Die Elf des Spieltages – Bester Mann? Westermann!

7 Apr

Heiko Westermann

Hätte das Hamburger Urgestein einen Medienspitznamen, hieße dieser sicherlich „Westermann der Gescholtene“. Westermann wird gemeinhin als Personifikation der Hamburger Krise ausgemacht – zu alt, zu langsam, zu schlecht und überhaupt. Gegen Leverkusen hat Westermann aber gezeigt, warum er einmal Nationalspieler war: Defensiv stand er gut und kurz vor Schluss sprintete er in den Leverkusener Strafraum, wuchtete seinen Körper Richtung Ball und setzte einen Volley in Edeltechniker-Manier in die Maschen. Die meisten HSV-Fans mussten am nächsten Tag noch roten Augen gehabt haben, so lange rieben sie sich vor Verwunderung selbige. Der neue Hamburger Held heißt Westermann. Und hier liebe HSV-Fans, euer neuer Schlachtruf: Bester Mann? Westermann!

Embed from Getty Images

 

Ylli Sallahi

Sallahi sorgte für ein mehrfaches Novum beim Spiel gegen Ausgburg: Er war der erste Spieler des FCB, der alleine nicht wertvoller war, als die komplette gegnerische Mannschaft. Zudem war er der erste Bayern-Akteur, der tatsächlich eine schlechte Leistung ablieferte. Man munkelt, die Augsburger hätten ihn einfach ausgespielt. Und nach dem Spiel hat Guardiola ihn nicht als Super-super-Spieler geadelt, was man wohl als Zeichen tiefster Missbilligung des Trainers deuten kann. Und Sallahi hat schlussendlich bewiesen, was Gertjan Verbeek schon länger wusste: „Auf dem Klo machen die Bayern das Gleiche wie wir.“ Danke dafür.

Christian Gentner

Gegen Freiburg hatte Gentner den Sieg auf dem Fuß, nach einem tollen Spielzug stand er blank vor Baumann. Aber was der Abstiegskampf aus Menschen macht, musste der Stuttgarter am eigenen Leib erfahren. Mit klassischer Kreisklasse-Attitüde säbelte Gentner ein wunderschönes Luftloch. Normalerweise macht er so einen Ball mit geschlossenen Augen. Mit der Hacke. Schlafend. Aber Abstiegskampf bedeutet auch Abstiegskrampf. Fragen sie mal Gentner.

Ibrahima Traoré

Das Stuttgart trotzdem gewann, lag am Wirbelwind Traoré. Mit einem unfassbaren Rhythmusgefühl brachte er die Freiburger Defensive wiederholt ins Schwitzen. Die Breisgauer fühlten sich dabei wie in der örtlichen Disko, rumstehen und den anderen beim Tanzen zusehen. Traoré nahm die Einladung gerne an, drehte ein paar Pirouetten, tänzelte um Ginter und Co. herum und moonwalkte den Ball schließlich zum Sieg. So schön kann Fußball sein.

Sami Hyypiä

Steingesicht Hyypiä musste seinen Posten räumen. Der Stoiker musste gegen Hamburg eine erneute Niederlage der Leverkusener mitansehen, was er mit einem starren Blick quittierte. Nach dem Spiel wurde Hyypiä entlassen, woraufhin er einfach stehen blieb und seitdem für eine Statue gehalten wird. Noch mehr Emotionen gibt es sonst nur beim Hallenhalma. Der Frauen. Über 80. Ich werde One-Face-Sami trotzdem vermissen.

Sascha Mölders

Vereinsweltmeisterschaftssiegerbesieger. Mölders ging mit seinem Treffer gegen die Überbayern in die Geschichtsbücher ein. Nach gefühlten 357 Spielen verloren die Münchner tatsächlich wieder. Mölders büffelte einen Augsburger Angriff ins Netz der Münchner. Neuer war von einem Ball auf sein Tor zu überrascht und konnte seine bequeme Sonnenliege nicht mehr rechtzeitig verlassen. Der Büffel unter den Angreifern bescherte den Bayern somit das dritte Spiel in Folge ohne Sieg, Guardiola wirkt bereits angezählt. Miese Krise, wenn man seine eigenen Rekorde aus der Vorsaison nicht alle brechen kann. Danke Sascha.

Marco Reus

Der Staubwedel in Gold geht an diesem Spieltag an Marco Reus. Denn noch schmutziger kann ein Abstauber eigentlich kaum sein. Der Wolfsburger Keeper Max Grün ließ einen Ball so unglücklich fallen, dass irgendwo in China eine unbezahlbare Ming-Vase zersprang. Reus war das egal und er schob lässig ein und sicherte seiner Mannschaft so drei Punkte.

Max Grün

Der Wolfsburger Torwart ist noch ziemlich grün hinter den Ohren. Gegen den BVB patzte er gleich doppelt: Erst unterlief er eine Flanke und schenkte Lewandowski so das erste Tor, dann ließ er einen Ball fallen und bekommt so einen Assist für Reus‘ Siegtor. Immerhin hat sich Grün so schon in die Herzen der Fans gespielt, die gegnerischen Fans lieben ihn und die eigenen bekommen einen Herzinfarkt, wenn er an den Ball kommt. Eine herzergreifende Story. Hier auch noch als Bildbeweis.

Embed from Getty Images

 

Sven Ulreich

Das Freiburger Schrecksgespenst heißt Sven Ulreich. Der Stuttgarter Keeper hielt nämlich einfach alles: Mehmedis Kopfbälle, Schmieds Schüsse, Streichs Contenance, die Freiburger Abstiegsängste, ein Eis und die drei Punkte für Stuttgart. Der VfB wird von Ulreich also weiter am Leben gehalten.

Hiroshi Kiyotake

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Dennoch bleiben die Nürnberger bei ihrer bisher eingeschlagenen Marschroute und sammeln fleißig weiter Aluminium. Mit den Pfosten- und Latte- Treffern 22 und 23 eilen die Nürnberger zum wohl einzigen Rekord, den die Bayern noch nicht besetzen. Aluminium kann man aber nicht in Gold aufwiegen, Tore hingegen schon. Goldgräber Kiyotake geht nächste Woche wieder auf die Suche. Diesmal hoffentlich nach Toren.

Domi Kumbela

Da schreibt man monatelang gegen die Braunschweiger an und dann wollen sie ums Verrecken einfach nicht absteigen. Am Samstag putzten sie Hannover mit 3:0 weg, Kumbela war wieder zur Stelle und brachte sein Team in Front. Plötzlich sind es nur noch zwei Punkte bis zum rettenden Ufer und als geneigter Fan muss man sich an den Gedanken gewöhnen, auch im nächsten Jahr diesen Augenkrebs eines Trikots in pissgelb Woche für Woche sehen zu dürfen. Aber Braunschweig lebt genau das vor, was ein Kellerkind braucht: Kampf, Leidenschaft und eine Prise Glück. Lieberknecht mischt seiner Elf diesen Cocktail-Mix Woche für Woche und macht den Abstiegskampf so noch einmal richtig spannend. Und wenn die Niedersachsen tatsächlich die Klasse halten, heben wir vor Achtung die Brauen und schweigen. Denn Braunschweig ist in der Liga angekommen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: