Die Unelf der Saison – Teil 1

19 Mai

Neben den Helden dieser Saison gab es auch einige Akteure, die einem die eigene Unfähigkeit am Ball etwas erträglicher machen konnten. Durch häufiges Scheitern, einmalige Aussetzer oder das allseits beliebte HSV-Gen (Hoffnungslose-Serien-Versager) fielen die Spieler der Unelf auf. Die Antihelden dieser Liste haben sich wärmstens für einen Platz auf der Bank oder der Tribüne empfohlen, wenn sie sich ihn nicht schon ergattert haben.

Tim Wiese

Im Tor der Unglückself steht der Prolet unter den Torhütern, Tim Ich-mach-mir-nen-Lenz Wiese. Für kolportierte 3,5 Millionen pro Jahr legt sich der Ex-Werderaner im Sonnenstudio auf die faule Haut und zeigt sich ab und zu im Hoffenheimer Stadion – auf der Tribüne, versteht sich. Seine Leistungen zu Beginn der Saison waren noch trauriger, als der Tod von Mufasa in König der Löwen. Der als „Leitwolf“ gekommene Keeper leidet sehr unter seiner momentanen Rolle, er wusste zuletzt nicht, in welcher Farbe er seinen Ferrari lackieren sollte. Macht aber nichts, Hoffenheim zahlt ja.

Heiko Westermann

Westermann hat sich in dieser Saison durch viele Patzer und verlorene Sprintduelle (bzw. Sprint gegen Rollator-Duelle) ausgezeichnet und viel zur Situation des Hamburger Sportvereins beigetragen. Er war der Lahme unter den Kranken und ließ sich Woche für Woche düpieren. Wie Westermann Tag für Tag aufstehen konnte, nur um sich bei jedem Spiel auf dem Platz und medial danach die Fresse polieren zu lassen, bleibt für mich ein Rätsel. Immerhin hat er sich so für eine Filmrolle empfohlen: Er könnte perfekt den Sparringspartner in Rocky 7 geben – als Boxsack. Hier Heiko in seiner Rolle als „Hau-den-Heiko“ in blauer-Fleck-blau.

Westermann

Assani Lukimya

Hoch oben im Norden gehört die Arbeitsverweigerung in der Abwehr zum guten Ton. Lukimya war einer der fleißigsten Streikenden und stand für die gegnerischen Stürmer Spalier Richtung Tor. Seine Rettungsaktionen waren noch slapstickhafter, als die Bemühungen der FDP in den Bundestag zu kommen. Ebenso trostlos sind die Aussichten auf baldigen Erfolg. Lukimya gehört zur Kategorie der Spieler, die man nur aufstellt, wenn man wirklich keinen anderen mehr hat. Immerhin hat er so etwas mit dem Pornosternchen Micaela Schäfer gemeinsam: Beide müssen öfter als Notnagel herhalten.

Javier Pinola

Pinola geht in dieser Saison vor allem als astreines Frisurenmodel durch, seine Halbglatze scheint dem Argentinier völlig Schnuppe zu sein, er gelt sich die Haare trotzdem hoch. Spielerisch ist das bei Pinola alles deutlich unlustiger. Der Mann wird mit dem Alter nicht mehr schneller, zeigt öfter technische Defizite und hat einige der Club-Gegentore zu verantworten. Statt einem erfahrenen Anführer war Pinola in dieser Saison ein Sicherheitsrisiko. Seine Ausflüge nach vorne ermöglichten oft Konter für den Gegner – zum Haare raufen. Die Club-Abwehr war mit Pinola so sicher, wie ein weiblicher Tourist spätabends in Indien. Für diese reife Leistung bekommt er den HSV-Preis in blutleerem Rot für absolute Erstliga-Untauglichkeit. Wer aber trotz so wenig Haaren noch so grinsen kann, hat zumindest viel Spaß bei der Arbeit.

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Ken Reichel

Der Braunschweiger Reichel gibt allem Unaussprechlichen im Spiel des Absteigers ein Gesicht: den Stockfehlern, der fehlenden Qualität, den minutiösen Fehlpässen, der an Körperverletzung grenzenden Ungefährlichkeit und dem großen Sicherheitsabstand zum Rest der Liga. Der prädestinierte Letzte zeichnete sich durch absolute Chancenlosigkeit aus, was ihn in gewisser Weise sympatisch macht. Schließlich ging es mir früher genauso: Wenn ein anderes Kind in der Grundschule in den Mülleimer gestopft wurde, kam man selbst schadlos davon. Reichel wird sich sicher über die Dankesgeschenke aus Stuttgart, Bremen, Frankfurt und Freiburg gefreut haben. Und so kann er in Zukunft auch öfter die lästigen Spiele am Wochenende vermeiden, das Montagsspiel in Liga zwei lässt grüßen.

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