Jugend. Doch einige Spieler halten sich hartnäckig in der Elite vieler Länder. Und nicht nur das, sie sind auch noch mit die besten Akteure ihrer Teams. Eine Ode auf das Alter.

Einfach nur der Beste sein

Miroslav Klose – 35

Auch in Deutschland haben wir einen baldigen Fußballpensionär in der Nationalmannschaft, voraussichtlich auch in der Startelf. Der junggebliebene Klose (35) ist der gesetzte Mittelstürmer unter Jogi Löw und das jetzt auch schon seit gefühlten 20 Jahren. Einerseits hat Klose kaum Konkurrenz auf seiner Position, die deutschen Talente im Sturm sind rar gesät und ein Volland oder ein Kruse können Klose (noch) nicht ersetzen. Andererseits ist Klose noch unfassbar fit, er kann sich in der Offensive noch immer aufreiben und seine spielerische Klasse ist weiter unbestritten. Nach eigener Aussage ist Miro der zweitschnellste Sprinter der Nationalelf. Allerdings hat eine Umfrage unter seiner Mutter auch ergeben, dass Klose der schönste und klügste Spieler sei. Sicher ist, dass Klose mit 14 Toren bei Weltmeisterschaften einer der begnadetsten Knipser aller Zeiten ist. Unsicher ist, ob Klose mit seinen 35 Jahren das immer noch abrufen kann. Ich habe da so meine Zweifel, sehe aber auch keine echte Alternative. Die falsche Neun als Ersatz war bisher eher ein falscher Fuffziger, was bleibt also außer Klose, Klose und weiterhin Klose?

Rentnerspecial

Die Vier von der Tankstelle.

 

Andrea Pirlo – 35

Der Chefbart unter den Italienern treibt den deutschen Fans den Angstschweiß ins Gesicht. Wenn der 35-jährige am Ball ist, gibt er dem Spiel die richtige Wendung. Wäre Pirlo mit noch mehr Hirn ausgestattet, wäre er kein Fußballer geworden. So aber ist er das Mastermind im italienischen Spiel und macht sein Team ein Stückchen besser. Ja, Pirlo ist nicht mehr der Schnellste. Ja, Pirlo war auch schon zweikampfstärker. Aber einen besseren Regisseur hatte Italien nichtsdestotrotz lange nicht mehr. Vielleicht sollte er Michael Bay ablösen, die Transformers brauchen dringend eine bessere Regie. Bis dahin hält Pirlo weiter in der squadra azzurra die Fäden in der Hand und könnte so erneut zum Alptraum einer ganzen Nation werden.

Daniel Van Buyten – 36

Der Bayernhüne sortiert im belgischen Strafraum die Defensive und die Knochen seiner Gegner, je nachdem welche Laune er gerade hat. Mit seinen 1,97 Meter und seinem hulkmäßigen Körper gewinnt er jedes Kopfballduell und fast alle Zweikämpfe. Nicht umsonst haben die Rothosen in zehn Qualispielen nur vier Gegentore kassiert. Sein Stellungsspiel ist mit dem Alter immer besser geworden und die Patzer aus vergangenen Jahren gehören der Vergangenheit an. Van Buyten hat in dieser Saison den Boateng- und Dante-Backup bei den Bayern gegeben, er kann noch immer auf internationalem Niveau mithalten. Seine (einzige) Schwäche ist die altersbedingte fehlende Spritzigkeit. Man mag sich gar nicht ausdenken, was passieren würde, müsste Van Buyten in ein Sprintduell. Mit Cristiano Ronaldo. Über mehr als fünf Meter. Die belgische Kante könnte dann nur den Van-Damme-Schalter umlegen und Leute umnieten, aber das darf man ja nicht allzu oft.

Gianluigi Buffon – 36

Wenn man auf einer Position alt werden darf, dann als Torhüter. Selbst mit Bierbauch, hinkendem Fuß und keinerlei Fitness kann man sich ja anschießen lassen. Dem ist mittlerweile nicht mehr so, die Torhüterposition erlebt eine Renaissance: die Akteure müssen fußballerisch stark sein, präzise Abwerfen können, den Spielaufbau der eigenen Mannschaft leiten und nebenbei alles rausfischen, was aufs Tor kommt. Mit Buffon ist einer der letzten Keeper-Dinos noch immer auf seinem Posten. Er wird kein brillianter Techniker mehr, mit dem Ball am Fuß ist er solide. Solide Richtung Tribüne. Buffon hat aber immer noch bessere Reflexe als ein durchschnittlicher 18-jähriger und schmeißt sich öfter zu Boden als Gina-Lisa aufs Bett. Zudem sprechen seine Meriten (4x Welttorhüter) für sich, Buffon hütet weiter das italienische Tor. Seine besten Tage hat er aber hinter sich. Wie wäre es da mit einem Patzer gegen Deutschland?

Alt und gebraucht

Didier Drogba – 36

Drogba, genannt „der Büffel“ steht auch weiterhin in vorderster Front für die Elfenbeinküste. Es gibt dort auch nicht die ganz große Auswahl an Klassestürmern, an Drogba müssten aber auch diese erstmal vorbei. Der Ivorer ist bullig wie eh und je, jede Disco würde sich über so einen Türsteher freuen. Sein größtes Talent, sein Kopfballspiel, kann er wahrscheinlich auch mit 45 Jahren noch in die Waagschale werfen. Seine Murmel ist wahrscheinlich aus Granit, vielleicht auch nur aus Stein. Was er damit macht, lässt hartgesottene Verteidiger anfangen zu weinen. Seine Kopfbälle sind fester als manche Torschüsse, fragen sie mal Manuel Neuer. Die Geschwindigkeit geht Drogba mittlerweile ab. Aber wer braucht sowas schon, wenn man auch Ecken und Freistöße hat.

Giorgos Karagounis – 37

Karagounis ist der Silberrücken seiner Mannschaft, er hat mittlerweile 131 Länderspiele gesammelt und hat mehr Erfahrung als eine 40-jährige Prostituierte. Woher der Grieche seine Rüstigkeit hernimmt ist unklar, seit Leonidas haben die Griechen aber keinen besseren Zweikämpfer mehr erlebt. Er wirft sich in alle Bälle, kämpft für sein Team und opfert sich für das höhere Wohl auf. Zudem kann er wirklich mit dem Ball umgehen, was in der griechischen Elf nicht selbstverständlich ist. Darum übersieht man geflissentlich seinen fehlenden Speed, seine lange Regenerationszeit nach Spielen, sein verdammt hohes Alter. Denn man braucht ihn in Griechenland, auch bei dieser Weltmeisterschaft. Irgendwer muss die 11 anstürmenden Gegner schließlich aufhalten.

 

Faryd Mondragon – 42

Who the fuck is Mondragon? Faryd Mondragon hat vier Jahre bei Köln gespielt und war der erste südamerikanische Keeper in der Bundesliga. Er zeichnete sich dadurch aus, kein kompletter Fliegenfänger gewesen zu sein. Das hat er sich bis heute bewahrt. Er ist zwar langsamer als früher, kann aber noch mit der kolumbianischen Konkurrenz mithalten. Ob das ein Armutszeugnis für die Kolumbianer oder eine Auszeichnung für Mondragon ist, bleibt unklar. Sicher ist nur. dass Mondragon tatsächlich mit 42 Jahren mit zur WM fahren darf. Im Gegensatz zu den anderen Spielern dieser Liste ist er nur Ersatz. Darf er bei dieser WM spielen, übernimmt er den Rekord als ältester Akteur einer Weltmeisterschaft. Und geht direkt danach in Rente.

 

 

 

 

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